Typisch deutsch:Die Vertreibung des Monster-Katers

Wie man Kopfschmerzen bei Hitze vorbeugen kann

Eine Sonnenbrille hilft bei allzu greller Sonne bei allzu viel Alkohol.

(Foto: dpa-tmn)

Es gibt immer den einen, der nach der Party früh morgens aufsteht und wirkt wie nach einem Wellness-Wochenende. Aber wie lautet nur das Geheimnis dazu? Eine Annäherung.

Kolumne von Olaleye Akintola

In Bayern spricht man vom Berge versetzen, und so manchem Münchner möchte man gar zutrauen, Felsen spalten zu können. Rastlose Kreaturen voll von Kraft. Wann kommen diese Menschen zur Ruhe? Ob am Arbeitsplatz oder zu Hause, sie haben immer etwas vor. Keine Bremse, kein Stau - und wenn, dann wird im Stehen telefoniert. Ihr Zuhause, das ein Ruhepol sein könnte, ist zu einer Werkstatt für Heimwerker geworden: Nägel in Holz schlagen, in Beeten Unkraut jäten oder Blumen schneiden. Trotz all dem treiben sie auch noch Sport. Sie sind in den Bergen, nicht um zu beten, sondern um zu wandern. Sie bevölkern die Fitnessstudios, um sich von Geräten quälen zu lassen. Man sieht sie keuchen, schwer atmen oder stöhnen. Solange, bis sie diesen einen Punkt erreichen: Sie sitzen unter Bäumen und trinken aus den größten Bierkrügen des Landes. Vergessen sind all die Schmerzen. Wie sehr man sich doch täuschen kann.

So mancher Münchner ist mit einem nachhaltigen Reservoir gesegnet, das sehr viel Alkohol wie ein Vorhaltebecken speichern kann, ehe das promillehaltige Signal den Kopf erreicht und seine hämmernde Wirkung entfaltet: Kopfschmerzen. Die einen bereits nach einem geleerten Maßkrug. Andere - offenbar gelehrtere Trinker - inhalieren Krug um Krug und stehen am nächsten Morgen wieder vor einem, als hätten sie ein Wellnessprogramm durchlaufen.

Vielleicht mangelt es mir an Training oder grundsätzlicher Eignung. Ich jedenfalls gehöre nicht zu den Leuten mit dem Wellness-Look am Tag danach. Würde in diesem Jahr das Oktoberfest wieder zu Gelagen verführen, bestimmt würde sich wieder so ein Abend ergeben, der mit dem Aufwachen in einem Schlamassel endet. Während der Wellness-Typ schon mit einer Tüte voll mit Brezen in der Küche steht, kämpfe ich mit meinem Kopf.

Einige Jahre habe ich vergeblich nach Antworten gesucht. Bestehen diese Kreaturen womöglich aus robusterem Fleisch und Blut? Immun gegen die Promille-Geister und schmerzfrei gegen allerlei andere Qualen? Körperschmerzen, Kopfschmerzen, Krämpfe, Gelenkschmerzen und Rückenschmerzen sind jene Preise, die man auf der Kirmes auch ohne Lostrommel gewinnt.

Und wie lautet nun das Geheimnis des Wellness-Typs? Die Lösung ist so banal. Es gibt sie in Kapselform oder rund. In den meisten Haushalten ist es nicht ungewöhnlich, ein Behältnis mit Schmerzmitteln als Erste-Hilfe-Maßnahme vorzufinden. Einige Apotheken haben einen nächtlichen Notdienst eingerichtet, um Kunden zu versorgen, die Schmerzmittel benötigen.

Nie hatte ich in meiner einstigen Heimat Nigeria zu Ibuprofen oder dergleichen gegriffen. Mein Heilmittel dort war es, genug Wasser zu trinken und mich auszuruhen - schon war der Schmerz weg. Doch der Mensch wird älter und lernt Neues kennen. Zum Beispiel die Wucht der Wiesn.

Mit dem Erlebnis meiner ersten Kopfwehtabletten ließ sich so mancher Morgen danach weniger dramatisch gestalten. Wenngleich ich dabei bleibe, dass die Schmerzen von gestern auch dann nicht der Segen von morgen sind. Und so halte ich mich lieber an das Münchner Phänomen der Arbeitsamkeit. Mag man dabei auch keine Berge versetzen oder Felsen spalten - so ist wenigstens erreicht, dass es einem nicht den Schädel sprengt.

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

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