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Neue Fernsehserien:Ein München nach Monaco Franze

(Foto: imago, Florian Peljak, Bearbeitung: SZ)

Klar, Helmut Dietls Figuren sind Kult. Aber irgendwann ist es Zeit, sich von alten Lieblingen zu lösen. Heute zeigen Fernsehserien längst ein anderes München - samt seiner Eigenheiten.

Wenn man die Worte "München" und "Serien" hört, kann man gar nicht anders, als ganz schnell und ganz laut "Dietl" zu schreien, als wäre das die einzig richtige Assoziation, die man in diesem Zusammenhang haben kann. Auch Nicht-Münchner und Nicht-Achtzigerjahre-Kinder kommen dann sofort ins Schwelgen. Ach, der Monaco Franze. Ach, der Baby Schimmerlos. Ach, der Tscharlie (wobei der noch der Unbekannteste ist).

Die Serienfiguren, die Helmut Dietl im München der Siebziger und Achtziger erschaffen hat, sind heute Kult. Man radelt an den Königsplatz, um mit Hunderten anderen eine Monaco-Franze-Folge anzuschauen (was ziemlich ungemütlich werden kann, wenn man nicht daran gedacht hat, Picknickdecke und Kissen mitzubringen, aber eben auch so schön nostalgisch). Man verklärt dadurch München als diese hippe, coole Szenestadt, die es damals wahrscheinlich nie war und heute ganz sicher nicht ist. Eine große Leistung des Regisseurs, keine Frage. Und wenn man bei einer München-Serie an den Monaco Franze denkt, ist das bestimmt ein schönes Kompliment für dessen Schöpfer. Aber trotzdem wird es Zeit, sich von diesem ständigen Vergleich zu distanzieren, endlich einmal nicht mehr alles Neue an den Produktionen von Dietls zu messen.

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Tatsächlich gibt es neue Serien, die es schaffen, das München-Gefühl ganz wunderbar zu verkörpern. Wobei man hier gleich wieder einhaken müsste mit der Frage: Was ist denn das überhaupt, das Münchner Lebensgefühl? Welche Kriterien hat eine solche Serie zu erfüllen? Man stelle sich eine Checkliste vor: Es muss sieben Mal die Isar zu sehen sein, einmal im Englischen Garten flaniert werden, der Biergartenbesuch muss pro Staffel zweimal erfolgen, unterschiedliche Wirte sind gewünscht. Nein, diese frei erfundenen Kriterien erfüllen die heutigen München-Serien natürlich nicht.

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie humor- und liebevoll auf die Eigenheiten (Neider würden jetzt sagen: Schwächen) abzielen. Darauf, dass München manchmal wie ein großes Dorf ist. In der Serie "Fett und Fett ", zum Beispiel, sagt die Serienfigur Jaksch einmal: "Ich wollt' halt eigentlich in der Stadt bleiben", nachdem er erfährt, dass die Party in Moosach stattfindet. Oder es wird darauf angespielt, dass man an jeder Ecke Leuten, die man kennt, über den Weg läuft. Solche kleinen Eigenheiten machen die Serien wie "Fett und Fett " oder "Servus Baby" aus, und zudem haben sie einfach gute Geschichten zu erzählen. Einen Monaco Franze braucht es da gar nicht.

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Wenn man die Worte "München" und "Serien" hört, kann man gar nicht anders als ganz schnell und laut "Dietl" zu schreien. Doch wie kommt die Stadt heute im Fernsehen rüber?

Außerdem gibt es immer mehr München-Serien. Das bemerkt auch Gerhard Maier, Programmdirektor vom Münchner "Seriencamp", dem Festival für Serien, das vom 8. bis 10. November an der Hochschule für Fernsehen und Film stattfindet und 30 kostenlose Serienvorführungen zeigt. Maier beobachtet ein steigendes Interesse für deutsche Serien. "Die Menge an seriellen Stoffen ist explodiert, und auch die Qualität", sagt er - eine der Erklärungen für die neuen Serien-Schöpfungen, von denen einige in München spielen.

Auf dem Weg zum "Seriencamp" sieht man München übrigens, wie es wahrscheinlich sowieso am schönsten ist: Durch die eigenen Augen.

"Seriencamp"-Festival: Fr., 8. Nov. bis 10. Nov., Programm unter seriencamp.tv

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