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Maxvorstadt:Kontaktlos einkaufen

Eröffnung Digitaler Supermarkt, Elisenhof, Luitpoldstraße 3, des Lebensmittelhändlers tegut

Um die digitalen Preisschilder einzurichten, muss jeder Produktcode einzeln gescannt werden. Nach dem "Verheiraten" mit dem Etikett aktualisiert der Preis sich fortan automatisch.

(Foto: Florian Peljak)

Im Elisenhof hat das Unternehmen Tegut einen digitalen Lebensmittelmarkt eröffnet. Bis zur vollständigen Automatisierung wird es aber noch etwas dauern

Von Ilya Portnoy, Maxvorstadt

Der erste "komplett digitale Lebensmittelmarkt" Münchens soll bis zum kommenden Frühjahr im Elisenhof entstehen - so kündigt es jedenfalls das Unternehmen Tegut an. Die Eröffnung der Filiale fand bereits am Donnerstag statt. Die Lebensmittelkette Tegut setzt auf Bioprodukte und möchte in München neue Wege gehen. Neben elektronischen Preisschildern, die bereits installiert sind, wird auch eine Bezahlung per App möglich sein. Doch auch weniger technikaffine Kunden kommen nicht zu kurz, insgesamt sind drei verschiedene Bezahlsysteme geplant.

Mit zwei "Teo"-Märkten hat Tegut erst kürzlich ein vollständig digitales Konzept vorgestellt. In Fulda hat man zwei Kleinstläden eingerichtet, die ohne Mitarbeiter auskommen, dafür aber mit Kameras und 3D-Sensoren zur Erfassung von Bewegungsabläufen ausgestattet sind. Die Kunden sind in den "Teo"-Läden also nur sich selbst überlassen. Eine derartige Art der Überwachung wird es im Elisenhof jedoch nicht geben. Etwa 40 Mitarbeiter sind im rund 2000 Quadratmeter großen Supermarkt beschäftigt.

Wie der Geschäftsleiter Supermärkte, Bernd Lohmann, betont, wolle man auch in Zukunft keine Einsparmaßnahmen beim Personal treffen. Filialgeschäftsführer Peter Meindl spricht von einem "erklärungsbedürftigen Sortiment". Die Mitarbeiter brauche man auch nach der Umstellung weiterhin für die Kundenberatung. Oder auch zur Kontrolle an den geplanten Selbstbedienungskassen, wenn etwa Jugendliche alkoholische Getränke kaufen wollten.

Auf drei Wegen sollen Kunden im Tegut-Supermarkt künftig bezahlen können: zum einen ganz klassisch, an der Kasse. Daneben wird die Option bestehen, den Kaufpreis an den sogenannten "Self-Checkouts" oder mit einer speziellen App zu entrichten. Nimmt man das Smartphone zur Hand, könne man jeweils den Barcode des gewünschten Artikels scannen und einem virtuellen Warenkorb hinzufügen. Zum Schluss könne man mit einem Klick die gesamten Einkäufe bezahlen, ähnlich dem Online-Shopping. Tegut passe sich so insbesondere der jüngeren Kundschaft an, die mit dem Smartphone aufgewachsen sei, so Lohmann. Bei dem selbständigen Scan-Vorgang vertraue man auf ihre Ehrlichkeit.

Vor allem unter den aktuellen Corona-Bedingungen sei eine kontaktlose Bezahlung praktisch. Zudem spare der Kunde Zeit an der Kasse und könne in der Nähe des Hauptbahnhofs spontan eine Handvoll Produkte besorgen, wenn es schnell gehen müsse. Eine Versorgung rund um die Uhr sei im Elisenhof schon aufgrund der Grenzen des Ladenschlussgesetzes zwar nicht angedacht, bei den zukünftigen Konzepten denke man aber "in alle Richtungen", so Lohmann.

Eine sogenannte Unverpacktstation bietet schon heute 140 Artikel, darunter etwa Reis oder Nüsse, die in beliebiger Menge in eine Tüte oder ein selbst mitgebrachtes Gefäß abgefüllt werden können. Nach dem Befüllen und der Angabe der Produktnummer am Display der Station wird gewogen. Der Einkäufer erhält ein Etikett, um es bei der Abrechnung an der Kasse vorzuzeigen oder mit dem Handy zu scannen.

Bis die digitalen Bezahlsysteme eingerichtet sind, müssen die Technik-Fans sich noch gedulden. Man erledige "alles in Etappen", wie der Leiter der Unternehmenskommunikation, Matthias Pusch, versichert. Um die elektronischen Preisschilder zu installieren, habe man zum Beispiel jeden Artikel-Code einzeln scannen und mit dem jeweiligen Etikett digital "verheiraten" müssen. Sei dieser Schritt einmal getan, so aktualisierten sich die Preise künftig automatisch.

© SZ vom 04.12.2020
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