„À la du Barry“ am „Theater ... und so fort“Im Kampf für die Gleichberechtigung

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Fünf Frauen, fünf unterschiedliche Positionen:  Das Stück „À la du Barry“ im Münchner „Theater ... und so fort“.
Fünf Frauen, fünf unterschiedliche Positionen:  Das Stück „À la du Barry“ im Münchner „Theater ... und so fort“. (Foto: Jan Roeder)

Fünf historische Frauen aus fünf verschiedenen Ländern stehen sich gegenüber – sie alle sind wichtige Figuren des Feminismus. In „À la du Barry“ am „Theater ... und so fort“ sprechen sie über das Frausein. Kann das funktionieren?

Kritik von Zoé von Langen

Female Rage, auf Deutsch „weibliche Wut“, beschreibt den Zustand, den Frauen empfinden, wenn sie mit Ungerechtigkeit oder Unterdrückung aufgrund ihres Geschlechts konfrontiert werden. Und Gründe, wütend zu sein, gibt es viele: Gender Pay Gap, häusliche Gewalt gegen Frauen und die steigende Zahl der Femizide. Aber nicht nur in Deutschland, überall auf der Welt sind Frauen betroffen, sei es in Afghanistan, den Niederlanden oder in den USA.

Die Uraufführung „À la du Barry“ am „Theater .... und so fort“ greift genau das auf und zeigt, was passieren würde, wenn sich fünf Feministinnen aus der Vergangenheit in einer Diskussionsrunde gegenüberstehen. Regisseur und Autor Heiko Dietz hat das Stück auf Grundlage der Biografien der Feministinnen geschrieben – er wollte damit ihre Lebensgeschichte und ihren Kampf gegen die patriarchale Unterdrückung darlegen. Zu dem Stück inspirierte ihn das Schicksal von Loujain al-Hathloul, die verhaftet wurde, weil sie gegen das in Saudi-Arabien geltende Fahrverbot für Frauen verstieß.

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Dietz selbst versteht „À la du Barry“ damit als Sprachrohr für die fünf bereits verstorbenen Frauen, die er zu seinen Protagonistinnen macht: die US-Amerikanerin und Schriftstellerin Audre Lorde (Vanessa Holley), die afghanische Frauenrechtlerin Meena Keshwar Kamal (Beritan Balci), die niederländische Ärztin Aletta Jacobs (Conny Krause), die französische Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir (Andrea Beblo-Krause) und die Schriftstellerin Marie Haushofer (Waltraud Lederer). Mit Haushofer ist auch eine Frauenrechtsaktivistin aus München vertreten, die mit ihrem bayerischen Dialekt für einige witzige Momente sorgt.

Die Frauen kommentieren in Dialogform das Geschehen um ihre feministische Mitstreiterin Lina. Lina musste ins Gefängnis, weil sie die Texte ihrer Schwester übersetzt und weitergeleitet hat. Unter der Bedingung, Stillschweigen über ihre Haftbedingungen zu bewahren, wird sie freigelassen. Doch das scheint nicht so einfach zu sein. Deswegen treffen die Frauen aufeinander.

Was mit Lina passiert, wird über eine Radio-Collage eingespielt. Das Publikum bekommt Stück für Stück mit, was ihr geschieht. Neben der Sorge um ihre Mitstreiterin hadern die Protagonistinnen mit den jeweiligen Positionen der anderen – mal wird das eurozentrische Weltbild der einen kritisiert, mal das Bewusstsein von Intersektionalität gestärkt und über das Abtreibungsgesetz verhandelt.

Es entstehen Gänsehautmomente

Das Bühnenbild ist reduziert und schlicht. Der Fokus liegt auf dem Gesagten. Es stehen fünf Holzstühle und fünf Holztüren auf der Bühne. Die Protagonistinnen sitzen sich mal streitend gegenüber, mal liegen sie sich trauernd in den Armen. Durch die Abgänge nach einer Szene entsteht die Dynamik im Stück. Die Schauspielerinnen machen ihre Emotionen nachvollziehbar deutlich, zeigen authentisch ihre Wut. Es entstehen Gänsehautmomente, wenn sie wütend von jungen Mädchen erzählen, die zwangsverheiratet werden, oder leidenschaftlich von ihrem eigenen Gefühl berichten, als Frau nicht genug gewesen zu sein.

„À la du Barry“ reißt damit viele wichtige Punkte an, erzählt diese aber nicht komplett aus. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die unterschiedlichen feministischen Strömungen, die durch die Frauen und ihre Thesen verkörpert werden. Der Einblick in die aktuelle Lebenswelt als Frau in einer patriarchalen Gesellschaft kommt damit an manchen Stellen zu kurz und es bleibt bei den abstrakten Debatten.

Das macht das Stück jedoch nicht weniger relevant. Denn dass diese Themen weiterhin Raum brauchen, steht außer Frage. Audre bringt es in einer Szene eindringlich auf den Punkt: „Ich bin nicht frei, solange noch eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn ihre Ketten ganz andere sind als meine.“ Genau solche Gedanken sind es, die den Kern des Stücks ausmachen und über den Theaterabend hinaus nachdenklich stimmen.

À la du Barry, theater... und so fort, bis 17. Januar, Informationen: theater ... und so fort - À la du Barry

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