Verkehr in München:600 Millionen Euro für neuen Tram-Betriebshof

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Der neue Tram-Betriebshof soll "Anfang der 2030er-Jahre" komplett fertig sein. (Foto: Florian Peljak)

Abstellplätze für 100 Straßenbahnen, Werkstätten, Lager, Betriebsgebäude – all das soll neu gebaut werden. Nun hat das Projekt eine wichtige Hürde genommen.

Von Patrik Stäbler

Seinen 100. Geburtstag feiert der Tram-Betriebshof an der Ständlerstraße auf der Baustelle. Denn dort, wo seit 1924 Münchens Straßenbahnen repariert werden, bleibt in diesen Tagen kein Stein auf dem anderen. So plant die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) auf dem zehn Hektar großen Areal östlich der Bahngleise einen komplett neuen Betriebshof.

Allein das MVG-Museum und die denkmalgeschützte Montagehalle bleiben erhalten; drumherum sollen bis Anfang der 2030er-Jahre Abstellplätze für 100 Trambahnen, diverse Werkstätten, Lager, Betriebsgebäude und eine neue Zulaufstrecke über die Ständler- und Schwanseestraße entstehen. Die anvisierten Kosten für die Runderneuerung des „Herzstücks der Münchner Straßenbahn“, wie MVG-Chef Ingo Wortmann den Betriebshof bezeichnet: satte 600 Millionen Euro. Vor zwei Jahren war noch von 400 Millionen die Rede gewesen, die geschätzten Kosten sind inzwischen aber deutlich gestiegen.

Am Mittwoch nun hat das Projekt eine wichtige Hürde genommen: Einstimmig segnete der Planungsausschuss des Stadtrats eine Flächennutzungsplanänderung ab. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die MVG ihr Vorhaben auf dem bisher als Sportplatz genutzten Areal verwirklichen kann. Dabei sollte das Vereinsgelände des SV Stadtwerke München gemäß den ursprünglichen Plänen erhalten bleiben. Doch 2018 überarbeitete die MVG ihre Entwürfe und bezog fortan die komplette Fläche bis zur Lauensteinstraße mit ein. Als Grund hierfür wurde der „wachsende Mobilitätsbedarf“ angeführt, dem der Stadtrat sowohl mit einem Ausbau der Tram-Flotte als auch mit neuen Strecken begegnen will – etwa der West- und Nordtangente sowie der Tram Münchner Norden.

Im Jahr 2018 traten zudem Schäden an der Montagehalle auf, die daraufhin gesperrt wurde. Als Ersatz baute die MVG von 2021 an in eineinhalb Jahren eine 20 Millionen Euro teure Interimswerkstätte auf – als Übergangslösung bis zur Fertigstellung des Tram-Betriebshofs. Für diesen haben die Stadtwerke München (SWM) im vergangenen Oktober einen Bauantrag eingereicht und damit das Genehmigungsverfahren gestartet. Nach der Öffentlichkeitsbeteiligung Anfang des Jahres arbeite man aktuell die eingegangenen Stellungnahmen ab, sagt Pressesprecher Maximilian Kaltner. Als nächster Schritt stehe der Erörterungstermin an, den die Regierung von Oberbayern – so hofft man bei der MVG – kurz vor oder nach der Sommerpause ansetzen wird.

Derweil ist auf dem Gelände der Rückbau des Bestands mittlerweile abgeschlossen; derzeit läuft laut Kaltner noch die abschließende Bodensanierung. Der stufenweise Bau des Betriebshofs soll 2025 anlaufen – beginnend mit einer Abstellanlage für 25 Straßenbahnen, deren Inbetriebnahme für 2026 geplant ist. Im Weiteren umfasst dieser erste Bauabschnitt mehrere bis zu sieben Meter hohe Lärmschutzwände. Auf diese hatte nicht zuletzt der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach stets gepocht – mit Blick auf die umliegende Wohnbebauung. Gerade zu Beginn der Planungen hatte es aus der Nachbarschaft lautstarke Kritik gegeben. Inzwischen jedoch hat die MVG, auch dank der Bürgerbeteiligung und einer Kommunikationsoffensive, die Wogen glätten können. Aktuell spreche man vorwiegend in Einzelterminen mit betroffenen Privateigentümern und Kleingarten-Pächtern, berichtet Kaltner. Informationstermine für die breite Öffentlichkeit würden angesetzt, sobald es eine belastbare Planung gebe. 

Nach derzeitigem Stand werden nach der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts von 2026 an weitere Werkstätten errichtet. Hinzu kommen die notwendigen Schienen; insgesamt sollen auf dem Areal zehn Kilometer neue Gleise verlegt werden. Nicht eingerechnet ist dabei die neue Zulaufstrecke. Sie soll von der bisherigen Wendeschleife am Schwanseeplatz zur Ständlerstraße abzweigen, was zugleich die Grundlage für eine mögliche Verlängerung der Linie 18 in Richtung Neuperlach schafft. Die neue Zulaufstrecke plant die MVG in einem separaten Verfahren. Dieses soll Kaltner zufolge noch heuer anlaufen; der Bau sei für 2026 bis 2027 vorgesehen. 

Der komplette Betriebshof mit allem Drum und Dran soll nach den Plänen der MVG „Anfang der 2030er-Jahre“ in Betrieb gehen. „Der exakte Bauablauf steht allerdings noch nicht fest“, betont Maximilian Kaltner. Im Zuge des Vorhabens wird an der Lauensteinstraße auch eine 5250 Quadratmeter große Grünfläche entstehen – zu zwei Dritteln Biotop, zu einem Drittel Parkanlage. Letztere wird gemäß den Ergebnissen zweier Bürger-Workshops als „naturnaher Erholungsraum“ gestaltet.

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