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Landgericht München I:Prozess: Mann nimmt Frau an Uni als Geisel

Technische Universität München, 2015

Auf einer Toilette der TU München soll eine Frau schwer verletzt worden sein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Weil er ihre Trennung nicht verkraftete, soll ein Mann seine damalige Frau im vergangenen Sommer bedroht und schwer verletzt haben.
  • Auf einer Toilette der TU München schlug der Angeklagte der Frau laut Staatsanwaltschaft mit der Faust gegen den Kopf und verletzte sie mit einem Messer.
  • Zum Prozessauftakt am Montag schilderte die Frau das Geschehen vor dem Landgericht München I.

Wegen ihrer Trennung soll ein Mann seine damalige Frau im Sommer 2019 an der Technischen Universität München in seine Gewalt gebracht und schwer verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 35-jährigen Iraner Geiselnahme sowie gefährliche und vorsätzliche Körperverletzung vor. Zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht München I schilderte die Frau das stundenlange Geschehen.

Demnach lauerte ihr damaliger Mann ihr an einem Gebäude der Technischen Universität München auf, wo die Frau studierte. Die Frau sagte vor Gericht aus, dass er sie am Handgelenk gepackt und gedroht habe, sie mit Säure zu übergießen, wenn sie nicht mitkomme. Tatsächlich hatte der Mann laut Anklage nur Cola bei sich. Anschließend redete der Angeklagte über Stunden an verschiedenen Orten auf dem Universitätsgelände auf die Frau ein, wie sie berichtete. Er habe versucht, sie dazu zu bringen, ihre Scheidungspläne aufzugeben und zu ihm zurückzukehren. Gleichzeitig habe er ihr gedroht, sie zu verletzen. Er habe in diesen Stunden zudem bei mehreren Familienmitgliedern der Frau angerufen und gedroht, die Frau umzubringen.

Als die Frau unter einem Vorwand auf die Toilette ging, sei die Situation eskaliert. In einer Toiletten-Kabine schlug der Mann laut Staatsanwaltschaft der Frau mit der Faust gegen den Kopf und verletzte sie mit einem Messer im Gesicht. Schließlich habe eine weitere Person eingegriffen und die Frau konnte fliehen. So schilderte es auch die Frau in ihrer Zeugenaussage vor Gericht.

Die heute 24-jährige Iranerin war zum Tatzeitpunkt in der 16. Woche von einem anderen Mann schwanger. Von der Attacke trägt die Frau noch heute sichtbare Narben im Gesicht. Auf die Frage des vorsitzenden Richters, wie heute ihr psychischer Zustand sei, begann die Frau zu weinen. Mittlerweile ist sie von dem Angeklagten geschieden, ihr Kind sei ohne Komplikationen zur Welt gekommen.

Der Angeklagte äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Er sagte vor Gericht, in den Jahren vor der Tat mehrfach aufgrund von psychischen Problemen in klinischer Behandlung gewesen zu sein. Seine Ex-Frau sagte dagegen, ihr Mann habe die psychischen Probleme erfunden, um seine Chancen im Asylverfahren zu verbessern. Ein Asylantrag des Angeklagten war 2018 abgelehnt worden. Das Paar war während der Flitterwochen aus dem Iran über Polen nach München eingereist, wo beide Asyl beantragten. Bei einer Verurteilung droht dem Angeklagten laut seinem Verteidiger die Abschiebung. Bis zum 27. Mai sind fünf weitere Verhandlungstermine angesetzt. Offen ist unter anderem noch, ob für die Frau Lebensgefahr bestand.

© sz.de/dpa/kafe

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