SZ-Adventskalender:Stark sein für die Kinder

Lesezeit: 7 min

SZ-Adventskalender: "Ich muss stark bleiben, denn das einzige auf der Welt, was für mich wertvoll ist, sind meine Kinder", sagt Ceyda Y.

"Ich muss stark bleiben, denn das einzige auf der Welt, was für mich wertvoll ist, sind meine Kinder", sagt Ceyda Y.

(Foto: Robert Haas)

Ihre Kinder sind das Wichtigste für Ceyda Y. - aber obwohl sie extrem sparsam lebt, kann sie ihnen keine passende Kleidung und kein Schuhwerk kaufen. Auch Daniel K. hat es schwer, für seine Familie zu sorgen, selbst mit zwei Jobs.

Von Berthold Neff

"Du kannst es schaffen, nein: Du musst es schaffen. Du musst deinen Kindern zeigen, wie wichtig es ist, stark zu sein, zu kämpfen und zu gewinnen." Immer dann, wenn Ceyda Y. (Name geändert) der Verzweiflung nahe war, machte sie sich mit solchen Sätzen Mut. Immer dann, wenn sie nicht wusste, wie sie ihre drei Kinder über die Runden bringen sollte, wenn ihr selbst für das nötigste Essen das Geld fehlte, konzentrierte sie sich auf ihre eigene Stärke. Das gab ihr die Kraft zum Weitermachen. "Ich muss stark bleiben, denn das einzige auf der Welt, was für mich wertvoll ist, sind meine Kinder", sagt Ceyda Y., während sie die Arme um die beiden Jüngsten legt.

Wie hart das Leben sein kann und dass man es ohne harte Arbeit nicht besteht, hat die heute 42-Jährige schon als Kind erlebt. Ihr Vater war schon 1967 als Gastarbeiter zunächst nach Österreich und dann nach München gekommen, fand bei BMW Arbeit am Fließband. Die Mutter kümmerte sich zu Hause um die Kinder, sieben an der Zahl waren es schließlich. Als Ceyda Y. zwölf Jahre alt war, schickten die Eltern sie in die Türkei, vier Jahre lang besuchte sie dort ein Internat. Ihr Deutsch, das sie schon so gut beherrscht hatte, wurde schlechter, und sie sehnte sich nach ihren Freunden im Münchner Norden. Und war sie nicht ein echtes Münchner Kindl, geboren im Schwabinger Krankenhaus?

So können Sie spenden

Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind von Montag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr sowie Freitag von 10 bis 16 Uhr im SZ-Servicezentrum, Fürstenfelder Straße 7, möglich. Sicher online spenden können Leser im Internet unter www.sz-adventskalender.de. Überweisungen sind auf folgendes Konto möglich:

"Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V."

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 6007 00

BIC: SSKMDEMMXXX

Spenden sind steuerlich abzugsfähig; bis zu einem Betrag in Höhe von 300 Euro reicht der vereinfachte Nachweis. Bei Spenden in Höhe von mehr als 300 Euro senden wir Ihnen die Spendenbestätigung zu, sofern auf der Überweisung der Absender vollständig angegeben ist. Jede Spende wird ohne Abzug dem guten Zweck zugeführt. Alle Sach- und Verwaltungskosten, die entstehen, trägt der Süddeutsche Verlag.

www.facebook.com/szadventskalender

Als sie dann endlich wieder nach München durfte, musste sie erst in der Schule aufholen, was sie verpasst hatte, schaffte den Hauptschulabschluss. Sie arbeitete als EDV-Fachkraft und heiratete, mit 19 Jahren, einen jungen Mann aus Bosnien, den ihre Eltern nicht akzeptierten, das Verhältnis zu ihnen ist bis heute schwierig. Sie brachte in der Ehe zwei Kinder zur Welt, die Tochter ist mittlerweile 17, der Sohn zwölf Jahre alt. Aber wie das dann so ist: Die Ehe zerbrach, endete aber nicht in einer Katastrophe. Ihr Ex-Mann kümmerte sich auch nach der Scheidung um die Kinder, pflegt Umgang mit ihnen und zahlt, so gut es eben geht mit seinem Job als Trambahnfahrer, auch Unterhalt für sie.

