Das am Donnerstag aufgetretene Loch an der Haltestelle Leonrodplatz an der Dachauer Straße ist bereits verschwunden. Bauarbeiter haben es mit Beton verfüllt, Kies darüber eingestreut und den Unglücksort mit einer Stahlplatte abgedeckt. Genau genommen waren es zwei Löcher – jeweils eines an den zwei gegenüberliegenden Haltestellen der Tram-Bahnen. In die Schlagzeilen aber schaffte es die Untiefe an der stadteinwärts gelegenen Station der Linien 20 und 21. Weil dieses sich so urplötzlich aufgetan hatte, dass eine Frau mit einem Bein in dem Loch steckenblieb und sich dabei Verletzungen zuzog, die in einem Münchner Klinikum behandelt werden mussten.
Nun steht in der Stadt die Frage im Raum, wie es sein kann, dass sich ohne Vorwarnung ein Loch im Boden bildet; respektive bereits da war und – wie beim jüngsten Fall an der Haltestelle Leonrodplatz – eine Bodenplatte wegbricht, sodass ein Mensch zu Schaden kommt. München ist reich an Fällen, bei denen sich plötzlich die Erde öffnet – und sich sogar Menschen verletzen oder gar ihr Leben verlieren.
Die beiden Löcher an den Haltestellen an der Dachauer Straße jedenfalls können sich die Stadtwerke München (SWM), die für deren Unterhalt und Instandsetzung verantwortlich zeichnen, nach wie vor nicht so recht erklären. Der Auslöser der Absenkungen, teilt ein Stadtwerke-Sprecher am Freitag mit, sei „bislang noch unbekannt“; die Ursachenforschung laufe. Die Stadtwerke, die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und Mitarbeiter des Baureferats hatten sich noch am Donnerstag nach dem Unglück ein Bild an Ort und Stelle gemacht, den Schaden begutachtet und Maßnahmen zur Schadensbehebung abgestimmt.
Eine mögliche Ursache schließt der SWM-Sprecher aber kategorisch aus: Aktuell fänden im Bereich der beiden Haltestellen im Norden Neuhausens keine Bauarbeiten der Stadtwerke statt. Anders als vor wenigen Monaten auf einer der größten Baustellen Münchens: der Realisierung der Tram-Westtangente auf der Fürstenrieder Straße, deren erster Abschnitt zwischen Ammerseestraße und Agnes-Bernauer-Straße Ende Februar in Betrieb gehen soll.

Im Oktober hatten Bauarbeiter im Bereich der Kreuzung der Gotthard- mit der Fürstenrieder Straße Hohlräume unter der Baustelle festgestellt. Die Arbeiten an der Westtangente wurden daraufhin sofort eingestellt. Nach wenigen Wochen konnten diese aber erfolgreich verfüllt und die Bauarbeiten fortgesetzt werden; das Projekt wurde durch den Vorfall kaum verzögert.
Der unmittelbar eingeleitete Baustopp an der Tram-Westtangente war den Erfahrungen aus einem tragischen Vorfall geschuldet, bei dem sich die Erde mit weitaus schlimmeren Konsequenzen geöffnet hatte: dem Busunglück von Trudering im September 1994. Während der Bauarbeiten an der Verlängerung der U2 in die Messestadt Riem kam es damals zu einem Wassereinbruch im Tunnel, woraufhin sich unter der Straße ein Hohlraum bildete. Am frühen Abend des 20. September schließlich brach die Fahrbahndecke der Truderinger Straße ein und ein Bus stürzte in das entstandene Loch – drei Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben.
Glimpflicher kam eine Frau im Jahr 2010 davon, die auf der Wasserburger Landstraße mit ihrem Fahrrad in ein Loch im Gehweg stürzte, das zunächst nur wie eine Pfütze anmutete. Sie konnte sich gerade noch aus der Grube befreien. Im selben Jahr brach im Dantestadion der Boden unter den Fußballern ein – die Ursache war eine U-Bahn-Baustelle darunter.
Warum sich an der Haltestelle Leonrodplatz zwei Löcher im Untergrund gebildet haben, untersucht derzeit das Baureferat. Voraussichtlich am kommenden Montag werden die Stahlplatte und der Kies entfernt, und die Oberfläche soll wieder mit Gehwegplatten hergestellt werden. Die Tram-Bahnen fahren bereits seit Donnerstagabend wieder regulär.

