„Bitterkomische Geschichten mit einem feinen Sinn für prägnante Kürze“ habe sie geschrieben, so die Jury, „scharfe Milieubeobachtungen“ ohne Larmoyanz. Die Berliner Schriftstellerin Katja Lange-Müller („Drehtür“, „Unser Ole“) erhielt dafür nun den Thomas-Mann-Preis 2025. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste und die Hansestadt Lübeck vergeben die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung alternierend in den Städten, in denen der Schriftsteller am längsten lebte. Im Jubiläumsjahr von Manns 150. Geburtstag und 70. Todestag wurde er am Donnerstagabend in der Münchner Akademie vor kleinem, aber illustrem Publikum verliehen, von Schriftsteller Uwe Timm bis Kardinal Reinhard Marx.
Es ist eine würdige Feier, von Schubert-Werken musikalisch umrahmt. Als „Virtuosin der kurzen Form“ würdigt Laudator Carsten Otte die Preisträgerin – und die Bedeutung des „Brühwürfels“ für ihr Werk: „eingedampfte Substanz, der jedes überflüssige Wort entzogen ist“. In ihrer Dankesrede überlegt Katja Lange-Müller, was sie wohl mit Thomas Mann verbinde. Nicht zuletzt: „Er rauchte. Ich rauche.“ Auch hätten sie beide eine Leidenschaft für die kurze, konzentrierte Form, sagt sie. Lustvoll legt sie anschließend Schicht um Schicht von Manns Erzählung „Die Betrogene“ frei. Und dann braucht sie dringend eine Zigarette. (aw)

Die Berlinerin hat bereits den wichtigsten Preis bekommen, den eine Schriftstellerin erhalten kann: den Literaturnobelpreis. Der wurde Herta Müller im Oktober 2009 in Stockholm verliehen. Dass die Schriftstellerin („Atemschaukel“) bis heute eine wichtige, mahnende Stimme ist, mag die diesjährige Verleihung des Deutschen Kulturpreises an sie bestätigen.
Auch Maria Furtwängler, die promovierte Ärztin und Schauspielerin, wurde mit einer Auszeichnung geehrt, sie bekam den Ehrenpreis. Allerdings nicht als Darstellerin, sondern für die MaLisa-Stiftung, die sie zusammen mit ihrer Tochter Elisabeth Burda Furtwängler gegründet hat. Die Stiftung setze sich für „Gesellschaftliche Vielfalt und die Förderung von Klima- und Artenschutz“ ein. Die Preisträgerinnen erhalten eine handgefertigte Skulptur der Porzellan-Manufaktur Meissen, zudem ist der Kulturpreis mit 30 000 Euro dotiert. (sz)

