Buch über Udo Wachtveitl und Miroslav NemecDer lange Abschied der Münchner „Tatort“-Kommissare

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Ihr 98. Fall führt die Kriminalhauptkommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Batic (Miroslav Nemec) ins Residenztheater.
Ihr 98. Fall führt die Kriminalhauptkommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Batic (Miroslav Nemec) ins Residenztheater. (Foto: Walter Wehner/BR)

Zur nahenden TV-Rente der Münchner „Tatort“-Kommissare hat die Journalistin Stefanie Thyssen ein Buch geschrieben. Doch hat sie mehr als Batic- und Leitmayr-Schwärmereien zu bieten?

Von Josef Grübl

Das Ende naht, doch der Abschied ist lang. Vor knapp zwei Jahren verkündete der Bayerische Rundfunk die TV-Rente von Batic und Leitmayr, doch noch sind die Münchner „Tatort“-Kommissare im Einsatz. 100 Fälle sollen es am Ende für sie gewesen sein, den 98. Film mit dem schönen Titel „Das Verlangen“ zeigt die ARD am zweiten Weihnachtsfeiertag, darin ermitteln die beiden am Residenztheater. Auch die finalen Einsätze der beiden sind schon abgedreht, die Folgen werden im Laufe des Jahres 2026 ausgestrahlt.

Doch nicht nur den Machern scheint der Abschied schwer zu fallen: Auch das Publikum hält den Münchner „Tatort“-Ermittlern seit 35 Dienstjahren die TV-Treue. Die Einschalt- und Abruf-Quoten sind nach wie vor gut, der Wiedererkennungswert riesig. Wenn Miroslav Nemec (Batic) oder Udo Wachtveitl (Leitmayr) auftauchen, werden sie nicht überall als Schauspieler, aber fast immer als Fernsehkommissare angesehen.

Auf diesen Bekanntheitsgrad sowie den sich abzeichnenden Trennungsschmerz setzt auch die Münchner Autorin Stefanie Thyssen: Ihr Buch „Nemec & Wachtveitl – Das Münchner Kult-Duo“ ist ein Produkt von einem Fan für Fans. Auf 192 Seiten gibt es viele warme Worte und noch mehr Fotos, hinzu kommen Hintergrundgeschichten, Interviews, Statistiken, Best-of-Listen sowie eine Art Abschiedsbrief von Regisseur Dominik Graf.

Graf war es auch, der den wohl besten oder zumindest erinnerungswürdigsten Fall der Münchner „Tatort“-Kommissare inszenierte: Im November 1995 wurde „Frau Bu lacht“ ausgestrahlt, die von Günter Schütter verfasste Story über deutsch-thailändischen Heiratshandel und Kindesmissbrauch gilt als Meilenstein der „Tatort“-Geschichte und als einer der herausragenden Filme der seit mehr als einem halben Jahrhundert laufenden Krimi-Institution.

Nebenbei katapultierte dieser Film die vier Jahre zuvor angetretenen Kommissare aus München endgültig in den Fernseholymp. Entsprechend oft wird „Frau Bu lacht“ in Thyssens Buch auch gewürdigt, Nemec und Wachtveitl haben aber noch elf weitere Favoriten ausgesucht. Filme also, die sie als besonders gelungen erachten, Filme wie „Norbert“ (1999), „Im freien Fall“ (2001), „Der oide Depp“ (2008), „Nie wieder frei sein“ (2010) oder „Unklare Lage“ (2020).

„Das größte Ermittler-Duo seit ‚Miami Vice‘“: Ministerpräsident Markus Söder überraschte Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl (von links) im Juni 2025 in München mit dem Ehrenpreis des Blauen Panthers.
„Das größte Ermittler-Duo seit ‚Miami Vice‘“: Ministerpräsident Markus Söder überraschte Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl (von links) im Juni 2025 in München mit dem Ehrenpreis des Blauen Panthers. (Foto: Jörg Koch/Bayerische Staatskanzlei/dpa)

„Du musst ein Buch über die beiden schreiben.“ Dieser Satz von ihrem Chef sei der Auslöser gewesen, schreibt die Journalistin Stefanie Thyssen in ihrem Buch. Kritische Stimmen findet man darin kaum, höchstens in Bezug auf frühere Münchner „Tatort“-Kommissare wie Gustl Bayrhammer oder Helmut Fischer, denen die Autorin ein „eher bayerisch-biederes Ermittlertum“ attestiert.

Die im Laufe der Jahrzehnte in Ehren ergrauten Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl hätten dagegen von Anfang an „frecher und unkonventioneller“ agiert als ihre Kollegen. Was wohl mehr über die Zeit erzählt, in der sie angetreten sind, als über sie selbst. Freches oder unkonventionelles Verhalten ist längst kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Zum Glück hatten die beiden mehr zu bieten, sonst hätte man sie viel früher in die TV-Rente geschickt.

Noch mehr Lob gab es erst kürzlich vom Bayerischen Ministerpräsidenten, der die Kommissar-Darsteller im Oktober bei der Verleihung der Blauen Panther ehrte: „Sie sind das größte Ermittler-Duo seit ‚Miami Vice‘“, behauptete Markus Söder in seiner Rede. So richtig vergleichen lassen sich die Lifestyle-Cops aus Florida nicht mit den bodenständigen Kollegen aus Bayern, das Wortspiel „Miami Weiß-Blau“ wollte sich Söder wohl aber nicht entgehen lassen.

Doch dann gibt es auch noch die „Querschläger“, wie sie im Buch genannt werden: Die Filme also, die keine Volltreffer waren. „Wer zweimal stirbt“ (1991) oder „Gesang der toten Dinge“ (2009) etwa gelten als misslungen, auch Nemec und Wachtveitl sind unzufrieden damit. Ihre „Tatort“-Bilanz trüben sie nicht: Wahre Größe zeigt sich oft erst, wenn nicht alles großartig ist.

Stefanie Thyssen, „Nemec & Wachtveitl – Das Münchner Kult-Duo“, Gmeiner Verlag, 192 Seiten

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