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Trachten Angermaier:Das begehbare Tagebuch

Im Vergleich zur Toilette des Grauens wirkt das Büro von Munz unverfänglich und wie ein begehbares Tagebuch.

(Foto: Robert Haas)

Alles im Büro von Axel Munz, Chef von Trachten Angermaier, wirkt so, als hätte es eine eigene Geschichte. Und dann existiert auch noch die Toilette des Grauens. Ein Besuch.

"Toilette des Grauens" hat jemand mit blauem Textmarker auf ein Blatt Papier geschrieben. Eine Mitarbeiterin wahrscheinlich, er jedenfalls nicht, sagt Axel Munz, Chef von Trachten Angermaier. "Aber bitte, treten Sie ein." Auf der Toilette des Grauens an der Landsberger Straße 103 hängen über der Kloschüssel Bilder, die Munz schrecklich oder schrecklich lustig findet. Eine Seite aus der Bild, Überschrift: "Mein Nachbar hat mein Huhn erschlagen." Lustig. Ein Foto von einer jungen Frau in einem sehr kurzen Dirndl. Schrecklich. Ein Bild von Harald Glööckler, dem Modedesigner, der für Angermaier eine Dirndl-Kollektion entworfen hat. "Pompöös", nannte er die. Munz steht vor der Toilette des Grauens und sagt: "Scheußliche Bilder."

Münchner Chefzimmer

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Im Vergleich zur Toilette des Grauens wirkt das Büro von Munz unverfänglich und wie ein begehbares Tagebuch. Es liegt direkt neben dieser Toilette in der Filiale an der Donnersberger Brücke. Während im Verkauf die Klimaanlage die Hitze herunterkühlt, ist es in Axel Munz' Büro heiß. "Aber ich bin ja nicht so oft hier", sagt Munz und öffnet seine Bürotür. An der Wand hängen gerahmte Fotos von Munz und Promis oder solchen, die es mal waren. Rote Boxhandschuhe baumeln von einem Hirschgeweih, signiert von den Klitschkos. Die beiden Brüder haben vor Jahren Bundhosen bei ihm gekauft, "super nett, die beiden", sagt Munz. Alles in seinem Büro wirkt so, als hätte es eine eigene Geschichte. Hinter der Bürotür hängt eine Lederhose, voll beschrieben mit kaum lesbaren Unterschriften. Die NoAngels haben in schwungvollen Buchstaben "NoAngels" draufgeschrieben, mit Bussi, so alt ist die Hose schon.

Munz beugt sich über die Unterschriften, versucht sie zu entziffern. "Ich weiß gar nicht, wer da alles draufsteht", sagt er. Und wenn man weiterfragt: Von wem sind denn die Degen in der Ecke, die Schweinchen auf der Fensterbank, der Buddha neben der Tür? Dann atmet Munz einmal tief durch: "Wer mir des schon wieder geschenkt hat, ich weiß es nicht." Ratlos wirkt er da in seinem eigenen Büro.

An seinem Schreibtisch sitzt Munz, wenn er Mails schreibt, telefoniert oder an seiner To-do-Liste arbeitet - und zwar jeden Abend. "Da bin ich altmodisch", sagt Munz. "To do" steht in Großbuchstaben auf einem großen Blatt Papier, darunter Spiegelstriche.

Angermaier Trachten

Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt Axel Munz in seiner Filiale an der Donnersberger Brücke im Münchner Stadtteil Schwanthalerhöhe. Mittlerweile gibt es Angermaier-Filialen in Stuttgart, Nürnberg, Berlin und sogar in Singapur. "Trachten symbolisieren ein Zusammenheitsgefühl und gute Laune, das ist international", sagt Munz. Das mit der guten Laune war zuletzt jedoch schwierig für Axel Munz: Seit Jahren schwelt ein Konflikt zwischen Benedikt Daller, Geschäftsführer von Daller-Tracht, und Angermaier. Begonnen hat der Streit, weil Daller Radio-Werbung schaltete, in der von Münchens "größtem Trachtenhaus am Stiglmaierplatz" die Rede war. Daraufhin klagte Munz und bekam vor dem Landgericht recht.

Im vergangenen Jahr feierte Munz das 70-jährige Bestehen seines Münchner Trachtenhauses. ESCH

Wenn Munz mal nicht weiter weiß, dreht er sich in seinem Stuhl einmal um. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Bild von Einstein - das Berühmte, mit der herausgestreckten Zunge. Es hängt dort schon länger als die anderen Sachen hier. "Ich lieb den", sagt Munz. Genauso wie Loriot, "ich kann alles auswendig", und den Geruch von frischem Leder. Zehn Lederhosen besitzt Munz, vielleicht auch zwölf und keinen Anzug, weil er Anzüge schrecklich findet. Genau wie Jogginghosen. Und kurze Dirndl.

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