Wie sehr sich der Konflikt im Nahen Osten auf das Leben auch in München auswirkt, hat sich am Wochenende unter anderem beim jüdischen Sportverein TSV Maccabi gezeigt: Entgegen seiner Absicht, trotz der verschärften Bedrohungslage Trainings und Spiele wie üblich abzuhalten, sah sich der Verein gezwungen, die für das Wochenende geplanten Fußballspiele aus Sicherheitsgründen kurzfristig dann doch abzusagen. Man müsse nun von Tag zu Tag entscheiden, sagte Vorstandsmitglied Armand Presser der SZ am Sonntag. An der grundsätzlichen Haltung des Vereins, den Trainings- und Spielbetrieb aufrechterhalten zu wollen, habe sich aber nichts geändert.
Auch das Jüdische Museum München hatte auf den Krieg im Nahen Osten reagiert und seine Teilnahme an der "Langen Nacht der Münchner Museen" am Samstagabend kurzfristig abgesagt, "aus Sicherheitsgründen", wie die Verantwortlichen erklärten.
Die Sicherheitslage für jüdische Einrichtungen und Veranstaltungen in München ist offenbar angespannt. Das gesamte Wochenende über hielt die Polizei Hunderte Einsatzkräfte in Bereitschaft, um im Fall von illegalen pro-palästinensischen Demonstration sofort einschreiten zu können. Kundgebungen, die den Terror der Hamas bejubeln und den Mord an Hunderten Israelis feiern, hat die Stadt verboten.
Trotz dieses Verbots hatten sich am Freitagabend bis zu 300 Menschen auf dem Odeonsplatz versammelt. "Allahu Akbar!"-Rufe waren zu hören, palästinensische Fahnen wurden geschwenkt, "Intifada" und andere arabische Sprechchöre skandiert. Per Lautsprecher warnte die Polizei die Teilnehmer auch auf Arabisch, dass die Demonstration untersagt sei - und löste sie auf. Mehrere Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen, ihnen wird nun "die Teilnahme an einer verbotenen Versammlung vorgeworfen".
Für Samstag war erneut ein pro-palästinensischer Protest geplant, dieses Mal auf dem Orleansplatz vor dem Ostbahnhof. Doch außer der Person, die die Versammlung angemeldet hatte, Dutzenden Polizisten und ein paar Journalisten kam niemand. "Es war gar nichts", berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Die potenziellen Teilnehmer hätten Bescheid gewusst, dass die Versammlung untersagt worden sei. Die Verantwortlichen hätten daraufhin zugesagt, nicht für die Veranstaltung zu werben. Offenbar reichte das am Samstag aus, um eine weitere illegale Demonstration zu verhindern.
Weitere Protestaktionen in den kommenden Tagen sind laut Polizei derzeit nicht angemeldet. Allerdings schließe man nicht aus, dass sich die Situation auch wieder ändere. Falls Israel die bevorstehende Bodenoffensive starte, könnten wieder Demonstrationen stattfinden. Man müsse "mit allem rechnen".
München hat alle Pro-Palästina-Demos untersagt
München hat - wie andere Städte in Bayern und Deutschland - beschlossen, keine pro-palästinensischen Demonstrationen mehr hinzunehmen. Denn am Montag waren bei einer solchen Versammlung nach Angaben der Stadt "mehrfach antisemitische Äußerungen gefallen und solche Äußerungen, die auch als Billigung der Terrorangriffe gewertet werden könnten". Es wurden daher Strafverfahren wegen Beleidigung und Volksverhetzung zum Nachteil der jüdischen Bevölkerung eingeleitet.
Auch die Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hatte die Genehmigung pro-palästinensischer Kundgebungen in deutschen Städten kritisiert. "Es ist eine Schande, wenn die Politik in einem Land wie Deutschland es zulässt, dass Menschen aus Freude über den Mord an Juden auf der Straße tanzen", sagte Knobloch der Augsburger Allgemeinen. Wenn die Gesetze fehlten, um solche Veranstaltungen zu unterbinden, "dann sollte man sie eben schaffen".
Vorgänge wie zuletzt in München machten sie wütend: "Wir hatten unsere Veranstaltung auf der einen Seite des Münchner Rathauskomplexes, am Odeonsplatz. Und auf der anderen, am Marienplatz, wird gegen Israel gehetzt."


