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SZ-Adventskalender:Große Hilfe für kleine Wünsche

Um einmal alle Sorgen hinter sich zu lassen, möchte eine alleinerziehende Mutter ans Meer. Ein Mädchen mag Trampolin springen, ein krebskranker Bub will unbedingt Bayern-Profi Thomas Müller treffen. Zehn Geschichten über ganz verschiedene Träume.

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Vierter Advent

Quelle: dpa

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Es kostet kein Geld, einen Star zu treffen - und doch ist so ein Wunsch nicht so einfach zu erfüllen. Wenn das Einkommen einer Familie nur knapp zum Leben reicht, können schon kleine Hilfen das Leben ein wenig angenehmer machen. Eine gute Matratze, zum Beispiel, oder Kleidung für den Winter. Fahrräder für die Kinder - oder eben ein Foto mit dem Fußballstar. Und manche wollen perfekt Deutsch lernen, um einen anständigen Job zu bekommen: zehn Herzenswünsche.

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Jenny Kargl Leon Maxi

Quelle: Manfred Neubauer

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Thomas Müller treffen

Leon ist ein Wunder. Davon sind nicht nur die Eltern des zehn Jahre alten Buben aus Benediktbeuern überzeugt, sondern auch die Ärzte. Als sie vor vier Jahren einen etwa tischtennisballgroßen Tumor in Leons Kopf entdeckten, gaben sie ihm noch maximal zwei Jahre Lebenszeit, vorausgesetzt, er kämpft sich durch Bestrahlung und Chemotherapie. "Er sollte seine Einschulung noch erleben", erzählt Mutter Jenny K., "jetzt geht er schon in die dritte Klasse."

Wer nicht weiß, wie krank der Junge ist, sieht es ihm nicht an. Leon spielt und tobt mit Gleichaltrigen, nur manchmal hat er "seine Aussetzer". Dann wirkt er wie abwesend, als träumte er. Auch motorisch ist er den gleichaltrigen Freunden hinterher, "er wäre gerne ein super Fußballer, aber es geht nicht", sagt Jenny K.. Umso glücklicher ist sie, dass er dennoch beim TSV Benediktbeuern ins Training gehen kann, "er soll möglichst wie ein normaler Junge leben, solange es eben geht". Wie der Opa und Papa Anton sind auch Leon und sein sechs Jahre alter Bruder Maxi große FC Bayern-Fans - wobei sich Leons Liebe vor allem auf den "Müller Tommy" beschränkt. "Den findet er einfach toll!" Sein größter Wunsch ist es, diesen einmal persönlich zu treffen.

Silvana Krause und ihre fünfjährige Tochter Aliya auf der Spielzeug-Vespa der Tochter (sie wünschen sich einen Urlaub). Adventskalender âÄ" Wünscheseite. Rosenheimer Straße 173

Quelle: Florian Peljak

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Einmal ans Meer

Zwei Wochen an der Nord- oder an der Ostsee, die würden Silvana K. und ihrer kleinen Tochter schon reichen: Einmal alle Sorgen in München lassen und in den Tag hinein leben. Gemütlich frühstücken und dann bei einem Spaziergang die salzhaltige Meeresluft einatmen, die auch den angeschlagenen Bronchien der fünfjährigen Aliya gut täte. "Einfach eine Auszeit vom Alltag. In München kommen wir ja nicht zur Ruhe", sagt die alleinerziehende Mutter. Ganz alleine ein Kind aufziehen, das ist anstrengend, keine Frage. Silvana K. aber macht zudem noch "eine büroqualifizierende Ausbildung" und kümmert sich ein bis zwei Mal pro Woche um ihre eigene Mutter, die unter Angstzuständen leidet. Putzt die Fenster und kocht, geht für sie einkaufen oder in die Apotheke, wenn die Mutter mal wieder das Haus nicht verlassen will. Oft muss Krause die kleine Aliya sogar mitnehmen, weil Babysitter teuer sind und es sonst niemanden gibt, der auf sie aufpassen kann. Und als sie sich neulich die Bänder gerissen habe, so erzählt die 31-Jährige, habe sie die Kleine schon nach wenigen Tagen wieder mit Bus und U-Bahn in den Kindergarten gebracht - an Krücken. "Als Alleinerziehende muss man funktionieren", sagt Silvana K.. "Egal, wie es einem selbst geht."

