Was läuft im Theater im Oktober?Kabarett trifft Kammerspiele

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Kabarettist Maxi Schafroth gibt sein Regie-Debüt in den Kammerspielen. Der Titel seiner Inszenierung: „Wachse oder weiche“.
Kabarettist Maxi Schafroth gibt sein Regie-Debüt in den Kammerspielen. Der Titel seiner Inszenierung: „Wachse oder weiche“. Julian Baumann

Maxi Schafroth inszeniert „Wachse oder weiche“ an den Münchner Kammerspielen und Christian Stückl bringt im Volkstheater das amerikanische Familiendrama „Appropriate (Was sich gehört)“ auf die Bühne.

Von Yvonne Poppek

Es hat Tradition, dass Kabarettisten an die Münchner Kammerspiele kommen. Schon vor hundert Jahren wurden Karl Valentin und Liesl Karlstadt am Haus engagiert. Und wer die vergangenen Jahrzehnte im Schauspielhaus war, hat dort die ein oder andere Produktion von und mit Gerhard Polt sehen können. Stets war es eine Verbindung aus politischem Kabarett und Schauspiel, die zuverlässig zu einem Kassenknüller wurde. Die Abende stehen durchaus quer zum restlichen künstlerischen Programm, sind bei den einen trotzdem, bei den anderen gerade deswegen beliebt.

In diese Reihe wird sich nun der aus dem Allgäu stammende Kabarettist Maxi Schafroth stellen – und wohl oder übel wird er sich mit seinem Regiedebüt an seinen Vorgängern messen lassen müssen. Schafroth bringt dabei die entsprechende Popularität mit, als Fastenprediger hat er auf dem Nockherberg den Politikern seit 2019 die Leviten gelesen. 2025 empfanden einige seine Kritik zu hart, vier Monate nach seiner Festrede gab die Paulaner-Brauerei bekannt, dass Schafroth als Fastenprediger durch Stephan Zinner ersetzt wird. All das ist noch frisch im Gedächtnis, auch seine ernste, für Toleranz werbende Rede von 2023, für die er gefeiert wurde.

Nun also Kammerspiele: Wachse oder weiche ist der Titel seiner Inszenierung, die am Freitag, 24. Oktober, Uraufführung haben wird. Schafroth, der vom Bauernhof stammt, nimmt sich die Landwirtschaft zum Thema und entdeckt Parallelen zur Stadt, eben jenes Prinzip des Wachsens oder Weichens. Daraus formt er einen „Musiktheaterabend zwischen rauem Allgäuer Blues und traditionellem Dreigesang aus dem altbayerischen Outback“, wie es in der Ankündigung heißt.

Ebenfalls an den Kammerspielen, in der Therese-Giehse-Halle, kommt knapp eine Woche später am Donnerstag, 30. Oktober, eine weitere Uraufführung heraus: Zeit ohne Gefühle von Lena Gorelik. Die Münchner Autorin sucht mit ihrem Stück „in der Gegenwart nach den Strängen der Vergangenheit“. Ausgangspunkt ist der Ort Feldafing, in dem zur Nazizeit eine Ausbildungsstätte für die NS-Elite war und nach Kriegsende ein Auffanglager für Juden und Jüdinnen, die das KZ überlebt hatten. Gegenwärtig befindet sich dort eine Kaserne. Regie führt bei „Zeit ohne Gefühle“ Dokumentartheater-Spezialistin Christine Umpfenbach.

Christian Stückl inszeniert ein zeitgenössisches Stück

Das Münchner Volkstheater widmet sich in seiner dritten Saison-Premiere einem zeitgenössischen Stück aus den Vereinigten Staaten. Intendant Christian Stückl inszeniert Appropriate (Was sich gehört) von Branden Jacobs-Jenkins. Gegenwärtig finde er auf die Fragen der Zeit in den Theaterklassikern keine Antwort, hatte Stückl auf der Saison-Pressekonferenz erklärt. Stattdessen wurden er und sein Team verstärkt in der Gegenwartsliteratur fündig.

Jacobs-Jenkins, der dieses Jahr in der Kategorie Theater den Pulitzerpreis erhielt, lässt sein Familiendrama im Jahr 2011 in Arkansas spielen. Drei Geschwister kommen nach dem Tod des Vaters zusammen, um dessen Haus zu verkaufen. Bevor sie jedoch dieses Erbe loswerden, entdecken sie in der Hinterlassenschaft Fotos von rassistisch motivierten Lynchmorden und sind gezwungen, sich mit diesem Fund auseinanderzusetzen. Premiere von „Appropriate“ ist am Freitag, 31. Oktober.

Wer auf der Suche nach einer Premiere außerhalb Münchens ist: Am Stadttheater Ingolstadt, das unter der Intendanz von Oliver Brunner eine erste erfolgreiche Spielzeit hinter sich hat, kommt am Freitag, 24. Oktober, Madame Bovary nach dem Roman von Gustave Flaubert heraus. Mirja Biel, die auch Regie führt, hat die Textfassung erstellt. In ihrer Inszenierung will sie sich auf die „inneren Spannungen einer Frau zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit“ fokussieren.

„Madame Bovary“ wird im Großen Haus gezeigt, dem seit Jahren sanierungsbedürftigen Hämer-Bau, dessen Zukunft alles andere als gewiss ist. Genauso wie auch die künftige finanzielle Ausstattung des Theaters, Ingolstadt geht derzeit von einem Defizit im kommenden Jahr von 60 bis 80 Millionen Euro aus. Wo und wie viele Inszenierungen in der kommenden Spielzeit möglich sein werden, scheint völlig offen zu sein.

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