Münchens junge Kreative:Tattoos sind nichts rein Europäisches

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(Foto: Robert Haas)

Wo arbeiten Münchens junge kreative Köpfe? Wir haben sie an ihren Arbeitsplätzen besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Heute: Hudda Salama.

Von Meryem Sener

"Den Körper als Leinwand zu benutzen ist das Schönste - seine natürlichen Formen zu betonen und zu schmücken", sagt Hudda Salama, 30. Hudda hat palästinensische Wurzeln und illustriert Botanik und Symbole aus dem Nahen Osten, die sie dann momentan im Tattoostudio von "Society of All Artists" im Gärtnerplatzviertel unter die Haut bringt.

(Foto: Robert Haas)

"Frauen sind für mich eine der größten Inspirationsquellen. Ich komme aus einer Kultur, in der Frauen immer die Leidtragenden sind, aber auch die Starken", sagt Hudda. "Wir sind sanfter zueinander, weil die Gesellschaft so hart zu uns ist." Ihre Mutter, die wichtigste Frau in ihrem Leben, brachte sie auch zur Kunst. Sie malte auf Leinwand, Hudda bevorzugt Bleistift und Fineliner.

(Foto: Robert Haas)

Für eine Ausstellung illustrierte Hudda zum ersten Mal die Gesichter von Frauen - jedoch erst mal noch nicht mit dem Ziel, sie zu tätowieren: "Es ist super schwer, ihnen Leben einzuhauchen." Die Frauen sind im Oldschool-Tattoo-Stil gezeichnet, aber etwa mit Kaktusfeigen eingerahmt - ein Symbol, das Hudda etwas bedeutet, um dem Design einen Twist zu geben.

(Foto: Robert Haas)

Hudda bedient eine Nische - und das gerne. "Ich möchte ein Safe Space sein, an dem sich alle, vor allem People of Color und queere Menschen, wohlfühlen." Sie selbst erlebte in ihrer Ausbildung, aber auch, während sie selbst tätowiert wurde, rassistisches und sexistisches Verhalten. "Die Szene ist nicht umsonst so weiß und männlich. Offensichtlich fühlen wir uns nicht wohl, sonst würden wir uns viel mehr reindrängen."

(Foto: Robert Haas)

Auf Instagram nennt sich Hudda "adasiya" - das ist arabisch und bezeichnet nomadische Frauen, die damals von Dorf zu Dorf zogen, um die Menschen zu tätowieren. "Ich bin damit aufgewachsen, dass die Freundinnen meiner Großmutter Gesichtstattoos hatten. Ich möchte wieder an diese alte Form des arabischen Tätowierens erinnern und Bewusstsein dafür schaffen, dass Tattoos nichts rein Europäisches sind."

(Foto: Robert Haas)

"Ich glaube, alle Kinder der Diaspora haben ein starkes Bedürfnis danach, sich ihre eigene Identität aufzubauen", meint Hudda. "Wir können eine bessere Verbindung zu einem Granatapfel aufbauen als zu einem klassischen Tattoomotiv wie einem Totenkopf." In Huddas Skizzen und Flash Sheets findet man deshalb stattdessen Feigen und Bananenblüten, traditionelle Kreuzstichmuster und Fabelwesen.

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