Kultur- und Freizeittipps der Kabarettistin Gabi RothmüllerVerschmitzt durch das sommerliche München

Lesezeit: 4 Min.

In „30 Jahre Lustspielhaus - Mord, Moral und Mortadella“ spielen Sonja Kling, Gabi Rothmüller (rechts unten), Alex Liegl (Mitte), Robert Blöchl & Roland Penzinger (BlöZinger) Mitglieder zweier verfeindeter Mafia-Clans.
In „30 Jahre Lustspielhaus - Mord, Moral und Mortadella“ spielen Sonja Kling, Gabi Rothmüller (rechts unten), Alex Liegl (Mitte), Robert Blöchl & Roland Penzinger (BlöZinger) Mitglieder zweier verfeindeter Mafia-Clans.
G. Sonderwald und S. Dankert

Die Regisseurin und Kabarettistin Gabi Rothmüller freut sich in der Woche von 27. Juli bis 2. August auf ihren Auftritt im Lustspielhaus, Shakespeare im Englischen Garten und Musik im Olympiapark.

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Montag: Love and Peace

Das „Hippie Kammerochester“ (Julia von Miller, Hans und Ruth von Chelius, von links) katapultiert sein Publikum mitten hinein in die Ära der Sechziger- und Siebzigerjahre.
Das „Hippie Kammerochester“ (Julia von Miller, Hans und Ruth von Chelius, von links) katapultiert sein Publikum mitten hinein in die Ära der Sechziger- und Siebzigerjahre.
Sven Kemmler

Die Versuchung ist gewaltig. The Sweet in der Eishalle Erding. Glam Rock! Meine Jugend! Mit Schlaghosen, T. Rex, Bravo lesen, Jugendtanz, frühen Experimenten mit dem Alkohol und der Liebe. Sehr verlockend. Aber auch abschreckend: Ist meine Jugend wirklich so alt geworden? Ich glaube, ich entscheide mich doch für die Gegenwart und schau mir das Hippie Kammerorchester im Vereinsheim an. Love and Peace. Auch Nostalgie, aber dargeboten von einer sehr lebendigen und großartigen Combo, Julia von Miller, Ruth und Hans von Chelius. Ist mir irgendwie lieber.

Dienstag: Liebgewonnenes Ritual

Bewohner des Westends lieben es, im Café Ristretto in den Tag zu starten. So auch Gabi Rothmüller.
Bewohner des Westends lieben es, im Café Ristretto in den Tag zu starten. So auch Gabi Rothmüller.
Florian Peljak

Heute werden es wohl die Italienerbuben. Es geht um das Ritual des vormittäglichen Kaffeegenusses. Es ist nämlich so, dass ich zwei Basislager in München habe. Und deshalb auch zwei Stammcafés. Und deshalb auch die tägliche Qual der Wahl. In der Schwanthalerhöhe ist es das Café Ristretto und in Schwabing das Café am Josephsplatz. Es handelt sich dabei um zwei komplett unterschiedliche Handlungssysteme, wie man mich durch Darreichung von Kaffee glücklich machen kann: das eine warmherzig-zickig und das andere mit weit ausgebreiteten sizilianischen Armen. Beide funktionieren blendend. Wenn ein Tag einen so empfängt, dann ist die Welt einfach ein kleines bisschen besser als sie eigentlich ist. Und das liegt nicht am Koffein.

Mittwoch: Musical-Dauerbrenner

Ein Auto, das schwimmen und fliegen kann, verspricht seinen Insassen spannende Abenteuer: zu erleben in „Tschitti Tschitti Bäng Bäng" im Gärtnerplatztheater.
Ein Auto, das schwimmen und fliegen kann, verspricht seinen Insassen spannende Abenteuer: zu erleben in „Tschitti Tschitti Bäng Bäng" im Gärtnerplatztheater.
Thomas Dashuber

Wie praktisch. Abends kann ich mir nichts im Theater anschauen, da spiel’ ich selber. Aber im Gärtnerplatztheater gibt’s „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ als Vormittagsvorstellung. Ich mag das Gärtnerplatztheater. Dem Hausherrn Josef Köpplinger und seiner gesamten Belegschaft ist es gelungen, ein Universum zu erschaffen, wo hohe Kunst, Witz, Sinnlichkeit und Klugheit gemeinsam regieren. Ich habe dort auch ein Stück gemacht, „Oh! Oh! Amelio!“ und weiß deswegen auch, was für großartige Darstellerinnen und Darsteller, Bühnenbildner und Musiker an diesem Hause beschäftigt sind. Und ich freue mich jetzt schon wie eine Schneekönigin, wenn ich den Schleimbatzen aus meiner Inszenierung jetzt als Kinderfresser sehen darf.

