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Olympiapark:Der neue Sportcampus nimmt Gestalt an

Unter dem weit auskragenden Dach des Hauptgebäudes hat die 100-Meter-Bahn der Leichtathletik-Anlage ihren Platz gefunden.

(Foto: Catherina Hess)

In dem 163 Millionen Euro teuren Neubau sollen 2700 Studierende und die 16 000 Nutzer der Zentralen Hochschulsportanlage ein und aus gehen.

Er muss weg. Das ist schade, denn 1972 zu den Olympischen Spielen errichtet, hat der alte Kletterturm auf dem Sportgelände an der Connollystraße etwas, das es heute nicht mehr gibt: bestimmte Kletterrouten, die so "nicht mehr gebaut werden dürfen", wie Till Lorenzen sagt, Geschäftsführer der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität München (TUM). Die Kletterer lieben ihn deshalb. Doch traurig müssen die Sportler nicht sein, denn in Sichtweite des alten Turms, in dem Coca-Cola 1972 sein Lager hatte, entsteht gerade etwas Neues. Etwas Großes.

16 Meter hoch ist der moderne Kletterfelsen, der momentan noch ein bisschen aussieht wie ein stilisierter, weißer Backenzahn und den viele Spaziergänger im Olympiapark schon gesehen haben müssen, als das Ganze noch ein riesiges Holzgerüst war. Überall Fissuren, Kanten und Überhänge. Gerade zieht sich die blaue Hebebühne wie eine Ziehharmonika in die Länge und transportiert Teile für das Dach nach oben. So weit nach oben, dass die Bauarbeiter, die dort arbeiten, aus der Ferne eine gewisse Ähnlichkeit haben mit Bergsteigern auf einem Felsplateau. Daneben entsteht eine Boulder-Anlage. Nicht ganz so hoch, aber stilistisch genau zum großen Felsbruder passend. Welche Spitznamen die beiden Bauten einmal haben werden? "Die", so sagt der Leiter des zentralen Hochschulsports, Michael Hahn, "werden bestimmt die Studenten finden."

Holz und Glas charakterisieren die Gebäude des neuen Sport-Campus im Olympiapark, der unter Ensembleschutz steht.

(Foto: Marcus Buck/TUM)

Till Lorenzen, 46, ist stolz auf diese Anlage. Man hört es seiner Stimme an, dass er begeistert ist, wie sich der 163 Millionen teure Neubau für die Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften und den Zentralen Hochschulsport (ZHS) der TU München entwickelt. 2700 Studierende werden einmal auf dem Campus ein und aus gehen. Wie auch an die 16 000 Nutzer der Zentralen Hochschulsportanlage pro Semester. Seit April 2019 wird gebaut. Ohne Unterlass und mit hohem Tempo. Es entstehen große Außenanlagen unter anderem mit Beach-Volleyball-Feldern, einem Fitness-Parcours, einer riesigen Leichtathletik-Anlage, 14 Sporthallen, zwölf Hörsäle, Diagnostikräume, Werkstätten, 300 Büros, eine Cafeteria und eine Bibliothek. "Es wird eine wunderschöne Anlage. Für alle Zielgruppen, sehr vielseitig und so hell", schwärmt Lorenzen. Wieder einmal. Aber auch Michael Hahn ist begeistert. Der 58-Jährige freut sich, dass alles so wird, wie man es sich gewünscht und in konstruktiven Gesprächen miteinander erarbeitet habe. "Wir bekommen einfach ein makelloses Gebäude."

Schon als an einem sehr regnerischen Apriltag 2015 in der alten ZHS-Sporthalle der Siegerentwurf des Bregenzer Architekturbüros Dietrich/Untertrifaller der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war man sich einig: Dieser flache Bau mit seinem spektakulären Dach, den vielen Holzelementen und einer gläserner Transparenz sei etwas Schönes und füge sich in den denkmalgeschützten Olympiapark gut ein. Das Gefühl von damals und die Planung haben nicht getrogen. Steht man unter dem lang gezogenen Vordach des Hauptgebäudes, unter dem einmal die Sprinter über die 100-Meter- Bahn der Leichtathletik-Anlage flitzen werden, erahnt man die Dimension des ganzen Campus und des riesigen Hallenbauwerks. Und versteht, dass der Architekt den Slogan umgesetzt hat, unter den Designer Otl Aicher seine Arbeit für die Olympischen Spiele von 1972 gestellt hatte: "Licht, Frische und Großzügigkeit." 39 Fenster in der hölzernen Konstruktion lassen es hell werden, bringen die Sonne unter das Dach. Es wird gut sitzen sein in der Cafeteria im ersten Stock. Und gut beobachten.

