Für Christian Scharpf (SPD) war es eine Premiere – eine mit selbstbewusstem Unterton. Bei seiner ersten Präsentation der Münchner Tourismusbilanz als neuer Wirtschaftsreferent sagte er: „Der Tourismus in unserer Stadt hat sich 2025 auf sehr hohem Niveau stabilisiert und nahezu die gleichen Ergebnisse wie das touristische Ausnahmejahr 2024 erreicht.“ Trotz fehlender Fußball-Europameisterschaft und ohne einen Konzertsommer mit Adele habe München das Rekordniveau gehalten und „einfach nicht nachgelassen“, lautete seine Bilanz.
Die Zahlen stützen diesen Anspruch. 9,3 Millionen Gäste checkten 2025 in Münchens gewerblichen Beherbergungsbetrieben ein – ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Sie sorgten für 19,7 Millionen Übernachtungen, nur 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei 2,1 Tagen und blieb damit nahezu konstant.
Auffällig ist die Verteilung über das Jahr: In sechs Monaten wurden neue Übernachtungsrekorde erzielt – im Januar, April, Mai, September, Oktober und Dezember. Vor allem stark besuchte Messen wie die BAU und die Bauma im Frühjahr sowie IAA Mobility, Drinktec und Expo Real im Herbst trieben die Zahlen nach oben – und mit ihnen die Erlöse der Hoteliers. Auch während des Oktoberfests, in der Weihnachtszeit und während der Münchner Sicherheitskonferenz waren die Hotels gut gebucht. „In jedem Monat des Jahres verzeichnete München mehr als eine Million Übernachtungen“, sagte Scharpf. Der durchschnittliche Zimmerpreis kletterte auf 143,78 Euro.
Wichtigster Pfeiler des Tourismus bleibt der Inlandsmarkt: 55,5 Prozent aller Übernachtungen entfielen auf Gäste aus Deutschland. Mit 10,9 Millionen Übernachtungen lagen sie 0,8 Prozent über dem Vorjahr. Der internationale Markt steuert 44,5 Prozent bei – ein Spitzenwert unter den deutschen Großstädten. Bemerkenswert ist zudem der hohe Anteil der Überseemärkte von 19 Prozent.
Mit großem Abstand wichtigster Auslandsmarkt bleiben die USA. 1,4 Millionen Übernachtungen bedeuten zwar ein Minus von fünf Prozent, markieren aber weiterhin das zweitbeste Ergebnis seit Beginn der Erhebung. Andere Märkte legten deutlich zu: Italien verzeichnete ein Plus von 12,3 Prozent. Auch China wuchs kräftig, ebenso Indien und Japan mit zweistelligen Zuwachsraten. Besonders stark entwickelte sich die Türkei mit einem Plus von 24,8 Prozent.
325 000 Touristinnen und Touristen halten sich rechnerisch jeden Tag in München auf
Wie bedeutend der Tourismus für die Stadt ist, zeigt der Blick auf die wirtschaftlichen Kennzahlen. Grundlage ist eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif). Demnach kommen zu den 20 Millionen gewerblichen Übernachtungen weitere acht Millionen in Privatquartieren sowie etwa 90 Millionen Tagesgäste. Insgesamt ergibt das 118 Millionen Aufenthaltstage. Rechnerisch halten sich damit täglich etwa 325 000 Touristinnen und Touristen in München auf – zusätzlich zu den 1,6 Millionen Einwohnern.
Jeder Gast gibt im Schnitt 74,20 Euro pro Tag aus. Hotelgäste kommen auf durchschnittlich 228 Euro – darin enthalten sind die Übernachtungskosten –, Tagesgäste auf rund 43 Euro. In der Summe entsteht so ein touristisch bedingter Gesamtumsatz von 8,8 Milliarden Euro jährlich. 47,8 Prozent davon fließen ins Gastgewerbe, 31,5 Prozent in den Einzelhandel, 20,7 Prozent in Dienstleistungen. Für die Stadtkasse bedeutet das direkte Steuereinnahmen von ungefähr 153 Millionen Euro im Jahr. Scharpf rechnet es anschaulich vor: Das entspreche „mehr als einem Gymnasium“ – oder zwei neuen Grundschulen.
Angesichts der großen Touristenzahlen überrascht ein anderer Befund: Die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Tourismus ist hoch. Einer städtischen Erhebung zufolge stehen ihm 65 Prozent der Münchnerinnen und Münchner positiv oder sehr positiv gegenüber, etwa ein Viertel ist neutral. Lediglich 8,8 Prozent äußern sich negativ oder eher negativ. Im Wirtschaftsreferat spricht man augenzwinkernd von „den neun Prozent Grantlern“. Für Scharpf ist das ein Hinweis darauf, dass die Strategie aufgeht, Besucherströme besser über das Jahr und über verschiedene Stadtviertel zu verteilen.