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Auswärtstrikot der Bayern

Michael ist nicht nur ein ausgemachter Fan des FC Bayern München, er spielt auch drei Mal in der Woche selbst Fußball in einem Verein. Der Sport gibt ihm Halt und Freude, und die benötigt der Junge umso mehr, seit seine Mutter im vergangenen Jahr gestorben ist. Michael und sein Vater, der ursprünglich aus Vietnam stammt, sind seither praktisch auf sich alleine gestellt. Keine leichte Aufgabe: Der Papa arbeitet seit dem Tod seiner Frau nur noch halbtags in einem Imbiss, um mehr Zeit für seinen Sohn zu haben. Doch dadurch verdient er auch weniger Geld. Tickets für die Fröttmaninger Arena sind da natürlich nicht drin - Michaels großer Wunsch. Ein Spiel des FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach würde er gerne sehen, und dabei "ganz weit vorne" im Stadion sitzen. Und dann gibt es noch etwas, worüber sich Michael freuen würde: "Das weiße Auswärtstrikot der Bayern", sagt er, "das wünsche ich mir wirklich ganz arg."

Und noch einen Wunsch hat Michael. Er würde gerne einmal Thomas Müller persönlich treffen. Und Gründe, weshalb der Stürmer des FC Bayern sein Favorit ist, fallen ihm gleich mehrere ein: "Müller ist eine Tradition von Bayern. Der ist witzig, und außerdem gibt er nie auf", sagt der Elfjährige, der die sechste Klasse eines Münchner Gymnasiums besucht.

Sonja Schrade, AK - Wünsche, Carl-Orff-Bogen 203

Quelle: Florian Peljak

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Winterstiefel

Sonja S. ist eine gepflegte Frau, ihre Lippen hat sie in einem dezenten Hummerrot geschminkt, die Wimpern sorgfältig getuscht. Ihre Bluse aber ist zu weit, die Hose schlackert um die Beine, Unterwäsche und Schlafanzüge sind der 51-Jährigen ebenfalls zu groß. Inzwischen sind es 25 Kilo, die Sonja S. abgenommen hat, seit sie im vergangenen Jahr an Krebs erkrankte. "Und es hört einfach nicht auf", sagt die gelernte Kinderpflegerin. Die Strapazen der Chemotherapie hat sie mittlerweile überstanden. Doch gerade, weil sie so stark abgenommen hat, befürchtet sie, die Krankheit könnte zurückkehren. Diese Angst, die sie so manche Nacht wach liegen lässt, bekämpft die handwerklich geschickte Frau in diesen Tagen damit, dass sie ihre Wohnung neu gestaltet. "Wenn es außen sortiert ist, dann bin ich auch innerlich sortiert", sagt sie. Und die Frührentnerin hat ganz offenbar ein Händchen fürs Einrichten. Die Polster ihrer Eckbank hat sie selbst überzogen. Überhaupt restauriere sie gerne alte Möbel, die ihr andere schenkten, oder auch mal ein Teil vom Flohmarkt, erzählt sie. Nur Schränke, die sind schwer zu bekommen: Da benötige sie "dringend" neue. Und Winterstiefel für die Spaziergänge mit ihrem Hund Jack. "Nach sieben Jahren sind die alten einfach durch."

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Quelle: Alessandra Schellnegger

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Schreibtisch für die Kinder

Der 25. Dezember 2015 ist ein Tag, den Kolala Sherko K. wohl nie vergessen wird. Es ist der Tag, an dem sie mit ihrem Mann und ihren beiden kleinen Kindern nach ihrer Flucht aus dem Nordirak in Deutschland ankam. "Ich muss immer daran denken", sagt sie. Ihre Augen werden feucht, als sie von den Asylbewerberunterkünften erzählt, in Nürnberg, in Bruckmühl und in München. Und von der langen Suche nach einer Wohnung, in der die Familie zur Ruhe kommen kann. Vor einem Jahr haben die Vier endlich eine Bleibe gefunden. So langsam geht es aufwärts, im September hat Kolala Sherko K. eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin begonnen. Doch als Alleinverdienerin reicht das Geld nur für das Nötigste - und es fehlt noch einiges: Der alte Kühlschrank treibt der Familie die Stromrechnung in die Höhe. Die Kinder Ruya und Rahand, acht und zehn Jahre alt, erledigen ihre Hausaufgaben auf dem Fußboden, weil ein Schreibtisch fehlt. Außerdem hat Rahand, der Sohn, keinen Schrank. Und statt den echten Plastikmännchen eines dänischen Spielzeugherstellers hängen über seinem Bett nur Poster der fiktiven Ninja-Familie, die er so toll findet. "Lloyd!", ruft Rahand, der sei sein absoluter Favorit. "Und ich mag Nya!", sagt seine Schwester Ruya.

