Lärmschutz im Münchner OstenDeckel für Güterzugtrasse: Truderinger Spange bekommt Einhausung

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Die Truderinger Spange im Münchner Osten: Die Güterzugtrasse soll eine Einhausung bekommen.
Die Truderinger Spange im Münchner Osten: Die Güterzugtrasse soll eine Einhausung bekommen. Stephan Rumpf

Bis zu 750 Meter lange Züge sollen künftig über die Strecke fahren – nun haben Freistaat und Stadt eine Lösung gefunden, die Anwohner vor Lärm schützen soll. Was genau geplant ist.

Von Andreas Schubert

Fünf Jahre haben sich die Anwohner gegen die Pläne der Deutschen Bahn (DB) gewehrt, direkt vor ihren Grundstücken in Trudering eine Güterverkehrstrasse auszubauen, die sogenannte Truderinger Spange. Es war ein Widerstand gegen den zu erwartenden Lärm, gegen Erschütterungen durch 750 Meter lange Güterzüge, die mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde in nächster Nähe an ihren Gärten vorbeirauschen sollten. Zwischenzeitlich war es quasi auch ein Kampf gegen Windmühlen. Denn alle alternativen Vorschläge der Anwohner, etwa die Trasse weiter entfernt zu bauen, lehnte die DB ab.

Jetzt hat der Planungsausschuss des Stadtrats beschlossen, dass sich die Stadt finanziell mit einer Summe von 8,35 Millionen Euro an einer tunnelähnlichen Einhausung der Trasse beteiligt, genauso viel will auch der Freistaat beisteuern. Der Lärmschutz ist damit gesichert.

Auch die Anwohner hatten den Deckel als weitere Variante vorgeschlagen. Doch die Bahn winkte zunächst ab, weil der Bund, der eigentlich für den Ausbau zuständig ist, die Mehrkosten von 16,7 Millionen Euro partout nicht tragen will.

Zum besseren Verständnis: Über Daglfing und Trudering soll künftig ein großer Teil des europäischen Güterverkehrs auf der Schiene abgewickelt werden. Dazu muss der Bahnknoten im Münchner Osten ausgebaut werden. In Trudering verlaufen schon heute Strecken für den Güterverkehr. Diese sollen neu gebaut oder modernisiert werden, um alle Fahrtrichtungen miteinander zu verknüpfen und Zuggeschwindigkeiten von 80 bis 100 Kilometern pro Stunde zu ermöglichen.

SZ-Grafik

Zum Ausbau gehören die sogenannte Daglfinger Kurve, auf der Züge aus Mühldorf Richtung Norden abbiegen können, die „Truderinger Kurve“, die nach Süden und zum Brenner-Basistunnel führt, sowie die „Truderinger Spange“, die die Bahnhöfe Daglfing und Trudering direkt verbindet und die zweigleisig ausgebaut werden soll.

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Der Deckel ist zwar nicht unbedingt das, was sich die Anwohner am meisten gewünscht haben, denn an der Lage der Trasse ändert sich nichts. Dennoch herrscht im Stadtteil Aufatmen, wie Peter Brück bestätigt. Brück ist Sprecher der Bürgerinitiative, die sich „Anwohner TDKS“ nennt, das Kürzel steht für „Truderinger und Daglfinger Kurve und Spange“. Er findet es nach wie vor schade, dass der Freistaat die Kfz-Verwahrstelle an der Thomas-Hauser-Straße nicht verlegen wollte, um Platz für eine alternative Trassenführung zu machen. Aber nach seinem derzeitigen Wissensstand bestehe nun die Hoffnung, „dass das Ganze erträglich wird“.

Die Einhausung soll begrünt werden und sich von der Schatzbogenbrücke bis zum Bahnübergang Thomas-Hauser-Straße erstrecken. Sie wäre demnach 681 Meter lang. Weil nach den geltenden Regeln der Technik eine Einhausung nur maximal 500 Meter lang sein darf, plant die DB derzeit, die Einhausung auf einer Länge von bis zu 250 Metern durch eine Galerie zu unterbrechen, wobei die seitliche Öffnung von der Wohnbebauung abgewandt wäre. Ist eine Einhausung länger als ein halber Kilometer, zählt sie als Tunnel, für den strengere – und teurere – Brandschutzvorschriften gelten. Das Planungsreferat will sich aber dafür einsetzen, dass die Länge der Galerie auf das technisch notwendige Minimum begrenzt wird.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte sich für die finanzielle Beteiligung der Stadt ausgesprochen. „Das müssen wir zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger, die hier so nah an der Bahnstrecke wohnen, leisten“, teilte Reiter am Mittwoch mit. „Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sich der Zugverkehr nach Fertigstellung des Brenner Basistunnels und des Ausbaus der Strecke in den nächsten Jahren noch deutlich erhöhen wird.“

Grünen-Stadtrat Christian Smolka sagte, man könne feststellen, dass die Zusammenarbeit mit der zuständigen Bahntochter DB Infrago seit Frühjahr besser geworden sei. „Das hat dem Projekt einen wichtigen Schub verliehen und wir können uns heute über eine pragmatische Lösung freuen.“

SPD-Stadtrat Andreas Schuster findet, der beharrliche Einsatz der Bürgerinnen und Bürger vor Ort habe erheblichen Anteil daran, dass eine gute Lösung gefunden werden konnte. „Wir werden uns jetzt dafür einsetzen, dass auch die Begrünung auf dem Deckel attraktiv wird und wir gut nutzbare Wege für den Fuß- und Radverkehr schaffen.“

Die Anwohner wollen ihren Erfolg voraussichtlich im Frühjahr feiern. „Gut, dass der Stadtrat Farbe bekennt und bereit ist, seine Bürger zu schützen“, lobte Peter Brück. „Es lohnt sich, sich zu engagieren, dann bewegt man auch was.“

Hinweis: Die Kfz-Verwahrstelle des Polizeipräsidiums liegt nicht im Stadtteil Trudering, wie in einer früheren Textversion dargestellt, sondern in Berg am Laim, an der Grenze zu Trudering.

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