Donnerstag: Theater mit Picknick

Münchner Sommertheater: Das Publikum sitzt im Englischen Garten im Halbrund um ein auf die Wiese gemaltes Spielfeld.
Münchner Sommertheater: Das Publikum sitzt im Englischen Garten im Halbrund um ein auf die Wiese gemaltes Spielfeld.
Sebastian Bergau

Heute ist Daumendrücken angesagt. Gutes Wetter soll her und vor allem kein Regen. Im Amphitheater im Englischen Garten gibt’s nämlich „Was Ihr wollt“. Open-Air-Theater und für ganz umsonst. Unser Freund Basti Bergau hat inszeniert. Und da ich seinen letztjährigen Shakespeare-Streich gesehen habe, es war „Ein Sommernachtstraum“, kann ich allen Menschen nur empfehlen: Hingehen, nicht zu spät kommen, damit man einen guten Platz bekommt, Picknickdecke und was zu trinken mitnehmen und sich dann einfach verzaubern lassen. Übrigens ist der Englische Garten auch ohne nächtliches Theaterspektakel ein Ort, an dem ich mich gerne aufhalte, besonders im nicht so bevölkerten Nordteil. Vielleicht sollte ich in einem späteren Leben Englischer-Garten-Wärterin werden. Ich denke darüber nach.

Freitag: Originelle Säulenhalle

Eine Säulenhalle, mitten auf dem Feld, mit teils lustigen, teils nachdenklich stimmenden Säulen: Bernd Zimmers internationales Kunstprojekt "Stoa169" in Polling.
Eine Säulenhalle, mitten auf dem Feld, mit teils lustigen, teils nachdenklich stimmenden Säulen: Bernd Zimmers internationales Kunstprojekt "Stoa169" in Polling.
Rittenschober / Stoa 169 Stiftung

Heute ist für mich die letzte Gelegenheit, mir die Ausstellung „Die Welt der Mumins“ im Literaturhaus anzuschauen. Ich habe keine Ahnung, was die so treiben, aber ich habe, als ich vor einiger Zeit im Laden einer Freundin ausgeholfen habe, festgestellt, dass Fahrradsattelschutzbezüge mit Mumins-Motiven der absolute Verkaufsknaller waren. Die sahen aber auch lustig aus! Und jetzt böte sich tatsächlich die Gelegenheit, etwas für die Bildung zu tun und obendrein noch Spaß zu haben. Eine schöne Option. Hoffentlich verpass’ ich’s nicht. Das passiert mir leider öfter. Die „Haar – Macht – Lust“ Ausstellung in der Kunsthalle werde ich wahrscheinlich auch versäumen, nachlässig wie ich bin. Kleiner Tipp von mir: In so einem Falle einfach die STOA 169 in Polling besuchen. Eine Säulenhalle, mitten auf dem Feld, mit teils lustigen, teils nachdenklich stimmenden, aber immer extrem originellen Säulen. Und Säulen können nicht weglaufen – die bleiben. Vielleicht sollte ich in einem späteren Leben Säulenbewacherin in Polling werden.