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Quelle: Robert Haas

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Endlich weniger frieren

Früher, als James Martin W. noch jung und fit war, da konnte ihm der Münchner Winter nichts anhaben. "Aber diese Kälte ist einfach nichts mehr für mich", sagt der 61-Jährige. Diese Kälte, sie verursacht ihm Schmerzen in den ohnehin schon schmerzenden Knochen. 1997 ruinierte eine schwere, stark vibrierende Schleifmaschine dem gebürtigen Iren beide Hüften, doch erst knapp zehn Jahre später wird die Verletzung diagnostiziert - und die Hüftgelenke durch künstliche ersetzt. James Martin W. hat Elektriker gelernt, war in München auch als Schlosser und Bühnenbauer tätig. Seit 2014 ist er arbeitsunfähig, in den Jahren davor jedoch arbeitete der Mann, der 2005 einen Herzinfarkt hatte, mal mehr, mal weniger, mal gar nicht. Je nachdem, wie gut es ihm gesundheitlich ging. Bis heute leidet W. an Durchblutungsstörungen, friert eigentlich ständig, besonders an den Füßen. Warme Stiefel, eine warme Hose, vielleicht eine warme Bettdecke und einen Spezialschaum zur Isolierung des Badezimmers, so sagt er, das würde er sich wünschen. Kleine Dinge, die den Münchner Winter in einer Wohnung, die unglücklicherweise viel Wärme über die Außenwände verliert, erträglicher machen - für die seine Erwerbsminderungsrente aber nicht ausreicht. Doch einen Umzug in wärme Gefilde, den kann er sich weder leisten noch vorstellen. "Ich liebe München", sagt er. "Wo soll ich sonst auch hin?"

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Quelle: Stephan Rumpf

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Lust aufs Fahrradfahren

Dejeen ist erst sieben Jahre alt, aber sie weiß schon um das große Glück, das sich beim Tritt in die Pedale einstellen kann. "Wenn es Sommer ist, sonnig und warm, dann kommt die Luft ins Gesicht." Jetzt aber ist es Winter, und das alte Fahrrad ihres großen Bruders Jideer, auf dem die Erstklässerin das Radfahren gelernt hat, wurde geklaut. Ein eigenes, neues Fahrrad, das wäre daher das Größte für Dejeen. "Mit vermischten Farben, Blau, Lila und ein bisschen Türkis", so stellt sie sich ihr Traumfahrrad vor. Und während ihre elfjährige Schwester Dereen gerne eines "in Lila und Weiß" hätte, wünschen sich die großen Brüder, 14 und zwölf Jahre alt, schwarze Mountainbikes. Doch vier Fahrräder, das kann sich die Familie, die vor 15 Jahren aus dem kurdischen Teil des Iraks nach Deutschland flüchtete, trotz Aufzahlungen zum Gehalt des Vaters nicht leisten: Der älteste Sohn macht eine Ausbildung. Ihre vier schulpflichtigen Kinder aber, die benötigten nicht nur Schuhe für den Sportunterricht, klagt Lazeeza Y., die Mutter, sondern auch noch solche für die Straße und zu Hause. Obendrein hat die Familie nun auch noch eine Mieterhöhung erhalten. "Das ist alles sehr teuer."

