Nostalgiker dürften sich darüber freuen: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) lässt noch immer die U-Bahnen der allerersten Generation durch den Untergrund rollen, die Oldtimer werden nach wie vor gebraucht. Doch selbst das reicht noch nicht, um den Fahrplan vollständig ausfüllen zu können, nach wie vor mangelt es der MVG insgesamt an verfügbaren Fahrzeugen. Grund sind technische Probleme und Lieferschwierigkeiten.
Für den Fahrplan bedeutet das: Die U4 fährt immer noch im Zehn-Minuten-Takt, „je nach Wagenverfügbarkeit können wir teilweise einen Takt fünf anbieten“, sagt ein MVG-Sprecher. Für den Fünf-Minuten-Takt auf der U4 bräuchte es fünf zusätzliche Züge. Wer nur zwischen Max-Weber-Platz und Westendstraße unterwegs ist, muss unter der Woche dagegen nicht lange auf den nächsten Zug warten. Auf diesem Abschnitt teilt sich die U4 ihre Stammstrecke mit der U5, die werktags tagsüber im Fünf-Minuten-Takt fährt. Die U7, die normalerweise zwischen Neuperlach Zentrum und Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) als Verstärkerlinie unterwegs ist, verkehrt derzeit nur zwischen OEZ und Sendlinger Tor. Auf dieser Linie fehlen drei zusätzliche Züge. Neuperlach wird bis auf Weiteres nur von der U5 bedient, immerhin bedient die U8 an Samstagen die Haltestelle Neuperlach Zentrum tagsüber.
Die Probleme mit den U-Bahnen ziehen sich schon das ganze Jahr hin. Zur Erinnerung: Vergangenen Februar musste die MVG bei den U-Bahn-Linien U4 und U7 Kürzungen einführen, zunächst für drei Wochen, der Grund waren fehlende Fahrzeuge und zu wenig Personal, unter anderem in den Werkstätten. Dies dürfe kein Dauerzustand bleiben, ließ die MVG damals wissen. Doch kurz darauf gab es Probleme mit den C2-Zügen der neuesten Fahrzeuggeneration, der Verschleiß der Räder war ungewöhnlich hoch. Obwohl dieses Problem inzwischen beseitigt ist und es auch nicht mehr an Personal mangelt, hapert es an den Fahrzeugen nach wie vor.
Das liegt zum einen daran, dass der Hersteller Siemens mit der Auslieferung neuer C2-Züge nicht hinterherkommt, weil es wegen der Überflutung eines Aluminiumwerks Verzögerungen in der Lieferkette gegeben habe, erfährt man bei der MVG. Zudem habe sich die Nachrüstung älterer Züge mit modernen Brandschutzanlagen in die Länge gezogen.
Eigentlich hätten sie schon dieses Jahr ausgemustert werden sollen
Wie ist es also um die Flotte der MVG im Untergrund derzeit bestellt? Wie viele und welche Fahrzeuge können die Fahrgäste aktuell nutzen? 95 Züge müssten nach Angaben der MVG zur Hauptverkehrszeit gleichzeitig im Münchner U-Bahn-Netz unterwegs sein, um den Fahrplan auszufüllen. Doch aktuell ist das schwierig. Nur 85 bis 90 Züge sind momentan im Einsatz, auch die Oldtimer aus den Anfangszeiten der U-Bahn, die sogenannten A-Wagen. Die Fahrzeuge mit den blauen Sitzen wurden von 1970 bis 1983 gebaut, sind also mindestens 42 Jahre alt. Aktuell sind immer noch 25 sogenannte Doppeltriebwagen im Einsatz. In der Regel sind drei dieser Wagen miteinander gekoppelt, das entspricht rechnerisch rund 8,3 Zügen. Bisweilen sind sie auch als Zweiergespann unterwegs, also als Kurzzug.
Und eigentlich hätten sie schon dieses Jahr ausgemustert werden sollen, doch jetzt rollen sie auch noch 2026 durch den Untergrund und werden erst im Laufe des Jahres nach und nach ausgemustert. Aktuell müssen sie aber noch fit gehalten werden, was laut MVG einen so nicht geplanten finanziellen und zeitlichen Aufwand mit sich bringt und Werkstattkapazitäten bindet.
Ebenfalls fast schon Oldtimer-Status haben die B-Wagen, die Laien an ihrer weiß-blauen Optik und den braunen Sitzen erkennen, und die von 1987 bis 1995 gebaut wurden. Von denen sind noch 53 Doppeltriebwagen im Einsatz, das entspricht 17,6 Zügen. Sie werden noch bis in die 2030er-Jahre gebraucht.
Von den C1-Fahrzeugen, die von 2000 bis 2005 hergestellt wurden, sind 17 im regulären Einsatz, bis auf fünf davon, die mit modernem Brandschutz nachgerüstet werden mussten und noch auf ihre Zulassung warten. Dies werde voraussichtlich bis März erledigt sein, hofft die MVG.
Den größten Anteil der Flotte stellen die modernen C2-Züge, die seit 2013 gebaut werden. 76 davon sind derzeit im Einsatz, vereinzelt fallen Fahrzeuge wegen Instandhaltung, Reparatur oder Umbauten aus, teilt die MVG mit. Bis zu den kommenden Sommerferien sollte der Bestand aber auf 85 C2-Züge wachsen. Bis dahin werden im Münchner U-Bahn-Netz nach wie vor Oldtimerfreunde auf ihre Kosten kommen.

