Ballett und zeitgenössischer TanzMünchens Tanzbühnen im Premierenfieber

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Tanz mit den Knochen der Ahnen: Der britische Choreograf Akram Khan hat erstmals mit Gauthier Dance zusammengearbeitet, seine Kreation „Turning of Bones“ wird bald in der Münchner Muffathalle zu sehen sein.
Tanz mit den Knochen der Ahnen: Der britische Choreograf Akram Khan hat erstmals mit Gauthier Dance zusammengearbeitet, seine Kreation „Turning of Bones“ wird bald in der Münchner Muffathalle zu sehen sein.
Jeanette Bak, Artwork by Rainhardt Albrecht Herz

Die ersten Premieren der Saison am Bayerischen Staatsballett und am Gärtnerplatz stehen an, auch Ceren Oran und Anna Konjetzky stellen neue Stücke vor. Und das Muffatwerk freut sich auf Akram Khan.

Von Jutta Czeguhn

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Freude in der Münchner Tanzszene: Bei der Verleihung des Deutschen Theaterpreises 2025 ging der „Faust“ in der Kategorie „Regie Theater für junges Publikum“ an Choreografin Ceren Oran für ihr Stück „Gute Wut“.  Wie schön also, dass es bald wieder in der Münchner Schauburg zu sehen ist.

Die Jurybegründung fasst trefflich zusammen, weshalb man sich samt Kindern am 17., 19., 21. oder 26. Dezember unbedingt in die Schauburg begeben sollte: „Sie nimmt das junge Publikum ernst und setzt sich dem notwendigen Wagnis aus, Wut zuzulassen und deren Grenzen auszuloten. Das Stück verurteilt oder sanktioniert dieses Gefühl nicht, thematisiert aber dessen Grenzen ebenso wie dessen positive Sprengkraft für persönliche und gesellschaftliche Veränderungen. Hier wird gezeigt, was Theaterkunst für junges Publikum zu bewirken vermag. Im besten Sinne eine Übung in demokratischem Aushandeln, die jedem Menschen, egal welches Alters, Freude macht und Anstoß gibt.“

So geht „Gute Wut“:  (von unten nach oben) Janosch Fries, Lucia Schierenbeck, David Campling und Annelie Straub in Ceren Orans Stück.
So geht „Gute Wut“:  (von unten nach oben) Janosch Fries, Lucia Schierenbeck, David Campling und Annelie Straub in Ceren Orans Stück.
Fabian Frinzel

Ceren Oran und das Kollektiv Moving Borders sind in diesen Monaten auf großer Tour, Stationen sind unter anderem Faro in Portugal, Barcelona, Istanbul oder die Elbphilharmonie in Hamburg. Am 21.,  22. und  23. November allerdings stellen sie ihre neue Produktion Listen! im Schwere Reiter in München vor: ein Tanzkonzert mit neun Stücken zur Live-Musik von Bartolomey Bittmann. 

Und noch eine Premiere einer Choreografin, die in Münchens freier Tanzszene seit Jahren immer wieder neue Impulse setzt: Anna Konjetzky. Zum Jubiläum 20-jährigen „Dienstes“ lädt sie nun das Publikum in ihr künstlerisches Universum ein; mit der Uraufführung ihrer Tanzinstallation „Kaleidoskopiert“.

Alle, die demnächst mal etwas Rundes zu feiern haben, sollten sich von Anna Konjetzky inspizieren lassen. Wenn sie durchs Guckloch ihres Lebens blickt, dann kommt gewiss nichts Chronologisches dabei raus. „Wie in einem Kaleidoskop formieren sich Elemente, Fragmente, Klänge aus ihren vergangenen Stücken zu einem neuen Werk. Es wird remixt, isoliert, kopiert, vervielfacht, neu zusammengesetzt, kommentiert und kontextualisiert. So entsteht eine Tanzinstallation, ein lebendes Archiv aus Körpern.“

Die Programmankündigung verspricht also Konjetzky-Kennern wie „Einsteigern“ wunderschöne, einzigartige Spiegeleien am 28. und 29. November, jeweils um 20 Uhr im Schwere Reiter.

Eher kein feengleicher Luftgeist, dafür wundervoll böse: Robin Strona vom Bayerischen Staatsballett als Hexe Mage in „La Sylphide“.
Eher kein feengleicher Luftgeist, dafür wundervoll böse: Robin Strona vom Bayerischen Staatsballett als Hexe Mage in „La Sylphide“.
Katja Lotter

Premierenfieber auch in den Ballett-Compagnien im Nationaltheater und am Gärtnerplatz. Letztere bringen an diesem Donnerstag, 20. November, 19.30 Uhr, Aschenbrödel auf die Bühne, das einzige Ballett von Johann Strauss; der Walzerkomponist hatte es allerdings nicht vollenden können, nach seinem Tode 1899 hinterließ er nur mehrere autografe Partiturteile. Am Gärtnerplatz wird sich dennoch alles zu einem schönen Ganzen fügen. Dafür sorgt Ballettchef und Choreograf Karl Alfred Schreiner mit seiner Version. Das Theater verspricht ein „Ballettmärchen für die ganze Familie“ mit Feen, magischen Tieren – und am Ende heißt es: „Schuh gut, alles gut!“.

Choreografin Emma Portner mal selbst in Aktion, hier auf dem Laufsteg bei der Pariser Fashion Week 2024. Im Dezember zeigt sie ein Tanzstück mit dem Bayerischen Staatsballett.
Choreografin Emma Portner mal selbst in Aktion, hier auf dem Laufsteg bei der Pariser Fashion Week 2024. Im Dezember zeigt sie ein Tanzstück mit dem Bayerischen Staatsballett.
Imago/Abacapress

Die Tänzerinnen und Tänzer des Bayerischen Staatsballetts haben noch einiges mehr an Trainingszeit. Ihr Triple-Abend Waves and Circles hat erst kurz vor Weihnachten am 21. Dezember Premiere. Drei Bewegungssprachen führt Ballettdirektor Laurent Hilaire bei diesem Spiel der Wellen und Kreise zusammen: Maurice Béjarts „Boléro“ aus dem Jahr 1961, William Forsythes „Blake Works I“ von 2016  und „Megahertz“, eine Arbeit der jungen kanadischen Choreografin Emma Portner.

Zur Ballettproduktion der Staatsoper zeigt das Theatinerkino am 30. November drei Filme: William Forsythes „Blake Works II (The Barre Project)“ sowie zwei Filme von Emma Portner, die anwesend sein wird.

Während also die Proben für das Triple laufen, werden zarte Luftgeister in Tutus wieder Männer in Schottenröcken becircen. La Sylphide, der romantische Ballettklassiker, kehrt zurück am 21., 23., und 26. November. In der Vorstellung am 30. November tanzt – als Gast in seiner ehemaligen Compagnie – António Casalinho die Partie des James.

Und noch die Vorschau auf ein besonderes Tanzgastspiel in der Muffathalle am 28. und  29. Januar 2026, für das es schon Karten gibt: Gauthier Dance kommt mit Akram Khans „Turning of Bones“, seiner ersten Kreation für eine deutsche Kompanie überhaupt.

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