Samstag: Mafia in München

Rein ins Lustspielhaus. Denn da spielen wir „Das Jubiläum – Mord, Moral und Mortadella“. Ein Stück zum 30. Geburtstag von Till Hofmanns Lustspielhaus. Und ich kann es kaum glauben, aber 29 Jahre sind wir wohl auch schon dabei, damals noch als Haustruppe „Occams Rache“ mit dem jährlichen Sommerprogramm für Zurückgebliebene. Aber zurück in die Gegenwart. Wir, also Sonja Kling, Robert Blöchl, Roland Penzinger (vulgo „BlöZinger“) und Alex Liegl, der das Ding auch geschrieben hat, spielen eine Mafiakomödie. Wir werden so viele Filmzitate, italienische Canzone, grausige Rezepte, missglückte Schießereien und grundlos grundlegende Verwechslungen ins sommerliche Plüsch ballern, dass nicht nur die Patronenhülsen unterm Tisch liegen werden. Aber das ist noch nicht alles. Der Bud Spenzer Heart Chor wird uns stimmgewaltig dabei helfen. Das macht vielleicht Spaß mit denen! Und als wäre das noch nicht genug, springt jeden Abend ein Stargast aus der Jubiläumstorte. Ehrenwort! Wer es am Samstag sein wird, verrat’ ich aber nicht. Nur so viel: Die Gästeliste ist spektakulär.

Sonntag: Viel Musik für alle

Picknickdecke ausbreiten, Wein entkorken und Musik entdecken: Beim Theatron-Musiksommer spielen drei Wochen lang Bands aller Art.
Picknickdecke ausbreiten, Wein entkorken und Musik entdecken: Beim Theatron-Musiksommer spielen drei Wochen lang Bands aller Art.
Oliver Wick

Für heute ist nochmal Schönwetterdaumendrücken angesagt. Im Theatron spielt das Orchester Sinfonietta München unter Hartmut Zöbeley. Und zwar Rossini, Brahms, Schumann und vieles mehr. Ich bin seit vielen Jahren ein ganz großer Fan des Münchner Musik-Sommers. Ein Kraftakt. Drei Wochen lang Musik aus allen Himmels- und sonstigen Richtungen. Mindestens zwei Konzerte am Tag, mit bekannten und unbekannten Bands, einfach großartig. Und das alles ohne Eintritt. Kunst für alle, das gefällt mir. Und obendrein auf dem wunderschönen Olympiagelände, diesem einzigartigen Areal, dem Juwel dieser Stadt, dem beeindruckendsten Stück Architektur, das München in der Neuzeit hervorzubringen in der Lage war. Sieht immer noch aus wie neu, obwohl es schon ganz schön alt ist. Da kommt so schnell nichts nach! Aber ich schweife ab. Ich würde sagen: Prost! (Decke und Getränk sind natürlich Pflicht.) So darf eine Woche ausklingen.

Regisseurin und Kabarettistin Gabi Rothmüller.
Regisseurin und Kabarettistin Gabi Rothmüller.
Stephan Rumpf

Gabi Rothmüller, geboren in Landshut, aber schon lange in München ansässig, ist Regisseurin, Kabarettistin und Schauspielerin. Sie ist unterwegs auf Bühnen jeglicher Art und arbeitet seit Jahrzehnten mit Stars der Kabarettszene, ob mit Helmut Schleich, Michi Altinger, Constanze Lindner, Ottfried Fischer oder Andreas Giebel. Und mit Alexander Liegl. Mit ihm schreibt, spielt und inszeniert sie immer wieder. Darunter waren jahrelang im Hochsommer das Kabarettprogramm „Occams Rache“ oder die oft als Germanen-Ulk benannte „Siegfried“-Komödie. Im vergangenen Jahr hat Rothmüller erstmals am Gärtnerplatztheater gearbeitet und das Stück „Oh oh Amelio“ auf die Bühne gebracht, aber auch in Hamburg, Berlin, Wien und Südtirol hat sie inszeniert. Und manchmal spielt sie auch selbst mit. Dieses Mal in der Jubiläumsproduktion ihrer Haus- und Hofbühne, dem Münchner Lustspielhaus: „Mord, Moral und Mortadella“ werden hier von 29. Juli bis Mitte August serviert.

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Kabarett in München
:Das Lustspielhaus feiert seinen 30. Geburtstag mit einer Mafiatorte

Das Jubiläum der wichtigsten Kabarett-Adresse der Stadt wird standesgemäß mit einer Eigenproduktion gefeiert: einer Gangsterkomödie von Gabi Rothmüller und Alex Liegl.

SZ PlusVon Oliver Hochkeppel

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