München:Bis zu 300 Tauben werden pro Jahr abgeschossen

Tauben am HBF

Vor allem an Kitas und Schulen können die Tauben die gesundheit der Kinder bedrohen.

(Foto: Catherina Hess)

Zwar sind auch die Stadttauben gesetzlich geschützt, doch in Ausnahmefällen erteilt das KVR eine Abschussgenehmigung - vor allem, wenn Gefahr für die Gesundheit besteht.

Von Birgit Lotze

Zwischen 150 und 300 Tauben werden jährlich durch Abschüsse in München getötet. Das geht aus einer Antwort des Referates für Klima- und Umweltschutz auf eine Anfrage des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hervor. Stadttauben seien wie alle Tiere durch das Tierschutzgesetz geschützt, doch es gebe Ausnahmen, bei denen das Kreisverwaltungsreferat für den Abschuss eine Genehmigung erteile.

Tauben können als Schädlinge eingestuft werden - erst diese Einstufung begründet eine gezielte Bekämpfung -, wenn eine von fünf Voraussetzungen gegeben ist: wenn sich mehr als zehn Tiere auf 100 Quadratmetern aufhalten, wenn eine konkrete Gesundheitsgefahr besteht, wenn die Arbeitssicherheit gefährdet ist, ein hoher wirtschaftlicher Schaden entsteht oder wenn es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt.

Für insgesamt 21 gewerbliche Standorte in der Stadt hat das Kreisverwaltungsreferat in den Jahren 2015 bis 2021 Genehmigungen zur Taubenbekämpfung durch Abschuss erteilt, in sechs Jahren wurden so 1236 Tiere getötet. Im Hauptbahnhof, der in den vergangenen Jahrzehnten ein Taubenhaus auf dem Dach hatte, wurde demnach keine Taube abgeschossen. Für die Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt wurde von 2015 bis 2020 laut dem Referat für Klima- und Umweltschutz gar keine Abschussgenehmigung ausgestellt.

Meist wurde als Begründung für die Schädlingseigenschaft die "Wahrung der Lebensmittelsicherheit" angegeben. Das gilt beispielsweise bei Lebensmittelherstellern, bei denen sich Tauben einnisten und die Gefahr besteht, dass Kot und Federn in die Lebensmittel gelangen. Dass Gesundheitsgefahr für den Menschen besteht, davon gehen die Behörden auch aus, wenn Tauben "massenweise" im Bereich von Altersheimen, Schulen oder Kindertagesstätten nisten. Alte und junge Menschen zählen zu Risikogruppen, da ihr Immunsystem geschwächt oder noch nicht voll ausgeprägt ist.

Laut der Statistik war in einigen Betrieben, in denen Tiere zum Abschuss freigegeben wurden, die Sicherheit von Fahrgästen oder von Arbeitern gefährdet, da Tauben dort Stromüberschläge oder den Ausfall von Bremsanlagen hätten verursachen können. Auffällig viele Denkmalprobleme gab es nicht mit Tauben, zumindest sind diese in der Statistik des Referats nicht vorne aufgeführt. Und nur in wenigen Fällen sei ein unverhältnismäßig hoher Schaden durch Tauben nachgewiesen worden.

© SZ vom 19.07.2021/vewo
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