Was läuft im TanzSportfreaks und Aliens auf Münchens Tanzbühnen

Lesezeit: 2 Min.

Balanceakt: Die Geigerin Elisabeth Klinck auf dem Schwebebalken in Miet Warlops sportiver, international gefeierter Performance „One Song“, die jetzt in die Muffathalle kommt.
Balanceakt: Die Geigerin Elisabeth Klinck auf dem Schwebebalken in Miet Warlops sportiver, international gefeierter Performance „One Song“, die jetzt in die Muffathalle kommt.
Michiel Devijver

Die Belgierin Miet Warlop schickt ihre Performer auf den Schwebebalken, Moritz Ostruschnjak inszeniert einen Alien-Western, und das Staatsballett vergibt erstmals einen Preis.

Von Jutta Czeguhn

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Schon mal auf einem Schwebebalken balanciert? Lange her, sehr wahrscheinlich war er nicht gerade das Lieblingsturngerät damals im Sportunterricht. Die wunderbare Geigerin und Komponistin Elisabeth Klinck muss über einen erstaunlichen Gleichgewichtssinn verfügen. Mühelos spaziert sie über das zehn Zentimeter breite Holz und spielt dabei noch ihre Violine.

Sportlich unterwegs und zur völligen Verausgabung bereit sind sie alle in Miet Warlops international gefeiertem Stück One Song, das am 1. und 2. Juli in der Muffathalle zu sehen ist. „Zu sehen“ ist allerdings ein viel zu schwaches Wort. Das hyperaktive, elektrisierende Stageacting von Warlops Truppe wird definitiv bei jedem, der sich diesem 70-minütigen Ritual aussetzt, für eine massive Ausschüttung von Endorphinen und Dopamin sorgen. „Ein rockiger Urschrei, der vor Lebensfreude, Energie und Humor strotzt“, jubelte De Standaard aus Belgien über diesen Hybrid aus sportlichem Wettkampf, Rockkonzert und Performance. Dabei war „One Song“ von Miet Warlop eigentlich als eine Art Requiem für ihren toten Bruder konzipiert. Die Regisseurin wird in diesem Jahr den belgischen Pavillon bei der Biennale in Venedig mit einer lebendigen und musikalischen Skulptur bespielen.

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Tobende Fans mit Schals auf der Bühne wie in „One Song“, das hat man auch schon bei Moritz Ostruschnjak gesehen. Im Stück „Non + Ultras“ lässt der Münchner Choreograf einen regelrechten Fanschal-Teppich auslegen. Und hochdynamisch geht es bei ihm sowieso immer zu. So auch im neuen Stück „Alien Nation“, das als ein „Alien Western aus Vergangenheiten und Zukünften“ angekündigt wird und im Schwere Reiter am 26. Juli Uraufführung feiert (Pre-Premiere: 25. Juli).

Ebenfalls im Schwere Reiter: Hannah Schillingers Joan, eine Tanzperformance über Jeanne d’Arc - aus queerer Perspektive (31. Juli, 1. und 2. August). Die Choreografin greift Motive aus Friedrich Schillers Klassiker „Die Jungfrau von Orléans“ auf und interpretiert sie neu. Die lothringischen Bauerntochter als Gottes-Kriegerin, Ketzerin und Heilige ist immer auch Projektionsfläche männlicher Blicke. „Joan“, so kündigt Schillinger an, „befasst sich mit der Frage, wer erinnerungskulturelle Narrative formt, welche Perspektiven darin zum Ausdruck kommen und welche ausgeschlossen werden, und wie Geschichten durch plurale Perspektiven geöffnet werden können“.

Wie finanzieren sich diese Projekte der freien Tanzszene, die im Schwere Reiter eine Bühne finden? Tasha Hess-Neustadt und Fabian Riess haben ihr Kollektiv seit diesem Jahr als GbR organisiert, mit dem Fokus, Kollaborationen mit interdisziplinären Künstlerinnen aus angrenzenden Medien und Praktiken zu entwickeln. Nach ihrer Debütförderung 2023 erhielten sie für neues Stück „This Tomorrow“ eine Projektförderung der Landeshauptstadt. Sie zeigen dieses „choreografische Konzert“ nun erstmals am 3. Juli im Schwere Reiter (weitere Vorstellungen 4. und  5. Juli) mit der Ankündigung: „Die Arbeit erkundet positive Entwürfe von möglicher Zukunft, in Gemeinschaft, als verletzliche Körper im fragilen, offenen Raum des Jetzt.“

Die Gewinner des Aurora-Preises 2026: Frederick Stuckwisch und Phoebe Schembri, in ihrer Mitte Staatsballett-Direktor Laurent Hilaire
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M. Bernal

In staatlichen Betrieben wie dem Bayerischen Staatsballett müssen sich die Tänzerinnen und Tänzer selbst keinen Kopf um die Finanzierung der nächsten Produktion machen, und auch das monatliche Gehalt landet pünktlich auf dem Konto. Üppig ist allerdings auch dieses Salär nicht, bedenkt man die Kürze einer Tanzkarriere. Zusätzliche Einnahmen sind also hochwillkommen. Wie der mit insgesamt 20 000 Euro dotierte, von einem langjährigen Sponsor gestiftete Aurora-Preis für herausragende Nachwuchstänzer, den das Staatsballett am Freitag nun zum ersten Mal verliehen hat. Über jeweils 10000 Euro freuen das Corps de ballet-Mitglied Frederick Stuckwisch und die Demi-Solistin Phoebe Schembri.

Der Nachwuchsförderpreis, der nach Prinzessin Aurora, der Hauptfigur im Ballett „Dornröschen“, benannt ist, soll künftig jährlich an mindestens ein Ensemblemitglied verliehen werden. „Der Preis soll Bestätigung und Ansporn zugleich sein, immer weiter an sich zu arbeiten und künstlerisch etwas zu erreichen, was man selbst nicht für möglich gehalten hätte. Es ist eine Auszeichnung mit Vorbildcharakter“, so Ballettdirektor Laurent Hilaire in seiner Laudatio.

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