Kosmetik-Angebote für Jugendliche:Früher ist alles besser

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Schönheitssalon für Mädchen

Maniküre für Mädchen? Es gibt kaum ein Angebot, das es nicht gibt.

(Foto: dpa)

Maniküre und Lack für 25 Euro - ein Schnäppchen in Münchner Nagelstudios. Einen Haken hat die Sache allerdings: Die Kundin darf nicht älter als 16 sein. Teenie-Specials im Kosmetik-Studio - braucht's des?

Glosse von Philipp Crone

Früher war alles besser? Der Satz ist mittlerweile vielfach widerlegt worden, nicht nur bei den in München so wichtigen Themen wie Höchsttemperaturen, Bierpreisen oder S-Bahn-Pannen. Heute könnte man eher sagen: Früher ist alles besser. Auf diesen Gedanken muss der Flaneur kommen, wenn er in diesen Tagen die Klenzestraße gen Gärtnerplatz entlangspaziert, vorbei an der Grundschule zum angrenzenden Kosmetik-Studio Huber, wo "Teenie-Specials" (bis 16) angeboten werden. Maniküre mit Lack gibt es zum Beispiel für jugendfreie 25 Euro.

Man muss in dem Fall natürlich fairerweise die Frage nach der Henne und dem Ei stellen, respektive dem Küken. Das Angebot besteht sehr wahrscheinlich, weil die Nachfrage da ist. Vieles bis alles verschiebt sich bei den jungen Menschinnen und Menschen ja derzeit immer noch weiter nach vorne.

Sportvereine und ihre Trainer passen längst ihre Ausbildungskonzepte an, weil die Kinder in dem Alter, in dem sie früher motorisch besonders viel gelernt haben, jetzt schon wieder lustlos und beinahe im Stimmbruch sind. Bei Olympischen Spielen werden die Athletinnen und Athleten immer jünger (Ausnahme: Funktionäre und Reiter), bei der lokalen Variante, dem Oktoberfest, werden die Versuche, mit gefälschten oder geliehenen Ausweisen in die Bierzelte zu kommen, immer professioneller. Auch dafür lohnt sich dann natürlich der Besuch im Kosmetikstudio. Aber die ganze Entwicklung ist ja kein Wunder. Wenn der Münchner mit allerspätestens 21 seinen Master hat, muss er die ganze Jugendleier eben früher durchlaufen. Bierpong hat unter anderem deshalb keine Altersbeschränkung mehr.

Münchner Grundschulen sind gezwungen, sich neue Kooperationspartner zu suchen. Statt Pfadfindern und DLRG stehen längst gemeinnützige Vereine wie L'Oreal oder Schwarzkopf Schlange für Erstklässler-Tutorials. Das Einschmier-Gap zwischen Baby- und Akne-Creme soll ja zügig geschlossen werden. Pickel-Behandlungen hat Salon Huber am Gärtnerplatz selbstverständlich auch im Angebot (35 Euro). Denn spätestens zur Doktorfeier erwartet man in München glatte Haut.

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