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SZ-Serie: München natürlich:Beim Verstecken sind Eichhörnchen unschlagbar

Eurasisches Eichhörnchen

Hochsitz: Das Eurasische Eichhörnchen wohnt in alten Bäumen.

(Foto: Paul Zinken/dpa)

In der Stadt finden die Nager viel Nahrung. Vor den Menschen haben sie kaum noch Angst, manchmal betteln sie bei ihnen regelrecht um Futter.

Von Thomas Anlauf

Wenn Angelika Burkhardt-Keller mit Kindern in den Wald geht, spielt sie mit ihnen gerne das Eichhörnchen-Spiel. "Jeder bekommt ein paar Nüsse, die müssen die Kinder dann verstecken und später wiederfinden", sagt die Umweltberaterin vom Bund Naturschutz.

Bei einem der Ausflüge nahe dem Walderlebniszentrum im Perlacher Forst wurden die Kinder beim Verstecken genau beobachtet. Kaum waren die Nüsse vergraben, hüpften auch schon ein paar Eichhörnchen aus der Deckung und buddelten die Nüsse wieder aus. "Die kannten offenbar das Spiel", sagt Burkhardt-Keller und lacht. Klar, im Verstecken sind Eichhörnchen unschlagbar.

Angelika Burkhardt-Keller beobachtet die klugen Nagetiere regelmäßig.

(Foto: Catherina Hess)

Es sind Tausende Nüsse, die jedes Eichhörnchen im Lauf des Jahres verbuddelt. Dabei geht das Eurasische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), das auch in München heimisch ist, ziemlich systematisch vor. Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Nagetiere ihre Beute nach Nussarten sortieren und verstecken. Damit sollen sie die proteinreiche Nahrung bei Bedarf leichter wiederfinden. In der Stadt müssen sich Eichhörnchen aber oftmals gar nicht so große Mühe mit ihrer Nahrungssuche machen.

"Die sind ziemlich erfinderisch und schlau", sagt die Münchner Naturschützerin Burkhardt-Keller. Gelegentlich knabbern sie an heruntergefallenen Keksen oder naschen am Futter in Vogelhäuschen. Auch Knospen verschmähen sie nicht. Obwohl Eichhörnchen durchaus Vogelnester plündern, nimmt das den koboldähnlichen Tieren mit ihren feingliedrigen, fingerartigen Vorderzehen offenbar kaum ein Mensch übel. Die kleinen Jäger sehen ja auch zu niedlich aus.

Sie haben gelernt, dass der Mensch sie nicht frisst

In München kommt es relativ häufig vor, dass sie sogar von sich aus auf Menschen zugehen und um etwas Essen betteln. Vor allem in den großen Friedhöfen mit vielen alten Bäumen wie dem Waldfriedhof und dem Alten Südfriedhof hüpfen die kleinen Nager schon mal direkt vor die Fußspitzen des Spaziergängers. Jungtiere klettern manchmal sogar am Hosenbein hoch. Die haben oft schlicht Hunger. "Normalerweise haben sie eine große Fluchtdistanz, aber in der Stadt haben sie gelernt, dass der Mensch sie nicht frisst", sagt Burkhardt-Keller. Ihre Erfahrungen mit Menschen geben die älteren Eichhörnchen an ihren Nachwuchs weiter.

Die Jungen kommen übrigens relativ früh im Jahr zur Welt. Bereits im Januar beginnt die Paarungszeit, in diesen Tagen sind die ersten Jungen geboren und liegen häufig noch blind, taub und nackt im Kobel. Für Baummarder, Wiesel und Katzen sind sie dann relativ leichte Beute. Auch ein naher Verwandter des Eurasischen Eichhörnchens bereitet den Tierschützern etwas Sorgen. Denn das ursprünglich in Nordamerika heimische Grauhörnchen ist von Menschen nach Europa eingeschleppt worden.

Vor allem in Großbritannien, aber auch in Italien, Frankreich und der Schweiz breitet sich das deutlich größere und stärkere Grauhörnchen aus und verdrängt zunehmend die heimische Population. "Ich hoffe, es braucht noch lange, bis sie es über die Alpen schaffen", sagt Angelika Burkhardt-Keller. Während die roten bis schwarzen Eichhörnchen oft anderen Jägern zum Opfer fallen, können sich die Grauhörnchen besser gegen ihre Feinde wehren und setzen sich so nach und nach durch. Zudem verbreiten die Grauhörnchen die sogenannten Eichhörnchen-Pocken, gegen die sie, nicht aber die Eurasischen Hörnchen immun sind.

Mit zwei Vorurteilen muss an dieser Stelle noch aufgeräumt werden: Es kommen hier nebeneinander sowohl feurig-rote als auch schwarze Eichhörnchen vor, beide sind heimisch und die gleiche Art. Und ein ganz so brillantes Nussgedächtnis, wie man gemeinhin glaubt, haben Eichhörnchen offenbar auch nicht. An den Stellen, wo die Nüsse vergessen wurden, wächst langsam Wald nach.

© SZ vom 07.04.2020/vewo
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