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Stadtrat:Der Tierpark und das Palmöl

Orang-Utan im Münchner Tierpark Hellabrunn, 2016

"Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans" fordert Stadtrat Tobias Ruff einen Verzicht auf Palmöl-Produkte.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff fordert in einem Antrag, dass der Tierpark keine Produkte mehr verkauft, in denen Palmöl enthalten ist.
  • Für die Palmölplantagen werden meist tropische Regenwälder abgeholzt, in denen Orang-Utans leben.
  • Dem Tierpark ist das Problem bewusst. "Wir achten darauf, dass wir möglichst wenige Eissorten haben mit Palmöl", sagt Sprecherin Lisa Reininger.

Der Tierpark Hellabrunn zählt nach Schloss Neuschwanstein zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Bayerns. Das liegt an den vielen Tieren, aber auch daran, dass die 40 Hektar große Anlage in den Isarauen ein Ausflugsparadies für Familien mit Kindern ist. Die Kleinen können gefahrlos herumlaufen und viele Dinge entdecken, Tiere streicheln und natürlich viel über die Natur lernen. Zum Abschluss des Besuchs gehört für viele ein Eis dazu - eine kleine Sünde ist schließlich erlaubt. Oder doch nicht? Die ÖDP im Münchner Stadtrat zumindest will nun bestimmte Eissorten und auch Schokolade im Tierpark verbieten lassen.

Was wie ein schlechter Scherz von Kostverächtern klingt, hat einen ernsthaften Hintergrund. Denn viele Eissorten, Gebäck und auch Schokolade enthalten Palmöl. Für die Palmölplantagen werden meist tropische Regenwälder abgeholzt. ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff fordert nun in einem Antrag, dass der Tierpark keine Produkte mehr verkauft, in denen Palmöl enthalten ist. Ruff verweist darauf, dass zu den Hauptsponsoren des Tierparks neben der Stadtsparkasse, den Stadtwerken und dem Flughafen München auch Coca-Cola und Nestlé Schöller zählen. Und dieser Konzern verwendet eben auch Palmöl in seinen Lebensmittelprodukten.

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Ruff findet, "Artenschutz fängt beim eigenen Verhalten an". Dies gelte aber nicht nur für Verbraucher, sondern auch für die Stadt. Sie solle deshalb Sorge tragen, dass im Tierpark "zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans auf den Verkauf von Produkten mit Palmöl verzichtet" werde.

Der Konzern verweist auf seiner Homepage darauf, dass derzeit die Palmöl-Produktion sukzessive auf die RSPO-Anforderungen (Roundtable on Sustainable Palm Oil) umgestellt werden. Ziel sei es, das gesamte Palmöl bis 2022 nachhaltig zu beschaffen und alle Produktionsstätten bis Ende 2019 nach diesem Standard zertifizieren zu lassen. Auch der Tierpark selbst weist mit seinen Artenschutzbotschaftern regelmäßig in Führungen auf die Palmölproduktion in den Tropen hin. Der Tierparkleitung ist das Problem durchaus bewusst: "Wir achten darauf, dass wir möglichst wenige Eissorten haben mit Palmöl", sagt Tierparksprecherin Lisa Reininger. In der Gastronomie am Flamingo-Eingang gibt es nach Aussage von Reininger sogar überhaupt kein Eis mit Palmöl.

Durch das Sponsoring mit einem großen Unternehmen wie Nestlé Schöller sehe Tierparkchef Rasem Baban auch die Chance, mit dem Konzern "inhaltliche Gespräche zu führen", um auf mögliche Verbesserungen der Produkte mit mehr Nachhaltigkeit hinzuweisen. Trotzdem brauche eine Institution wie der Tierpark einen Sponsor, der Eishersteller, und einen, der Getränkehersteller sei, so Reininger. "Auf Eis und Getränke kann man als Tierpark nicht verzichten." Zu den Sponsoren zählen übrigens nicht nur internationale Konzerne wie Coca-Cola und Nestlé Schöller, sondern auch Augustiner. In dem Münchner Bier ist garantiert nur Wasser, Gerstenmalz und Hopfen.

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