50 Jahre Münchner U-Bahn:So sieht der Jubiläumszug aus

PK 50 Jahre U-Bahn am U-Bahnhof Kieferngarten

Oberbürgermeister Dieter Reiter (Mitte), Helmut Schütz vom Verkehrsministerium (links) und MVG-Chef Ingo Wortmann präsentieren den neuen Zug im alten Weiß-Blau.

(Foto: Florian Peljak)

Jahrzehntelang wuchs das Münchner U-Bahn-Netz stetig. Für einen weiteren Ausbau bräuchte es aber dringend mehr Geld vom Bund. Immerhin gibt es nun zwei neue Züge in nostalgischen Farben.

Von Andreas Schubert

Eigentlich hätten sie so einen Moment entsprechend würdig begangen. Mit großer Feier, Büfett - und mindestens mit Pfarrer und Blaskapelle. Aber in Corona-Zeiten muss es eben reichen, selbst den 50. Geburtstag der Münchner U-Bahn in einem bescheideneren Rahmen zu zelebrieren. Am 19. Oktober 1971 ging die erste U-Bahn-Linie zwischen Goetheplatz und Kieferngarten mit großem Tamtam und 1600 geladenen Gästen in Betrieb. Zum Jubiläum am Dienstag gab es immerhin noch Butterbrezen und Wurstsemmeln für die anwesenden Journalisten und die paar geladenen Gäste, die direkt oder indirekt mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu tun haben. Zudem präsentierte die MVG einen von zwei Jubiläumszügen, die zwar ein neues Modell vom Typ C2 sind, aber im Weiß-Blau der alten Züge daherkommen. Den originalen Zug von der Eröffnungsfahrt damals gibt es nicht mehr. Dieser wurde im Mai dieses Jahres verschrottet.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) war als Redner da an der U-Bahn-Station Kieferngarten, MVG-Chef Ingo Wortmann und der Amtschef des bayerischen Verkehrsministeriums, Helmut Schütz. Reiter nutzte einmal mehr den halböffentlichen Feieranlass, um mehr Geld für den öffentlichen Nahverkehr von Bund und Freistaat einzufordern. Zunächst witzelte er angesichts der überalterten U-Bahn-Flotte mit vielen Fahrzeugen der allerersten Generation: "Wir sind in München extrem nachhaltig."

Bis die erste U-Bahn samt Planung und Bauzeit fertig war, dauerte es gerade einmal siebeneinhalb Jahre - ein Zeitraum, wie ihn sich Reiter heute auch noch wünschen würde. So lange, kritisierte er, dauere heute alleine das Planfeststellungs-, also das Baugenehmigungsverfahren. Reiter wandte sich an die Bundespolitik, es brauche keine "Sonntagsreden" zum ÖPNV, "wir brauchen auch Geld". Sollte sich bei den Zuschüssen nicht etwas ändern, werde man in München keine einzige neue U-Bahn mehr bauen können. "Ohne Moos nix los", so Reiter. Die jährlichen Bundesmittel zur Finanzierung des ÖPNV-Ausbaus betragen aktuell eine Milliarde Euro für ganz Deutschland. Alleine die angedachten U-Bahn-Projekte in München, wie die U9 oder Verlängerungen bestehender Linien, würden laut Reiter sechs bis acht Milliarden kosten. Zudem mahnte er an, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen.

Helmut Schütz und Ingo Wortmann sprachen sich für eine Änderung der Förderungsregeln nach der sogenannten standardisierten Bewertung aus, der zufolge momentan nur Projekte mit einem Kosten-Nutzen-Faktor höher eins förderfähig sind. Für die U9, deren Kosten heute auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt werden, träfe dies aktuell nicht zu. Sein Wiener Kollege habe einmal erklärt, er hätte keinen Kilometer U-Bahn bauen können, wenn es diese Regeln auch in Österreich gäbe, so Wortmann. Der MVG-Chef forderte zudem mehr Geld für die Finanzierung von neuen Fahrzeugen und der Instandhaltung des in die Jahre gekommenen Netzes. Jedes Jahr muss die MVG im Schnitt 13 Weichen und sechs Kilometer Schienen erneuern.

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