Der Kletterfelsen draußen ähnelt vorerst noch einem stilisierten Backenzahn.

(Foto: Catherina Hess)

Hell ist es überall im Gebäude. Gläserne Wände, große, schmale und kleine Fenster - der Blick ist nicht festgezurrt auf einen Raum, auf ein Element, er kann hin- und herwandern, entdecken. Eine große Mittelachse, wie eine Flaniermeile, verbindet im oberen Geschoss des Gebäudes die Räume miteinander. "Quadratisch, praktisch, gut - das stimmt hier wirklich", sagt Lorenzen. Alles sei sehr logisch aufgebaut. Und damit es noch lichter wird, hat Architekt Much Untertrifaller zusätzlich sechs Lichtspender, sechs Innenhöfe geschaffen.

Von oben kann man noch nicht in das Herzstück des Gebäudes schauen. Die gläsernen Wände, die den Blick auf die moderne neun Meter hohe Vierfachturnhalle ermöglichen, sind noch mit Pappe verklebt. Bald aber wird man entlangschlendern und dabei auf hüpfende, springende, rennende Sportler schauen. In der Halle duftet es nach Holz. Bauarbeiter ziehen leise an Kabeln, Leitern stehen im Weg, und von irgendwoher kommt Musik. Gerne streicht man mit den Händen über die Wände. Das Holz von Weißtannen wurde dafür verwendet. Heimelig ist es. Trotz der Größe. Alles, so scheint es, ist hier sportlich möglich. Der Leichtathletikbereich verfügt über eine Stabhochsprung-Anlage mit wegklappbarer Matte, es gibt eine 60-Meter-Sprintbahn. Von dieser Bahn geht es direkt in die Diagnostikräume. Schließlich soll erforscht werden können, was im Körper passiert, wenn er Höchstleitungen abruft. "Dieses Zusammenspiel von Sport und Forschung, von Freizeit und Studium ist hier einfach toll gelöst", sagt Lorenzen. Holz außen am Gebäude, Holz innen in den Räumen - der Kreis schließt sich.

Licht, Frische, Großzügigkeit: In der 14 Meter hohen Kletterhalle fällt Tageslicht durch die Deckenfenster.

(Foto: Catherina Hess)

Die nächste Halle. Sie ist mit 14 Metern Höhe die größte. Die Planer haben es gut gemeint mit den Klettersportlern. Denn die Halle, die später noch zur Dämmung ein Bergpanoramabild bekommt, ist spektakulär. Noch hängen nur Sicherheitskarabiner an den Haken, bald werden die Routen gesteckt - für Anfänger und Profis. Für Freizeitkletterer und Sportler, wie Lorenzen sagt, die zum Beispiel als Bergführer ausgebildet werden. Auch hier: keine Kelleratmosphäre. Man greift an Haken, die einen nach oben führen - zum Licht.

Was haben Schnitzel mit einer Gymnastikhalle zu tun? Weil die Matten für Reck-, Barren- und Ringturner ein bisschen die Form eines gewellten, ausgebratenen Schnitzels haben, heißt das weiche Auffangbecken in der hellen Geräteturnhalle nur die "Schnitzelgrube". Von Halle zu Halle geht der Rundgang, eine schöner als die andere. Vom Audimax bis zu Fitnessräumen auf zwei Ebenen.

Eigentlich schade, dass es keine offiziellen Wettkämpfe in diesen offenen und hellen Hallen geben wird. "Wir sind nun mal in erster Linie eine Ausbildungseinrichtung und eine Sportanlage für Münchens Studierende", sagt der TUM-Geschäftsführer. Und zu viele Hallen? Keineswegs. Die würden, so glaubt Lorenzen, "bald brechend voll sein."

Riesige Kabeltrommeln liegen wie gigantische Nähgarn-Rollen im Foyer. Rot, orangefarben und grün sind die Leitungen. Ob sie alle noch verlegt werden müssen? Denn vieles scheint auf der extrem sauber gehaltenen Baustelle schon fertig zu sein. Trotz Corona geht es weiter. 80 Leute arbeiten derzeit täglich dort. Die Firmen allerdings separiert, der Schreiner eben nicht neben dem Trockenbauer. "Es klappt alles sehr gut", sagt Daniel Dörr vom Staatlichen Bauamt 2 in München.

Im Sommersemester 2021 kommen die ersten Studenten, 2023 soll alles fertig sein. Dann werden nicht Bauarbeiter mit Hebebühnen am Kletterfelsen nach oben schweben, sondern sich Sportler Haken für Haken auf den Gipfel hangeln. Mit Muskelkraft.

© SZ vom 20.05.2020/vewo
Forschungs-Neutronenquelle FRM II der TU München in Garching, 2019

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