Milbertshofen-Am Hart:Ruine aus Containern

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Milbertshofen-Am Hart: Seit 2016 stehen die Container an der Thalhoferstraße, 2017 sollten sie abgebaut werden - passiert ist nichts.

Seit 2016 stehen die Container an der Thalhoferstraße, 2017 sollten sie abgebaut werden - passiert ist nichts.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Eine große Flüchtlingsunterkunft im Münchner Norden ist nie bezogen worden. Auch nach sechs Jahren kann sie nicht abgebaut werden, weil sich Stadt und Aufsteller vor Gericht streiten.

Von Lea Kramer

Münchens jüngere Bewohnerinnen und Bewohner kennen sich in der Regel mit Provisorien aus. Ob in Krippe, Kindergarten, Grundschule oder der Nachmittagsbetreuung: Wenn in München kein Platz da ist, behilft sich die Stadt mit Containerbauten. Diese Räume auf Zeit können flexibel dort aufgestellt werden, wo sie gebraucht und später unkompliziert versetzt werden. So handhabt es die Stadt beispielsweise bei den Schulen.

Dieses Konzept sollte in Milbertshofen-Am Hart auch bei der Unterbringung von Flüchtlingen angewendet werden. Mittlerweile gehört das als Interimslösung vorgesehene Containerbauwerk am Bernayspark zum Stadtviertelbild. Dabei ist die Unterkunft nie bezogen worden, wird auch heute nicht gebraucht - und verfällt zusehends.

Im Zuge der Flüchtlingsbewegungen von 2015 war auch am Bernayspark an der Thalhoferstraße im Münchner Norden eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete geplant worden. Bereits vor dem geplanten Einzugstermin 2016 verhängte die Stadt allerdings einen Baustopp. Die dreigeschossige Wohncontaineranlage wies erhebliche Mängel auf , was Statik sowie Brand- und Schallschutz anlangt.

Die Anlage verwittert

Der beauftragte Generalunternehmer hätte die Defekte eigentlich beheben sollen. Er tat es nicht. Letztlich brauchte die Stadt die Unterkunft mangels Asylsuchender nicht mehr. Sie beschloss, den Standort komplett aufzugeben. 2017 hat der Stadtrat beschlossen, dass die Container abgebaut und das Grundstück, das zu einer Grünanlage gehört, der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden soll.

Dass das auch sechseinhalb Jahre nach dem Baustopp nicht passiert ist, bewegt Nachbarschaft, Lokalpolitik und inzwischen auch die Justiz. Vor dem Landgericht München I ist ein Verfahren anhängig. Die Containeranlage dient darin als Beweismittel und darf deshalb nicht abgebaut werden. Bereits vor einem Jahr hatte es geheißen, dass gerichtlich beauftragte Sachverständige die Container noch begutachten müssten. Diese erstellen nach Auskunft des Baureferats nun ein Gutachten.

"Die Stadt München hat leider keinen Einfluss auf die weitere Dauer dieses gerichtlichen Verfahrens", heißt es aus der Pressestelle des Referats. Parallel zu dem Verfahren befinde sich die Stadt weiterhin in Verhandlungen mit der Firma, die die Container errichtet hat, um sich eventuell außergerichtlich zu einigen. Wenigstens der Spielplatz auf dem Gelände ist seit einem Jahr wieder öffentlich zugänglich. Der Anblick der Container dagegen wird auf jeden Fall vom Provisorium immer mehr zum Definitivum.

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