Ärger um Jahreskarten:Was andere Zoos besser machen als der Tierpark Hellabrunn

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Ärger um Jahreskarten: Lange Wartezeiten, selbst wenn nicht viel los ist: Kinder und Erwachsene stehen am Samstag am Eingang des Zoos.

Lange Wartezeiten, selbst wenn nicht viel los ist: Kinder und Erwachsene stehen am Samstag am Eingang des Zoos.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Einlass in den Tierpark Hellabrunn ist altmodisch und umständlich, das führt zu langen Schlangen und Wartezeiten. Dabei könnte sich München einiges von anderen Städten abschauen.

Von Philipp Crone

"Wir sind drin!", ruft der Mann in der Mittagssonne kurz hinter dem Eingang. Da muss wohl ein gewaltiger Andrang herrschen, wenn sich jemand so freut, es endlich rein geschafft zu haben. Stimmt aber gar nicht. An jeder der drei geöffneten Kassen stehen an diesem Sonntagmittag Mitte Januar gerade mal drei Wartende an. Trotzdem dauert es zum Teil mehr als 20 Minuten, bis die Leute drin sind. Wer zwei oder gar drei Jahreskarten-Verlängerer vor sich hat, braucht Geduld. Gerade zu Jahresanfang sind nun wieder viele Besucher verärgert.

Die Abwicklung an der Kasse, die Bearbeitung von Tages- oder Jahreskarten - das alles geht in Hellabrunn im Vergleich zu anderen deutschen Zoos langsam und unflexibel vonstatten, wie eine Nachfrage etwa in Köln, Hamburg oder Berlin zeigt. In Berlin gibt es zum Beispiel ganz neue technische und digitale Strukturen, die einen reibungslosen und deshalb schnellen Ablauf ermöglichen. In München dauert alles länger. Jahreskarten können nur vor Ort verlängert werden, das erhöht gerade im Frühjahr die Wartezeit. Zudem lässt sich eine Jahreskarte nicht vor Ablauf der Gültigkeit neu beantragen. Und: Die Besucherzahlen haben sich laut Tierpark innerhalb weniger Jahre verdoppelt, die Zahl der Eingänge aber ist dieselbe geblieben.

Man würde gerne den Zahlungsvorgang und den Check-in entkoppeln, sagt Tierparksprecher Dennis Späth, doch das sei derzeit nicht in Planung. Es kostet eben. "Wir investieren lieber in Tieranlagen." Wegen des unflexiblen und nicht einheitlichen IT-Systems kann es auch dazu kommen, dass Besucher wieder weggeschickt werden - etwa wenn jemand seine Jahreskarte vergessen hat: Dann ist es nicht möglich, im System die Karte zu überprüfen und den Gast trotzdem reinzulassen, wie es in anderen Zoos gemacht wird. "Ich habe keine Information darüber, dass das geändert werden soll", sagt Späth.

Die Verlängerung einer Jahreskarte - in Köln dauert das "nur wenige Sekunden"

Im Kölner Zoo werden Tages- und Jahreskarten an Drehkreuzen oder von Mitarbeitern mit Handgeräten eingescannt. Unter der Woche gibt es laut Sprecher Christoph Schütt "keine Wartezeiten". In Berlin wirbt der Zoo damit, dass Besucher mit Online-Tickets nicht in der Schlange stehen müssen. Und seit dem vergangenen Jahr gibt es ein einheitliches System für den Tierpark und für den Zoo Berlin. Darin sind die Kassen, der Einlass und der Online-Shop organisiert, sagt Sprecherin Christiane Reiss. "50 Prozent der Tickets kommen derzeit über den Online-Shop", was die Eingänge sehr entlaste, "weil Gäste mit Online-Tickets direkt zum Eingang und die Kassen umgehen können." In München sind Kasse und Eingang eins.

In Berlin werden Tages- und Jahreskarten nur kurz gescannt, die Jahreskartenbesitzer müssen sich ausweisen. Wartezeiten gebe es kaum, sagt Reiss. Eine Jahreskarte kann der Besucher verlängern, indem er eine neue bucht, auch bevor die alte abgelaufen ist. Und wenn jemand seine Jahreskarte vergessen hat, kann er sich ausweisen und darf gegen eine Bearbeitungsgebühr trotzdem hinein. In Köln bekommen Besucher in so einem Fall einfach ein Ersatzticket. Die Verlängerung einer Jahreskarte dauert dort laut Sprecher Schütt nur "wenige Sekunden".

Für den Tierpark Hagenbeck in Hamburg kann man jederzeit online einen Jahreskarten-Gutschein kaufen, erklärt Sprecherin Britta Boeck. Der ist drei Jahre gültig und wird aktiv, wenn beim ersten Besuch auf der Quittung das Datum eingetragen wird. Die Karten werden in einem eigenen Bereich ausgestellt - und am Eingang nur kurz vorgezeigt.

Hellabrunn erhöht die Preise zum 1. Februar

In Pandemie-Zeiten muss man eine gewisse Wartezeit wohl immer einkalkulieren. Die Mitarbeiter des Münchner Zoos nehmen die Besucher schon weit vor den Eingängen routiniert in Empfang, bitten um Impfnachweis, Personalausweis und das Aufsetzen der Maske. All das ist gut geregelt und trifft auf ebenso routinierte Besucher. Menschenschlangen vor dem Zoo sind außerdem nichts Neues, die gab es auch vor Corona schon. Manchmal endet die an heißen Sommerwochenenden erst am anderen Ende der Isarbrücke.

Nach den wegen Corona stark rückläufigen Besucherzahlen im vergangenen Jahr wird es 2022 wohl wieder deutlich mehr Tageskarten- und Jahreskartenverkäufe geben - auch wenn die Preise zum 1. Februar steigen, die Tageskarte von 15 auf 18 Euro, die Jahreskarte von 49 auf 59 Euro. Wobei der Eintritt im nationalen Vergleich eher günstig bleibt, vor allem der Preis für Jahreskarten. Leipzig (81 Euro), Hamburg (140), Köln (85) oder Stuttgart (65) sind teurer, Berlin (55) nun günstiger.

Die Besucher in Hellabrunn werden in nächster Zeit einige neue Gehege zu sehen bekommen, etwa das der Wölfe und das der Löwen. Aber dafür werden sie wohl auch weiterhin eine Weile anstehen müssen.

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