Auswirkung der HitzewelleTierheim nimmt keine Jungvögel mehr an

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Sechs Mitarbeiter päppeln im Tierheim unter anderem Amseln wieder auf (Symbolbild).
Sechs Mitarbeiter päppeln im Tierheim unter anderem Amseln wieder auf (Symbolbild). Christoph Hardt/Imago

Bis zu 50 Vögel wurden zuletzt täglich nach Riem gebracht. Was die Hitze damit zu tun hat und warum es Ärger wegen der Finanzierung gibt.

Von Toke Reimer

Die hohen Temperaturen der vergangenen Wochen haben nicht nur die Münchnerinnen und Münchner mitgenommen. Auch Wildtiere leiden unter der extremen Hitze – vor allem junge Vögel. „Wenn die Nester warm werden, springen die Jungvögel aus dem Nest und sind danach verletzt und geschwächt“, erklärt die Leiterin des Münchner Tierheims Eva-Maria Natzer. Viele der verunglückten Küken werden von ihren Findern im Tierheim abgegeben –  zu viele. 30 bis 50 Vögel seien zuletzt täglich nach Riem gebracht worden. Am Dienstag waren mehr als 400 Sing- und Wasservögel auf der Station, für mehr reiche weder Platz noch Personal. Das Tierheim hat deshalb einen Aufnahmestopp verhängt. Auch die telefonische Notberatung pausiert.

„Wir hoffen, dass wir nur ein paar Tage stoppen müssen“, sagt Natzer am Mittwoch bei der jährlichen Pressekonferenz des Tierheims. Schließlich solle die Station, die in Süddeutschland die einzige dieser Art ist, nur ein temporäres Zuhause für die lädierten Küken sein: Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter päppeln hier Amseln, Meisen, Spatzen und andere Vögel wieder auf und entlassen sie schnellstmöglich zurück in die Freiheit. Dafür hat das Heim erst im Mai eine eigene Auswilderungsstation eröffnet.

Mildere Temperaturen wie am Mittwoch machten Hoffnung auf Entlastung, seien aber kein Garant: Gewitter und Hagel können Nester beschädigen, und Jungvögel auch so auf dem Boden stranden. Für Natzer ist klar: „Wir sehen hier ganz direkt die Konsequenzen des Klimawandels.“ Insgesamt waren 2024 mehr als 5000 heimische Wildtiere auf der Station, mehr als doppelt so viele als vor zehn Jahren. Das Heim hatte die Wildtierstation im vergangenen Jahr sogar um 150 Plätze erweitert, aber selbst das reicht aktuell nicht aus. Und wenn im Herbst dann wieder weniger Vögel kommen, geht auch schon die Igel-Saison los.

Und das geht ins Geld: Im vergangenen Geschäftsjahr zahlte der Tierschutzverein rund 250 000 Euro für den Betrieb der Wildtierstation, die mittlerweile die Hälfte aller Tiere im ganzen Heim beherbergt. Anders als etwa für die Versorgung von entlaufenen Haustieren bekommt der Verein dafür kein Geld von Stadt und Landkreis. „Ich kann verstehen, dass die Stadt sparen muss“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Tierschutzvereins, Thomas Zeiner. „Aber das wäre eine wichtige Investition.“ Immerhin verweise die Stadt selbst auf ihrer Webseite auf das Riemer Tierheim als Notfallkontakt für Tiere in Not, da könne sie auch finanziell unterstützen.

Die Stadt erwidert auf SZ-Nachfrage, dass die Versorgung von Wildtieren keine kommunale Pflichtaufgabe sei. Der Tierschutzverein erhalte aber neben Geld für Haustiere „zusätzliche Geldmittel zur Förderung des Tierschutzes“, die auch für Wildtiere zum Einsatz kommen können. Die ehrenamtliche Arbeit sei wichtig und verdiene Anerkennung, die Finanzierung müsse aber letztlich auch durch Spenden aus der Bevölkerung erfolgen.

Vergangenes Jahr klappte das: Die Ausgaben des Tierschutzvereins lagen bei gut zwölf Millionen Euro. Diese konnten nach eigenen Angaben durch zwei Millionen Euro von Stadt und Landkreis und vor allem durch Erlöse aus Erbschaften und Spenden ausgeglichen werden. „Letztes Jahr hatten wir Glück“, sagt Geschäftsführer Zeiner, „aber mit Erbschaften können wir schlecht kalkulieren“.

Was tun, wenn man einen jungen Vogel findet?

Vorerst bleibt die Wildtierstation also eigenfinanziert in Betrieb, wenn auch ohne Neuankömmlinge. Auch wenn die Tore zu sind, rät das Tierheim davon ab, auf eigene Faust Jungvögel zu versorgen. Es brauche das nötige Fachwissen, schon kleine Fehler könnten für die verletzlichen Tiere tödlich enden. Der erste Schritt sei immer: abwarten. Oftmals versorgen Eltern ihre Jungvögel auch am Boden.

Wenn es sich zweifelsfrei um ein akut bedrohtes Tier handelt, gibt es neben dem Tierheim München alternative Anlaufstellen wie den bayerischen Landesverband für Vogelschutz, die Wildvogelhilfe oder die Wildvogelstation der LMU. Letztere bietet täglich eine telefonische Beratung unter 0170/472 94 99 an.

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