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München:Tierschützer lassen Zirkustiere frei - Rind wird von Laster erfasst

  • Unbekannte haben mehrere Kamele und Rinder aus einem Zirkusgehege freigelassen.
  • Eine in Panik geratene Kuh wurde von einem Lastwagen erfasst und schwer verletzt. Sie wurde mit einem Jagdgewehr von ihren Qualen erlöst.
  • Das Staatsschutzkommissariat der Münchner Polizei, das auch für Straftaten militanter Tierschützer zuständig ist, ermittelt. Es ist der vierte Vorfall innerhalb kurzer Zeit.

Vermutlich militante Tierschützer haben am Montagnachmittag mehrere Kamele und Rinder aus einem in Bogenhausen gastierenden Zirkus befreit - mit fatalen Folgen: Ein Kalb rannte in Panik auf eine Straße, wurde von einem Auto angefahren und musste mit einem Schuss aus einer Jagdwaffe von seinem Leiden erlöst werden. Es ist bereits der mindestens vierte derartige Vorfall binnen eines Monats - jetzt ermittelt das Staatsschutzkommissariat 43 des Münchner Polizeipräsidiums.

Am Montag gegen 15.50 Uhr erreichten mehrere Notrufe von Autofahrern aus Bogenhausen die Polizeieinsatzzentrale: Eine Kuh laufe im Bereich Effnerplatz auf der Straße herum. Drei Unbekannte - zwei Männer und eine Frau - hatten mehrere Kamele und Rinder aus ihrem Zirkus-Gatter befreit und waren dabei beobachtet worden.

Betroffen war diesmal der an der Ecke Cosimastraße / Hochstiftsweg gastierende Circus Baldoni. Ein entlaufenes Kalb wurde in der Effnerstraße, Odinstraße, Oberföhringer Straße und Bülowstraße gesichtet. In der Bülowstraße verursachte das Kalb eine Delle an einem geparkten Pkw. In der Pienzenauer Straße scheiterte der Versuch eines Passanten, das Kalb festzubinden.

Schließlich rannte das Jungtier auf den Isarring und wurde dort etwa 70 Meter südöstlich der John-F.-Kennedy-Brücke von einem Lkw erfasst und schwer verletzt. Das Kalb blieb in einer Blutlache auf der Fahrbahn liegen, bis es Beamten gelang, es in eine Grünanlage zu tragen. Dort wurde das Tier von einem eigens herbeigerufenen Jäger mit einem Gewehrschuss erlöst.

Die übrigen Zirkustiere konnten wieder eingefangen werden. Die Ermittler im Polizeipräsidium (Telefon 089/2910-0) haben die Ermittlungen aufgenommen und hoffen jetzt auf weitere Hinweise von Zeugen.

Erst vor zehn Tagen war im Circus Baldoni, den es bereits seit sieben Generationen gibt und der nach eigenen Angaben großen Wert auf "artgerechte Circus-Tierhaltung" legt, unter ungeklärten Umständen ein Lama freigekommen und durch Bogenhausen geirrt. Zwei Streifenbesatzungen und die Reiterstaffel der Polizei suchten eine Stunde lang nach dem Tier, konnten es aber nicht finden - die Zirkusleute hatten es bereits selbst wieder eingefangen.

"In der heutigen Zeit ist es extrem wichtig zu zeigen, dass es den Tieren gut geht," heißt es auf der Internetseite des Familienunternehmens. "Weitgehende Ausläufe und großzügige Boxen im Stall sind für uns ebenso wichtig wie die regelmäßige Beschäftigung der Tiere."

Mitte April waren mindestens zweimal Tiere aus dem in Ramersdorf und danach in der Blumenau gastierenden Circus Kaiser freigelassen worden. Dabei war ein Strauß von einem Auto überfahren und getötet worden. Vier Unbekannte hatten den Tiertransporter aufgebrochen und den Laufvogel herausgelassen. Zuvor waren unter ungeklärten Umständen bereits mehrere Esel und Ponys desselben Zirkusunternehmens freigekommen und durch Ramersdorf gelaufen.

Beide Zirkusunternehmen berichten, dass immer wieder Tierschützer vor ihren Kassenhäuschen demonstrieren. Diskussionen seien da aber zwecklos, hatte der Chef des Circus Baldoni, Anton Kaiser, erst kürzlich gesagt. Kommt ein Zirkus in die Stadt, muss er sich erst einmal im Veranstaltungsbüro anmelden. Hat er Tiere dabei, wird automatisch das Veterinäramt informiert.

Das Münchner Kreisverwaltungsreferat hat die Zirkusleitlinien des Bundesministeriums von einer nicht verbindlichen Soll-Vorschrift zu einem Muss umgewandelt. Auf 30 Seiten ist genau definiert, was die Tiere zu wiegen haben, wie groß die Gehege sein müssen, wie die Tiere gepflegt und artgerecht gehalten werden sollen. Kommt ein Zirkus von außerhalb, muss er sich den Münchner Richtlinien anpassen.

© sz.de/imei
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