Ein temporärer Aufnahmestopp für Wildtiere, gestiegene Kosten und die Vogelgrippe: Hinter dem Münchner Tierheim liegt ein Jahr mit großen Herausforderungen. In ihrer Jahresbilanz macht die Einrichtung deutlich, dass sie bei der Versorgung verletzter Wildtiere zunehmend an ihre Grenzen stößt. Deren Behandlung werde bislang ausschließlich aus Spenden finanziert, das sei auf Dauer nicht tragbar, sagte Claus Reichinger, stellvertretender Vorsitzender des Tierschutzvereins München. Die Tierschützer fordern deshalb eine stärkere finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand.
Im Jahr 2025 waren insgesamt 7073 Tiere untergebracht, den größten Anteil machten dabei die Wildtiere aus, so die Bilanz des Tierheims. Im Durchschnitt beherbergt die Einrichtung mit dem angegliederten Gnadenhof zur gleichen Zeit 762 Tiere. Über das Jahr hinweg gab es neben den 492 Hunden, 915 Katzen und 872 Kleintieren knapp 4800 Wildtiere, die auf die Versorgung und Unterbringung durch das Tierheim angewiesen waren.
Die Zahl der Wildtiere hat sich in fünf Jahren beinahe verdoppelt
„Der Anstieg hängt vor allem mit der Reduktion des Lebensraums und der erhöhten Aufmerksamkeit der Bevölkerung zusammen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Kurt Perlinger. Auch das Insektensterben und der Klimawandel hätten die Anzahl der Wildtiere, die auf Hilfe angewiesen sind, in die Höhe getrieben.
Besonders prekär ist die Lage bei Jung- und Wasservögeln, so die Tierheimleiterin Eva-Maria Natzer – gerade im Hinblick auf die Vogelgrippe und Quarantäneauflagen.
Wie angespannt die Lage ist, zeigte sich in den vergangenen Wochen: Das Tierheim musste einen temporären Aufnahmestopp verhängen. Dieser sei nun wieder aufgehoben, die Kapazitäten seien allerdings weiterhin fast ausgeschöpft. Als einzige professionelle Wildtierstation Süddeutschlands gerät die Einrichtung in Riem zunehmend an ihre Grenzen.

Auch beim Haushalt bleibt die Lage angespannt. Nach Angaben des Tierschutzvereins standen 2025 Einnahmen von rund 9,7 Millionen Euro und Rücklagenauflösungen in Höhe von 1,06 Millionen Euro Ausgaben von knapp 11,6 Millionen Euro gegenüber. Das Geschäftsjahr schloss also mit einem Defizit von rund 886 000 Euro ab. Dabei entstünden hohe Kosten durch zahlreiche Leistungen, etwa die Versorgung von Streunerkatzen, Wildtieren oder schwer vermittelbaren Hunden, die über die gesetzlichen Pflichtaufgaben hinausgingen, so Perlinger.
Sorgen bereiten den Tierschützern auch die sogenannten Listenhunde. Nach der Kampfhundeverordnung von 1992 gelten fünf Hunderassen unwiderruflich als Kampfhunde der Kategorie I, für deren Haltung eine Halteerlaubnis erforderlich ist, die nur in Ausnahmefällen erteilt wird. Für die Haltung von Kampfhunderassen der zweiten Kategorie ist ein sogenanntes Negativzeugnis notwendig, mit dem das Wesen des Hundes beurteilt wird.

Auch wenn die Hunde die Beurteilung bestehen, müssen ihre Halter eine höhere Hundesteuer zahlen. Der stellvertretende Vorsitzende Claus Reichinger sieht darin ein grundlegendes Problem: Die Vermittlung werde so beinahe unmöglich gemacht, über den Charakter der Hunde entscheide nicht die Rasse. Er fordert daher generell eine individuelle Beurteilung sowie langfristig ein bundesweit einheitliches Hundegesetz.
Das Tierheim ist bemüht, sich auch weiter um alle Tiere zu kümmern, die Hilfe benötigen. Einen wichtigen Tipp haben die Tierschützer dabei noch für die Bevölkerung: Wer ein verletztes Wildtier findet, sollte vorab telefonisch Kontakt aufnehmen und das Tier möglichst nicht mit bloßen Händen anfassen, sondern es vorsichtig mit einem Handtuch oder Handschuhen sichern.