Und gerade als Ceyda Y. sich einigermaßen gefestigt und ihren Kindern in einer neuen Wohnung ein Zuhause eingerichtet hatte, wurde ihr eine neue Beziehung zum Verhängnis. Der Mann, der dann Vater ihrer jüngsten Tochter wurde, war aus der Türkei eingereist und hatte, so erkannte sie bald, die Beziehung nur aufgenommen, um in Deutschland bleiben zu können. Arbeit mied er ebenso wie das Erlernen der deutschen Sprache. Zu Hause machte er ihr das Leben zur Hölle.

Ceyda Y. will vor den Kindern über diese schwere Zeit nicht reden, sie setzt das Gespräch mit dem Besucher in der kleinen Küche fort. Es geht um massive Gewalt, dieser Mann nahm keine Rücksicht darauf, dass seine Partnerin gerade frisch entbunden hatte. Die Polizei und das Jugendamt griffen ein, befreiten Ceyda Y. aus dieser Notsituation. Die Behörden verboten ihm den Umgang mit seiner Tochter, dann wurde ein begleiteter Umgang genehmigt. Ceyda Y. lebte in ständiger Angst vor ihm, sie musste sich psychologisch betreuen lassen, um die Angst zu verlieren, dass sie ihre Kinder nicht vor ihm schützen könnte.

Erst als er in die Türkei entschwand und dort wegen diverser Delikte in Haft geriet, atmete sie auf - und die Kinder mit ihr. Zu Hause wird Deutsch gesprochen, Türkisch hat die kleine Melinda - mittlerweile sieben Jahre alt und begeisterte Schülerin in der ersten Klasse - draußen auf der Straße gelernt. Gesundheitlich ging es der Kleinsten nicht immer gut. Sie war ein Frühchen und hat seitdem ein schwaches Immunsystem. Dann kam, als Säugling, eine Herpes-Infektion hinzu, die dazu führte, dass die Ärzte ihre Vorderzähne entfernen mussten. Wenn sich alles stabilisiert hat, wird sie neue Zähne bekommen.

Die Kinder haben sich daran gewöhnt, dass das Geld immer knapp ist. Dass sie nicht die gleichen Sachen tragen können wie andere Kinder, deren Familien es finanziell besser geht. Melinda und Edin, ihr Bruder, haben bescheidene Wünsche. "Ich wünsche mir eine Schneekugel mit einer Sternschnuppe drin", sagt Melinda. Edin, der begeistert beim Sport mitmacht, braucht neue, feste Schuhe dafür. Die Marke ist ihm nicht wichtig, er weiß, dass die angesagten Marken zu teuer sind.

Wichtig ist ihm, dass die Familie zusammen ist und glücklich. Dass sie sich gegenseitig stützen. Und so, wie er zu seiner Mutter aufschaut, sieht jeder, dass er sie bewundert. Es gibt viele Gründe dafür. Sie hat immer versucht, die Familie über die Runden zu bringen, hat mit Mini-Jobs die Haushaltskasse wenigstens etwas aufgebessert. Die fielen durch Corona dann weitgehend weg, aber so erwuchs eine neue Chance. Ceyda Y. begann, mit mehr als 40 Jahren, eine Ausbildung zur Kinderpflegerin. "Das war schon immer mein Traumberuf", sagt sie. "Und jetzt habe ich es geschafft." Im Sommer hat sie in Würzburg das Examen zur Sozialpädagogischen Assistentin und Kinderpflegerin mit der Note 2,6 abgeschlossen und arbeitet seitdem in einer Einrichtung des Bayerischen Roten Kreuzes, vorerst in Teilzeit.

Nun hat sie das nächste Ziel im Auge: Erzieherin werden. Und weil die älteste Tochter gerade ihren Mittelschul-Abschluss vorbereitet, wird gelernt und gebüffelt in der 2,5-Zimmer-Wohnung. Es fehlt aber an einem Schreibtisch, einem Stuhl dazu, einem Laptop - solche Dinge halt. Und weil die Kinder wachsen, brauchen sie immer wieder passende Kleidung und Schuhwerk. Spenden würden ihr und ihren drei Kindern sehr helfen. Und Ceyda Y. wird nun selbst wieder Geld verdienen - um ihren Kindern ein Beispiel zu sein.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB