Nach der Corona-Krise:Wie es um den Tourismus in München steht

Touristen in München

Reza aus Ravensburg, Mehdi aus Stuttgart und Afshar aus Wien haben sich in München getroffen, weil es genau in der Mitte ihrer Wohnorte liegt.

(Foto: Friedrich Bungert)

Es wird langsam wieder voller in der Stadt: Die Zahl der Gäste steigt, die Touristeninformation am Hauptbahnhof hat seit dieser Woche wieder geöffnet. Doch nur die wenigsten Besucher bleiben länger.

Von Tiana Zoric

Menschen mit Tagesrucksäcken, die Spiegelreflexkamera oder das Smartphone griffbereit für den perfekten Urlaubsschnappschuss: Schon lange war es in München nicht mehr so voll wie derzeit. Hunderte Menschen drängen sich zeitweise auf dem Marienplatz beim Versuch, das beste Foto vor dem Rathaus zu schießen. Und nicht nur dort: Auch wer über den Viktualienmarkt schlendert oder im Englischen Garten unterwegs ist, kommt momentan an den Touristen kaum vorbei.

Natürlich sind es nicht so viele wie in den Jahren vor der Corona-Pandemie, doch für manche Münchner ist es nach so langer Zeit wieder ein ungewohnter Anblick. Endlich Aufatmen für die Münchner Hoteliers und Gastronomen - könnte man meinen. Doch tatsächlich sieht es bei den Übernachtungen anders aus.

"Die Hoteliers melden uns, dass es trotz der vielen Touristen nicht mehr Übernachtungen gibt", sagt Daniela Ziegler. Die Kreisgeschäftsführerin für München des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) kann bisher keine positive Entwicklung feststellen. Zwar kämen momentan mehr Tagestouristen in die Landeshauptstadt, doch die Zahl der Übernachtungen habe sich im Vergleich zu vor zwei Monaten kaum verändert, sagt sie. "Die Zahlen sind ähnlich wie 2020, aber auf keinen Fall vergleichbar mit 2019." Während in normalen Jahren die Zahl der ausländischen Übernachtungen im Zeitraum von Januar bis März etwa 1,23 Millionen betrug, lag sie dieses Jahr nur bei 176 000 - ein Minus von 85 Prozent.

Auch Susanne Mühlbauer, Pressesprecherin von München Tourismus, sieht keine positive Entwicklung bei den diesjährigen Übernachtungszahlen. "Wir haben wie vergangenes Jahr überwiegend Gäste aus Deutschland", sagt sie. Langsam kämen jedoch wieder Touristen aus dem europäischen Ausland wie Spanien oder Italien, doch viel internationaler sei es derzeit nicht, sagt Mühlbauer. Seit Anfang dieser Woche ist die Touristeninformation am Hauptbahnhof wieder geöffnet. Dort bemerke man den leichten Anstieg bei den Tagestouristen, sagt die Pressesprecherin, "doch generell sind nicht wahnsinnig viele Gäste da". An der Touristeninformation am Marienplatz sei es ähnlich.

Genaue Zahlen, wie es dieses Jahr um den Münchner Tourismus steht, gibt es bislang nicht. Geschätzt sind derzeit circa 40 Prozent der Hotelbetten belegt. Etwa drei Viertel dieser Gäste kommen aus dem Inland. Das Wirtschaftsreferat sieht dabei eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Dass viele deutsche Touristen in der Stadt unterwegs sind, hat einen einfachen Grund: Wer innerhalb Deutschlands reist, muss nicht in Quarantäne und kann ohne Covid-19-Test verreisen.

Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten, die die Touristen anschauen wollen, sind freilich noch dieselben wie vor Corona: die Surfer auf der Eisbachwelle, die Allianz Arena, das Deutsche Museum oder eben der Marienplatz.

Nachgeholtes Studenten-Treffen

Reza aus Ravensburg, Mehdi aus Stuttgart und Afshar aus Wien: "Wir studieren alle in unterschiedlichen Städten, einer von uns sogar in Österreich. Deshalb wollten wir uns in München treffen, denn die Stadt liegt genau in der Mitte unserer Wohnorte. Eigentlich hatten wir das bereits vor ein paar Monaten geplant, doch durch die Reisebeschränkungen wegen der Corona-Pandemie konnten wir nicht kommen. Deshalb haben wir abgewartet, bis wir alle geimpft sind und den vollen Impfschutz haben. Leider haben wir nur einen Tag in München. Wir sind am Morgen angekommen und fahren abends wieder nach Hause. Deshalb versuchen wir, möglichst viel an einem Tag anzuschauen. Den Marienplatz, die Allianz Arena und den Englischen Garten wollen wir auf jeden Fall anschauen. Vielleicht haben wir danach noch Zeit für ein paar andere Sehenswürdigkeiten."

Touristen in München

Gilles Boever und Martine Antony kommen aus Luxemburg. Für sie sei es einfach gewesen, nach Deutschland zu kommen: Keine Quarantänepflicht oder andere Corona-Einschränkungen bei der Einreise.

(Foto: Friedrich Bungert)

Stadt, Schloss, Gipfel

Gilles Boever und Martine Antony aus Ettelbrück, Luxemburg: "Eine Verwandte lebt hier in München und hat uns ihre Wohnung für eine Woche zur Verfügung gestellt. Für uns ist es einfach, nach Deutschland zu kommen. Es gibt keine Quarantänepflicht oder andere Einschränkungen durch die Corona-Lage. Deshalb haben wir uns entschieden, hier Urlaub zu machen. Bisher waren wir mit dem Hop-on-Hop-off-Bus unterwegs. Das ist eine super Möglichkeit, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten anzusehen. Wir wollen noch die Allianz-Arena und die BMW-Welt anschauen. Aber wir haben keine Eile. Nach der Woche in München geht es für uns weiter. Wir wollen noch zum Schloss Neuschwanstein und dann weiter zur Zugspitze."

Touristen in München

Victoria, Michaela, Thomas und Maximilian Paul aus Montabaur haben sich entschieden, ihren Familienurlaub dieses Jahr in Deutschland zu verbringen.

(Foto: Friedrich Bungert)

Für jeden etwas dabei

Victoria, Michaela, Thomas und Maximilian Paul aus Montabaur: "Corona hat unsere Urlaubsplanung nicht beeinflusst - außer dass wir uns entschieden haben, unseren Familienurlaub in Deutschland zu verbringen. München ist dabei ein Zwischenstopp, bevor es weiter Richtung Süden geht. In den drei Tagen, die wir hier sind, versuchen wir von allem ein bisschen anzuschauen. Wir waren bereits am Schloss Nymphenburg und auf dem Marienplatz. Als es einen Tag lang regnete, waren wir sogar fünf Stunden im Deutschen Museum. Aber natürlich waren wir auch ein bisschen shoppen. Die Stadt gefällt uns allen sehr gut. Hier findet jeder aus unserer Familie etwas, das ihm gefällt. Danach geht es für uns weiter in die bayerischen Alpen."

Touristen in München

Daria Sevastianiuk und Luke Pinkney sind erst vor Kurzem von Russland nach Deutschland gezogen. Da sie beide noch nicht gut Deutsch sprechen, sei es schwierig für sie herauszufinden, welche Corona-Regeln momentan in den Ländern gelten.

(Foto: Friedrich Bungert)

Bekannte Regeln

Daria Sevastianiuk (Russland) und Luke Pinkney (Großbritannien) aus Konstanz: "Wir sind erst vor Kurzem von Russland nach Deutschland gezogen. Da wir nicht so einfach in unsere Heimatländer reisen können, haben wir uns entschlossen, in Zentraleuropa zu bleiben. Wir wohnen am Dreiländereck und hatten zunächst überlegt, in die Schweiz und nach Österreich zu fahren. Doch für uns ist es schwierig herauszufinden, welche Corona-Regeln momentan in den Ländern gelten, da wir noch nicht so gut Deutsch sprechen. Deshalb haben wir beschlossen, in Deutschland zu bleiben. In München wollen wir möglichst viel anschauen: die Altstadt, den Englischen Garten und den Olympiapark, aber auch die BMW-Welt und das Deutsche Museum."

Touristen in München

Brent Muhlestein aus Salt Lake City wollte bereits vergangenes Jahr nach München kommen, doch Corona hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

(Foto: Friedrich Bungert)

Noch schöner als gedacht

Brent Muhlestein aus Salt Lake City, USA: "Eigentlich wollte ich bereits vergangenes Jahr herkommen, doch Corona hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dann eben dieses Jahr. Weil ich bereits zweifach geimpft bin, musste ich bei der Einreise nicht in Quarantäne. Das hat die Entscheidung, nach Europa zu fliegen, einfach gemacht. Ich war bereits in Berlin und Dresden. Danach geht es weiter nach Oberammergau und Salzburg. In München bin ich nun zwei Tage. Und ich bin begeistert! Ich habe schon so viel Gutes über die Stadt gehört, aber es ist noch schöner, als ich dachte. An einem der beiden Tage war ich in Regensburg, nun will ich die Landeshauptstadt erkunden. Vielleicht gehe ich in ein Kunstmuseum, ansonsten laufe ich einfach in der Altstadt herum."

© SZ vom 06.08.2021/kafe
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