München Tiger, Hexen und ein roter Elefant

Die Münchner Maskierten sammeln sich am Pfanzeltplatz in Perlach, sie ziehen als Gaudiwurm durch Oberföhring, Feldmoching und den Westpark - die anderen Viertel treiben es Rosenmontag und Faschingsdienstag bunt

Von Andrea Schlaier

Ein ausgewachsener Tiger, der an der roten Ampel unruhig von einem auf das zweite Bein tritt, ist der erste Vorbote. Ein paar Meter weiter auf der Johanneskirchner Straße biegt der zweite um die Ecke: Obelix, ein Zwei-Meter-Brackl-Mannbild, das kaum hinunter reicht zum Griff des Kleinkinder-Wagens vor sich, aus dem vergnügt eine kleine Raubkatze spitzt. Er ist unterwegs zu einer Insel, die so scharfkantig vom Rest der Stadt abgetrennt ist wie ein kleines gallisches Dorf vom Rest der Welt: dem Münchner Straßenfasching, in dem Fall dem Oberföhringer "Gaudiwurm".

Hunderte mehr oder weniger maskierter Enthusiasten lassen sich das rare Isar-Spektakel und die herabregnenden Guadl gleichwohl nicht entgehen, das die Faschingsgesellschaft Feringa und der Verein VG 29 auf die Beine gestellt haben: Innerhalb von zwanzig Minuten zieht alles vorbei, was Stimmung macht, insgesamt 16 Wagen und zusätzliche Fuß- und Musikgruppen zählt Feringa-Chefin Manuela Fuchs: Schwarz-weiß gefleckte Percussionisten genauso wie die "Bolizei" in pinken Leggings und schwarzem Hemd, dem Feringa-Prinzenpaar Matthias I. und Veronika I., Nixen, kleine Haie und rosa Oktopus der DLRG Rettungswacht, kleine "Grüne" mit Leiterwagen und einem der wenigen politischen Botschaften des Nachmittags: "Schrumpft CSU/ SPD unser Bürgerhaus?" Von weit hinten schieben die dröhnenden Bässe eines fahrenden Radiosenders Rhythmus in den Zug. So ziehen sie vom Huuezziplatz zum Bürgerpark Oberföhring, wo kräftig weiter gewummert wird.

Zur gleichen Zeit ist der Pfanzeltplatz in Perlach bereits dicht. "1000 Leute sind da, die ratschen und sogar tanzen." Patrick Kirschniok vom veranstaltenden Burschenverein "Die G'mütlichen" ist sehr zufrieden. Die Oktoberfestband "4Munixx" bringt Einhörner wie Rastamänner samt Dreadlocks zum Schwingen. Kirschniok selbst steht in "Zivil" nebendran. "Es war so ein Stress, alles herzurichten, ich bin einfach nicht zum Verkleiden gekommen." Max Bauer, Vorsitzender vom Gesamtverein Feldmoching, hat ihm was voraus: ein Kostüm, und zwar das eines Troubadours. So gewandet steht er am Sonntagnachmittag strahlend inmitten des Feldmochinger Dorffaschings zwischen Josef-Frankl- und Pongratzstraße. Um ihn herum an die 700 Cowboys, Mexikaner, Wikinger und Hexen. "Das ist die obere Zahl unserer Erwartungen", freut sich der Mitorganisator. "Die Showgirls vom TSV Feldmoching machen eine Art Garde-Programm, dazu gibt's gute Musik der letzten 50 Jahre, die Stimmung ist super!"

Das gilt auch für den Zug, der an diesem Nachmittag die buntesten Funken in der Stadt sprüht: Angeführt von "Dschupa", dem roten Elefanten, reihen sich mehr als tausend Menschen - ein Großteil davon Kinder - in die Dschungel-Parade, die von der Hansastraße zum Westpark und wieder zurück aufs Feierwerk-Gelände zieht. Viele Buben und Mädchen haben wochenlang im "Dschungelpalast" an den Parade-Wagen gebastelt, darunter ein Garten mit Maulwurfshügel und eine stolze Burg.

Während für die einen der närrische Saison-Höhepunkt vorüber ist, setzen andere erst zum Endspurt an: Am Rosenmontag, 27. Februar, wird von 14 bis 17 Uhr Kinderfasching im Haidhauser Bürgersaal, Rosenheimer Straße 123, gefeiert. Der Moosacher Faschingsclub setzt ebenfalls am Rosenmontag sein "6-Tage-Rennen" in der Gaststätte "Alter Wirt", Dachauer Straße 274, fort mit der "Nacht der Moosacher Vereine", bevor einen Tag später am selben Ort um 18 Uhr mit der "Prinzenbeerdigung" die fünfte Jahreszeit zu Grabe getragen wird.

Vor den Kehraus setzen die Truderinger um 13 Uhr ihr Faschingstreiben auf dem Festplatz an der Wasserburger Landstraße. Der Countdown läuft dann von 18 Uhr an im benachbarten Festring-Saal an der Feldbergstraße. Die Allacher nehmen am Faschingsdienstag Aufstellung zum traditionellen Faschingsumzug, der um 14 Uhr an der Baumstänglstraße startet und zum Vereinsheim, Eversbuschstraße 161, führt, wo die muntere Maskerade bei einem Fest fortgesetzt wird.