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Quelle: Robert Haas

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Spaß haben im Trampolinpark

Leyla M. mag Sport, allerdings nicht jeden: Kickboxen würde ihr zwar gefallen, doch das findet ihre Mutter zu gefährlich. Und Fahrrad fahre sie einfach nicht so gerne, sagt die Zehnjährige bestimmt. Also Mädchenfußball? Oder Handball? Leyla schüttelt den Kopf. "Tennis spielen, so wie Serena Williams", sagt sie, "das finde ich ganz cool". Ihr Großvater hat sie auf die Idee gebracht, ein großer Tennisfan. Und auch Leylas Mutter Dianal M. würde es befürworten, wenn die Viertklässlerin Sport machen würde. Sei ja schließlich gut für die Gesundheit. Doch Schläger, die erforderliche Sportkleidung und der Unterricht - das alles kostet natürlich. Es kostet Geld, das die Familie nicht erübrigen kann. Der Lebensgefährte von Dianal M. arbeitet als Aushilfe in einer Bäckerei, doch trotz Aufzahlungen reicht das Einkommen gerade so, um den Lebensunterhalt von Leyla, ihrem kleinen Bruder und den Eltern zu bestreiten. Dabei fällt Leyla noch etwas ein, was sie gerne machen würde: Nach Herzenslust durch den Trampolinpark "Airhop" toben. Da sei sie zwar schon einmal gewesen, ihre Tante habe sie dorthin eingeladen, erzählt das Mädchen. Aber wer will sich schon immer einladen lassen?

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Quelle: Stephan Rumpf

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Eine neue Matratze

Noch immer künden an der Wand dunkle Ränder davon, dass auch bei Anastasia B. einst ein Schränkchen über der Spüle hing, ein Aufbewahrungsort für Tassen, Gläser und Teller, so wie es ihn in vielen Münchner Wohnungen gibt. "Ist runtergefallen", sagt die 67-Jährige. Ein Riesenschreck sei das gewesen. Die gebürtige Griechin, die vor Jahrzehnten der Liebe wegen nach München zog, legt die Hand auf die Brust, in etwa dorthin, wo sich das Herz befindet. Vor einigen Monaten wurde ihr ein Stent eingesetzt, also ein medizinisches Implantat, das die Gefäße offen hält. Zehn Tabletten, so sagt Batsou, müsse sie täglich nehmen. Und auch ihre Wohnung hat weitaus mehr Schwachstellen als den heruntergefallenen Hängeschrank: In der Tür zwischen Flur und Wohnzimmer ist das Schloss herausgebrochen, es fehlen Kommoden, und unter der Spüle tropft ein Rohr. Früher hat B. als Hilfskraft in einem bekannten Münchner Hotel gearbeitet. In der Pâtisserie und im Kaffeeservice zum Beispiel, erzählt die Frau, die heute auf Grundsicherung angewiesen ist. Aber natürlich habe sie dort auch die Betten gemacht. Sie blickt zu ihrer eigenen Schlafstätte in der Küche, eine krude Mischung aus Sofa und Bett. Mit einer Matratze, so dünn, dass sie den Namen eigentlich nicht verdient - und B. Rückenschmerzen davon bekommt.

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Quelle: Robert Haas

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Perfektes Deutsch

Der Wunsch von Fareema R. hat mit neuen Vokabeln und Adjektivdeklinationen zu tun, mit Konjunktionen und Präpositionen - und mit der Regel, dass das Verb im deutschen Nebensatz am Ende steht. "Ich möchte richtig gut Deutsch sprechen. Das ist mein Traum", sagt die gebürtige Afghanin, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Schon jetzt kann sie sich gut verständigen, liest ihren drei Kindern - neun, sieben und fünf Jahre alt - deutsche Bücher vor. Doch Fareema R. will mehr: Sie möchte sich zur Erzieherin ausbilden lassen, und dafür wiederum muss sie Deutschkenntnisse auf dem Niveau "B 2" vorweisen. Der Weg zu diesem Zertifikat führt über Sprachkurse, Lehrbücher und eine Prüfung - das Ganze kostet also Geld. Doch weil Fareema R. mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hat, ist eine Übernahme der Kosten, etwa durch das Jobcenter, nicht mehr möglich. Und als Alleinverdiener könne er sich solche Ausgaben außer der Reihe nicht leisten, sagt ihr Mann Habib R., der in einem Supermarkt arbeitet. Doch seine Frau sei sehr schlau, habe in Afghanistan das Abitur gemacht. "Ich will nicht, dass ihr Talent verloren geht."

© SZ vom 24.12.2019/vewo
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