Das Auge isst mit, heißt es oft. Bevor man bei „The Radio Wunder“ aber überhaupt zum Essen kommt, sind die Augen erst mal anderweitig beschäftigt. Für einen Moment fühlt es sich an, als sei man in einen schwarz-weißen Pop-Art-Comic versetzt worden.
Alles ist weiß gestrichen, jede Kontur schwarz nachgezogen. Die Stühle, Tische, die Deko sehen aus, als wären sie zweidimensionale Zeichnungen auf weißem Papier. Nur die Menschen stören die Illusion – und natürlich das Essen: die Teller mit Sandwiches und Kuchen etwa oder Milchshakes mit Sahnehaube. Ein Stockwerk tiefer wartet eine Überraschung auf die Gäste: ein knallbunt-glitzernder Raum mit allerlei Postern und Krimskrams an den Wänden.

Es ist ein wundersamer Ort, da macht „The Radio Wunder“ seinem Namen wirklich alle Ehre. Von 9 bis 20 Uhr kann hier gegessen und gestaunt werden. Die Idee hinter dem Laden kommt von zwei kreativen Köpfen, Ylie Schweiger und Beatriz Welzel. Ihr Konzept: unkonventionelle Orte für immersive Erfahrungen schaffen.
The Radio Wunder ist nicht ihr erstes Projekt. 2019 eröffnete Schweiger in Augsburg sein erstes Restaurant, das gleichzeitig experimenteller Spielplatz für seine Ideen war. „The Radio Wunder“ ist nun der zweite Akt ihres dreiteiligen Projekts „Wunder Munich“. Der erste Teil ist das 2025 eröffnete „Wunder House“, ein Wohnhaus transformiert zu einer Art Taylor-Swift-Experience voller Memorabilien. Und der dritte Akt? Bleibt noch geheim.
Im „Radio Wunder“ sollen „Menschen Gastronomie auf eine neue Art erfahren“, sagt Schweiger. Auf der Speisekarte stehen dementsprechend Gerichte, die es selten in Cafés gibt, zum Beispiel Loaded Smashed Potatoes getoppt mit Bolognese-Sauce (10,90 Euro) oder gegrillte Sandwiches mit Pulled Chicken und Béchamel-Soße (11,50 Euro). Die Speisen sind deftig und sättigen. Dazwischen gibt es aber auch Joghurt-Bowls mit Früchten (6,80 Euro) und verschiedene Kuchen.


Die Qual der Wahl hat man besonders bei den Getränken. Allein der Iced Latte lässt sich in 23 Geschmacksrichtungen bestellen, darunter „Tiramisu“, „Marshmallow“ sowie „Drachenfrucht und Spirulina“ (5,90 bis 8 Euro). Überhaupt, der Übergang von Getränk zu Dessert verläuft hier fließend, etwa mit dem „Wunder Freakshake“: drei Eissorten, Nutella, Schokolinsen, Schokosauce, Karamell und Sahne (12 Euro).
Eher ungewöhnlich für ein Café dieser Art ist wohl der Kaffeehersteller. Im „Radio Wunder“ gibt es Nespresso, sprich Kapsel-Kaffee. Das habe einerseits Platzgründe, sagt Schweiger. Eine große Siebträgermaschine im Eingangsbereich würde die 2D-Illusion zerstören, in der Küche sei nicht genug Platz. Er sagt aber auch: „Ich möchte, dass es ein Coffeeshop ist, in den man nicht wegen des Kaffees geht, obwohl Nespresso sehr guter Kaffee ist.“
Hier ist also alles unkonventionell – das betrifft sogar die Zukunft: In der handgefertigten 2D-Aufmachung steckt viel Arbeit, trotzdem soll sie in nur wenigen Monaten wieder verschwinden. Im Juli schließt das Café – bis es im Herbst in einem neuen außergewöhnlichen Look mit anderer Speisekarte wieder öffnen soll. Warum der Aufwand? Veränderung würden sie in ihren Projekten immer einplanen, sagt Beatriz Welzel. Im „Radio Wunder“ wollen sie das Design immer wieder ändern, „als würde man den Radiosender wechseln“.
The Radio Wunder, Lindwurmstraße 189, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 20 Uhr

