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SZ-Adventskalender:Genug Spenden für einen ganzen Musikladen

Adventskalender-Geschäftsführerin Anita Niedermeier

"Die Spender vertrauen dem Adventskalender, weil das Geld in München und der Region bleibt", sagt Anita Niedermeier.

(Foto: Niels P. Joergensen)

SZ-Leser spenden rund 5,4 Millionen Euro für Münchner in Not. Der Wunsch der zehnjährigen Alena nach einem eigenen Cello hat besonders viele Herzen bewegt.

Alena, die talentierte Zehnjährige, für deren Mutter es ein ungeheurer Kraftakt ist, ihr den Cello-Unterricht zu finanzieren, hat mit ihrem Wunsch nach einem eigenen Cello die Herzen der SZ-Leser bei der 71. Spendenaktion des "Adventskalenders für gute Werke der Süddeutschen Zeitung" besonders bewegt. "Wir könnten mit den Angeboten eine Instrumentenhandlung eröffnen", freut sich Adventskalender-Geschäftsführerin Anita Niedermeier über die großartige Hilfsbereitschaft.

Die zeigt sich auch in der enormen Spendenbereitschaft: Rund 5,4 Millionen Euro sind bislang für Menschen eingegangen, denen Armut, Krankheit oder Behinderung das Leben schwermachen. Damit wurde erneut das hervorragende Ergebnis der Jubiläumsaktion zum 70-jährigen Bestehen des Adventskalenders erreicht. Diesmal hatte die SZ im Münchner Teil und in den Regionalausgaben dazu aufgerufen, Kindern zu helfen, die wegen Armut, Krankheit oder Behinderung schlechtere Chancen für eine optimale Entwicklung haben. Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit, Ankommen in der neuen Heimat, und wie Menschen mit schweren Behinderungen ihr Leben bewältigen waren weitere Themen.

Dabei ging es immer um Menschen, die in der unmittelbaren Nachbarschaft leben. "Die Spender vertrauen dem Adventskalender, weil das Geld in München und der Region bleibt", sagt Anita Niedermeier. Ein großer Pluspunkt sei in den Augen der Spender auch, dass die Verwaltungskosten der Süddeutsche Verlag übernimmt, die mehr als 20 000 Spenden also in voller Höhe an Bedürftige weitergegeben werden.

Fast 2000 Leser sind in der Adventszeit in das SZ-Servicezentrum gekommen, insgesamt haben sie bisher 542 960,48 Euro einbezahlt, fast 50 000 Euro mehr als im Vorjahr, wie sich der Leiter, Wolfgang Schneider, freut. Einzahlungen und Überweisungen sind das ganze Jahr über möglich. Vielen ist der persönliche Kontakt wichtig, sie haben die Tradition des Spendens von ihren Eltern übernommen. "Erst werden Weihnachtseinkäufe in der Innenstadt erledigt, dann geht es zum Spenden ins Servicezentrum und anschließend zum Essen", erzählt Anita Niedermeier. Die höchste Summe, 75 000 Euro, ging unmittelbar vor Jahresende ein von einer treuen Spenderin, die im Vorjahr 50 000 Euro überwiesen hatte. Das Vertrauen wachse, sagt Anita Niedermeier, was sich auch daran zeige, dass sie vermehrt Anfragen wegen Testamenten bekäme von Lesern, die ihren Nachlass ganz oder zum Teil dem SZ-Adventskalender oder der SZ-Leserstiftung vermachen wollen.

Besonders bewegte die Leser das Schicksal von Senioren, deren geringe Rente nicht zum Leben reicht. "Für Senioren mit Haustieren" gab eine Frau 9000 Euro mit dem in Klammern gesetzten Vermerk "wegen OP". Eine Spenderin, die selbst an Depressionen leidet, stockte ihren Betrag diesmal um 50 Euro auf, mit der Bemerkung, sie sei so glücklich, dass ein Wunsch von ihr in Erfüllung gegangen sei. Alleinerziehende, wie die Mutter von Alena, fanden ebenfalls viel Aufmerksamkeit. Die Hilfe der Leser bedeute ihr viel, "es ist für mich eine sehr schöne Geste der Solidarität", dankte die Mutter. Es habe sie sehr viel Überwindung gekostet, über ihre Situation zu sprechen, gerade deshalb hätten sie die Spenden für das Instrument und Unterstützungsangebote für den Cello-Unterricht tief berührt. Mehrere Spender haben Instrumente angeboten, darunter ist auch eine Stiftung, die Kindern und Jugendlichen aus Haushalten mit geringem Einkommen das Musizieren ermöglichen will, indem sie Instrumente zur Verfügung stellt. Eine Cellistin, die in München Schulmusik und Cello studiert hat, und seit vielen Jahren an Schulen unterrichtet, hat kostenlosen Cellounterricht angeboten.

Auch das Schicksal von Harald Gruber, der durch einen skrupellosen Investor seine wirtschaftliche Existenz als Wirt eines Lokals und als Folge davon schließlich seine Wohnung verlor, bewegte viele Menschen. Die A-Jugend des ESV-München, bei dem er sich früher als Trainer engagiert hatte, war von seinem Schicksal sehr betroffen und sammelte für ihn: "Neben uns Spielern waren der Verein und die Trainer sofort bereit, einen kleinen Beitrag zu leisten, damit es dir bald besser geht." Alle zusammen wünschten sie Gruber einen guten Start in ein besseres neues Jahr. Die jungen Fußballer legten Mannschaftsbilder bei und luden Gruber ein, bei einem ihrer Spiele vorbeizuschauen.

In enger Zusammenarbeit mit den Bezirkssozialarbeitern der städtischen Sozialbürgerhäuser, der Zentralen Wohnungslosenhilfe und der Schuldnerberatung sowie den Mitarbeitern des Jobcenters kann das SZ-Leserhilfswerk in vielen Hundert Fällen Notlagen durch finanzielle Hilfen lindern. In der gesamten Region München helfen mehr als 200 Sozialverbände und Dienststellen dabei mit sicherzustellen, dass die Spenden dort ankommen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Mehr als 3000 Menschen, überwiegend Rentner, die mit wenig Geld auskommen müssen, erhalten außerdem prall gefüllte Lebensmittelpakete. Bei Weihnachtsfeiern, etwa im Alten- und Servicezentrum, gibt es Taschen mit Lebensmitteln für jene, die meist keine Geschenke mehr zu erwarten haben.

Eine Empfängerin setzte sich eigens am ersten Weihnachtsfeiertag an ihre alte Schreibmaschine, um die Zeilen zu tippen: "Habe mich sehr gefreut, ein so kostbares/wertvolles Geschenk zu erhalten und möchte mich hiermit herzlichst bedanken, auch für die guten Wünsche."

© SZ vom 07.01.2020/kbl
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