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Flugzeugabsturz in Trudering:Verblasste Tragödie mit neun Toten

Flugzeugabsturz in München-Trudering 1987

Unglücksort: Insgesamt neun Menschen starben 1987 infolge des Flugzeugabsturzes auf das Fastfood-Restaurant an der Wasserburger Landstraße. Die wiedererrichtete Filiale soll jetzt abgerissen werden.

(Foto: Ap/dpa/Picture Alliance)

1987 stürzte ein Flugzeug in Trudering ab und kollidiert beim Aufschlag mit einem Linienbus. Der kracht in eine nahe McDonald's-Filiale. Jetzt soll das Areal neu bebaut werden.

Von Ilona Gerdom, Trudering

Es sieht aus wie ein klassischer Fall für den Bezirksausschuss: Die McDonald's-Filiale an der Wasserburger Landstraße soll abgerissen werden. Laut einem Vorbescheid plant man den Bau von Wohn- und Geschäftshäusern. Das lehnt der BA Trudering-Riem ab, da es der Rahmenplanung für die Wasserburger Landstraße entgegenstehe. Stattdessen wird ein Bebauungsplan gefordert. Doch das Areal ist ein besonderer Ort - zumindest für diejenigen, die sich 32 Jahre zurückerinnern können. Damals ereignete sich auf dem Gelände des Fastfood-Restaurants ein tragischer Flugzeugabsturz.

Es war der 11. August 1987, als am Truderinger Himmel ein Übungsflug absolviert werden sollte. Der Prüfer hatte eines der Triebwerke der Propellermaschine abgestellt. Der Schüler sollte sein Können beweisen - ausgerechnet über einem Wohngebiet. Kurz darauf verliert der Pilot die Kontrolle über die Piper PA-31T Cheyenne. Beim Aufschlag schlittert die Maschine über die Wasserburger Landstraße und stößt mit einem Linienbus zusammen. Der wiederum rast durch die Kollision in die McDonald's-Filiale. Weil Kerosin austritt, stehen wenig später nicht nur das Flugzeug, sondern auch Fahrzeug und Burger-Laden in Flammen. Sechs Menschen kommen an diesem Tag ums Leben, drei weitere sterben später im Krankenhaus. Zudem wurden 30 Personen verletzt. Manche erholten sich nie gänzlich von den Verbrennungen.

Das Speiselokal wurde bald darauf wiederaufgebaut. Eben dieses soll es nun bald nicht mehr geben. Dass sich dadurch etwas an der Erinnerungskultur im Stadtteil ändert, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Jedenfalls sieht der BA-Vorsitzende Stefan Ziegler (CSU) das so. Die Tragödie, die sich an dieser Stelle zutrug, sei - wenn überhaupt - nur alteingesessenen Truderingern im Gedächtnis geblieben. Natürlich erzähle man sich die Geschichte nun - mit anstehenden Neuerungen - wieder. Aber Ziegler betont: "Ich sehe nicht, dass aktuell eine Erinnerungskultur besteht, und das wird sich wohl auch nicht ändern."

An die Opfer des Unglücks erinnert bis heute auf einer kleinen Grünfläche an der Truderinger Straße Ecke Nikolaus-Prugger-Weg ein Gedenkstein. Er wird bleiben. Auch wenn gegenüber früher oder später Neues kommt.

© SZ vom 06.06.2020/huy

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