Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: Die Türkei hat sich nach 24 Jahren wieder für die Endrunde der Fußball-WM qualifiziert. Im entscheidenden Playoff-Spiel gewann das türkische Team Ende März gegen Kosovo. Der Jubel am Bosporus war groß, auch in Deutschland zogen Fans mit Fahnen und Autokorsos durch die Städte. Auch die türkische Filmgemeinde in München kann sich freuen: Von 17. April an sind im Rahmen eines Länderfilmfestivals elf Spielfilme, neun Dokumentarfilme und acht Kurzfilme aus und über die Türkei zu sehen.
In München gibt es über das Jahr verteilt viele solcher Festivals, dieses hier ist eines der ältesten: Die Türkischen Filmtage finden bereits seit 1989 statt. In eben jenem Jahr entstand auch der diesjährige Eröffnungsfilm „Uçurtmayi Vurmasinlar – Lasst den Drachen fliegen“, der im Schauspielhaus der Kammerspiele gezeigt wird. Das preisgekrönte Drama spielt in einem Frauengefängnis, erzählt wird die Geschichte von einer politischen Gefangenen und einem fünfjährigen Kind. Dieses lebt dort mit seiner inhaftierten Mutter. Die Hauptdarstellerin Nur Sürer ist Ehrengast des Festivals und wird an diesem Abend auch in München erwartet.
Nur der Eröffnungsfilm läuft in den Kammerspielen, alle weiteren Vorstellungen finden im Royal Filmpalast am Goetheplatz sowie im Gasteig HP8 statt – so wie in den Jahren zuvor auch. Fast alle Filme werden im türkischen Original mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Es gibt eine Festivalparty (am 17. April im Conviva im Blauen Haus der Kammerspiele), auch ein Podiumsgespräch zum Thema „Frauen im Film“ sowie ein Filmworkshop für Kinder sind geplant. Beide Veranstaltungen finden in türkischer Sprache statt.
Vor knapp 65 Jahren, genauer gesagt am 30. Oktober 1961, wurde in Bad Godesberg das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei unterzeichnet: Im Jahrzehnt darauf kamen fast eine Million sogenannter Gastarbeiter nach Deutschland. Mit ihnen stieg auch hierzulande das Interesse an türkischer Kultur, an Literatur, Musik, bildender Kunst oder Filmen. In Nürnberg fand im März das „Filmfestival Türkei Deutschland“ statt, in München bemühen sich Vereine und Netzwerke um Austausch und interkulturellen Dialog. Vielerorts gibt es Vorträge, Lesungen, Konzerte oder Jugendprogramme. Und im Juni findet auf der Galopprennbahn in München-Riem das laut Veranstalterangaben „größte türkische Open-Air-Festival Europas“ statt.
Besonders gute Nachrichten kommen derzeit aus dem Kino: Vor zwei Monaten gewann İlker Çataks Künstlerdrama „Gelbe Briefe“ den Goldenen Bären der Berlinale. Der Film ist eine deutsch-türkische Koproduktion in türkischer Sprache und läuft seit einigen Wochen bundesweit in den Kinos.

Festivalerfolge gibt es auch bei den Türkischen Filmtagen zu sehen, „Öldürdügün Seyler – The Things You Kill“ aus dem Jahr 2025 etwa. Der Thriller hatte Premiere beim Sundance Film Festival, erzählt wird die Geschichte eines Universitätsdozenten, der einen schrecklichen Verdacht gegen seinen eigenen Vater hegt. Auch „DJ Ahmet“ lief in Sundance, die Tragikomödie über einen 15-jährigen Techno-Fan lief erst vor Kurzem regulär in den Kinos – und jetzt auch bei den Türkischen Filmtagen.
Die aus Istanbul stammende Regisseurin Pelin Esmer will ihren Film „O da Bir Şey mi – And The Rest Will Follow“ persönlich in München vorstellen, sie erzählt darin von der Begegnung eines Regisseurs mit einer Hotelangestellten. Auch der in New York lebende türkische Regisseur Tolga Karaçelik wird bei den Filmtagen erwartet, er präsentiert mit „Psycho Therapy: The Shallow Tale of a Writer Who Decided to Write About a Serial Killer“ den Film mit dem längsten Titel des Festivals. Gedreht hat Karaçelik diese schwarze Komödie über einen Serienkiller im Ruhestand auf Englisch, vor der Kamera standen Stars wie Steve Buscemi oder John Magaro.
37. Türkische Filmtage München, Freitag, 17., bis Sonntag, 26. April, Royal Filmpalast, Gasteig HP8 und Kammerspiele

