Was läuft im Theater in München?Mit Nicholas Ofczarek ins neue Theaterjahr

Lesezeit: 3 Min.

Die Burgtheater-Produktion „Holzfällen“ mit Nicholas Ofczarek (Mitte) und der Musicbanda „Franui“ gastiert im Künstlerhaus.
Die Burgtheater-Produktion „Holzfällen“ mit Nicholas Ofczarek (Mitte) und der Musicbanda „Franui“ gastiert im Künstlerhaus. Tommy Hetzel

Erstaunlich viel los: Zu Beginn des Jahres werfen sich die Münchner Theater mächtig ins Zeug – mit Neuem von Yasmina Reza bis hin zu einem Burgtheater-Gastspiel.

Von Yvonne Poppek

SZ bei Google bevorzugen

Normalerweise herrscht Ruhe Anfang Januar, erst langsam steigern sich die Bühnen auf Normalbetrieb und zögerlich kommen dann die ersten Premieren des neuen Jahres heraus. Doch 2026 – alles anders. Da wird gerade noch Rücksicht genommen auf die Weihnachtsferien, kaum sind die vorbei, geht’s los, sowohl an den großen Häusern als auch in der Freien Szene in München.

Da wäre also zunächst das Residenztheater. Es hat noch am Ende des Jahres 2025 sehr lautlos eine neue Produktion in den Spielplan aufgenommen. Überraschend lautlos, denn es handelt sich um die Adaption von Miniaturen und Gerichtsreportagen von Yasmina Reza. Und der Name Reza garantiert normalerweise einen hohen Zuschauerzuspruch. Für Freitag, 9. Januar, ist nun die deutschsprachige Erstaufführung von Die Rückseite des Lebens angesetzt, die szenische Einrichtung übernimmt Hausregisseurin Nora Schlocker.

Bis die Kammerspiele und das Volkstheater nachziehen, ist es vor allem die Freie Szene, die frühzeitig aufs Gaspedal tritt. Der Erste ist dabei der Performer und Theater(musik)maschinenbastler Benno Heisel. Vom 8. bis 11. Januar zeigt er seine neue Arbeit Android (Baujahr 1737) im Theater HochX. Heisel hat natürlich gebaut, diesmal in Anlehnung an Jacques de Vaucansons automatischen Flötisten von 1737. Sein Maschinchen ist der Angelpunkt für sein Spiel um Fiktion und Technikgeschichte und Musik. Mit Klang- und Rhythmuseffekten arbeitet auch Erwin Rehling am 10. Januar im TamS. Sein Solo-Programm Sang Klang Gschicht ist geprägt von Geschichten aus den Siebzigerjahren bis heute, von Dialektsprache und Schlagzeug, Marimba, Steinspiel, Glocken und Schellenbaum.

Im Werkraum und in der Ludwigsvorstadt sind parallel zwei Arbeiten zu Gast, die zuerst ans Augsburger Brechtfestival denken lassen (das ja im Februar ohnehin bald wieder ansteht):  Julian Warner, der künstlerische Leiter der vergangenen drei Festivalausgaben, zeigt seine Solo-Performance Der Soldat am 14. und 15. Januar im Werkraum. Darin verbindet er die Ideen von Frantz Omar Fanon, der gegen Rassismus und Kolonialismus agierte, mit seinem eigenen Kämpfen als Künstler. Dorothea Schroeder zeigt derweil vom 15. bis 17. Januar in Kooperation mit dem Pathos Theater ihre Produktion Importbräute, die ihre Uraufführung beim Brechtfestival 2025 hatte. Der dokumentarische Abend erzählt von jenen Frauen, die aus ihren Heimatländern nach Deutschland kommen, um hier verheiratet zu werden.

Klassisch geht es in der Freien Szene auch: Das „Theater viel Lärm um nichts“ in der Pasinger Fabrik hat ab dem 17. Januar eine eigene Fassung von Shakespeares Der Sturm im Programm und das Hofspielhaus ab dem 20. Januar eine Bearbeitung von Antoine de Saint-Exupérys Der kleine Prinz. Spätestens jetzt möchte man doch schon ein bisschen durchschnaufen, oder?

Den französischen Roman „Love me tender“ bringt Regisseurin Felicitas Brucker in der schönen Besetzung mit Annette Paulmann, Jelena Kuljić und Katharina Bach (von links) an den Kammerspielen heraus.
Den französischen Roman „Love me tender“ bringt Regisseurin Felicitas Brucker in der schönen Besetzung mit Annette Paulmann, Jelena Kuljić und Katharina Bach (von links) an den Kammerspielen heraus. Armin Smailovic

Aber dann hätte man vier weitere Premieren verpasst, alle versprechen, spannend zu werden. So ist Regisseurin Felicitas Brucker erneut zu Gast an den Kammerspielen. Sie setzt drei starke Schauspielerinnen – Katharina Bach, Jelena Kuljić und Annette Paulmann – in Szene, indem sie den französischen Skandalroman Love me tender von Constance Debré am 16. Januar auf die Bühne bringt. Einen Tag später wird es die München-Premiere von Pinocchio an der Kammer geben. Die Arbeit von Wu Tsang hatte in Zürich Premiere, in München kommt sie nun mit neuer Besetzung heraus.

Regisseurin Lucia Bihler hat dem Volkstheater zuletzt ihre herrlichen Arbeiten „The Lobster“ und „Die Zofen“ geschenkt, nun wird sie dort den modernen Klassiker Pioniere in Ingolstadt von Marieluise Fleißer inszenieren, die Premiere ist am 22. Januar. Wer noch Kraft zum Theater-Hopping hat: Einen Tag später stellt Residenztheater-Schauspielerin Lisa Stiegler ihre zweite Arbeit im Marstall vor, bei der sie Regie führt. Nach „(Nicht)Mütter!“ ist es, diesmal mit Ein Sanfter Tod, ein Text von Simone de Beauvoir.

Und weil immer noch ein bissel was geht: Das Burgtheater Wien und Nicholas Ofczarek sind vom 23. bis 25. Januar zu Gast im Künstlerhaus mit Holzfällen von Thomas Bernhard. Ofczarek gibt den Erzähler, die Osttiroler Musicbanda Franui spielt dazu. In Wien muss die zweieinhalbstündige Aufführung von 2024 ein Selbstläufer sein. Die Münchner hatten bis zum Gastspiel schon etwas Zeit, um Anlauf zu nehmen und sich nun vollends ins Theaterjahr 2026 zu stürzen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Porträt des Schauspielers und Autors Delschad Numan Khorschid
:„Ich wusste: Wenn ich bleibe, sterbe ich“

Mit 17 floh Delschad Numan Khorschid vor Folter und Tod aus Irak nach Deutschland. Allein, fast zwei Jahre lang. Heute ist er Schauspieler am Residenztheater, Künstler und Autor.  Eine unglaubliche Geschichte vom Überleben und von Träumen, die Wirklichkeit werden.

SZ PlusVon Yvonne Poppek

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: