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Trauer um Bernd Eichinger:Der Mann, der auf dem Teppich blieb

Bernd Eichinger dominierte die Filmstadt München. Hier lebte, arbeitete und feierte er exzessiv. Bis er zuletzt doch ein bisschen bürgerlich wurde.

Es war eine der letzten Begegnungen mit Bernd Eichinger, ein merkwürdiger Moment auf dem von Scheinwerfern erleuchteten Odeonsplatz. Vor dem Filmcasino lag ein roter Teppich, der Schauspieler Moritz Bleibtreu sprach gerade mit zehn Kamerateams gleichzeitig, weil Oskar Roehlers Film "Jud Süß" in München Premiere feierte; drinnen drehte sich die übliche Prosecco-Bussi-Runde im Kreis. Als Bleibtreu gerade wieder ansetzen wollte, wie er mit der Filmrolle des Joseph Goebbels fertig geworden sei, erschien plötzlich Eichinger aus dem Off, um seinen Freund Moritz auf eine etwas ungelenke, fast schon rührende Weise zu umarmen. Der Filmproduzent trug eine schwarze "Resident-Evil-4"-Jacke, er wirkte damit wie ein Fremdling, steuerte aber sofort seinen Stammplatz in der Bar seines Vertrauens an, Arm in Arm mit seiner Frau Katja.

Katja Flint und Bernd Eichinger, 2002

Katja Flint und Bernd Eichinger tanzen 2002 beim Deutschen Filmball.

(Foto: HESS, CATHERINA)

Der rote Teppich ohne Eichinger - das war lange Zeit unvorstellbar, geradezu geschäftsschädigend. Erst seine Anwesenheit verlieh einer Filmpremiere die nötige Relevanz, in den allermeisten Fällen hatte er über die Constantin Film ohnehin seine Finger im Spiel - als Verleiher, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur dominierte er die Münchner Filmbranche nach Belieben. Fürchterlich war das Geschrei bei den Veranstaltern, wenn er einmal nicht den Filmball im Bayerischen Hof besuchte, wo er so gerne mit den jeweils aktuellen Stars des deutschen Kinos, die immer auch potentielle Lebensgefährtinnen waren, Hof hielt. Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint, Corinna Harfouch begleiteten ihn bei seinen Auftritten, manchmal war es auch nur eine geheimnisvolle Schöne aus Kolumbien, über die der Boulevard dann ausführlich berichten konnte.

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