SZ-Serie: Wie das Wasser die Stadt prägt:"Im Wasser elegant zu sein, das muss man lernen"

Solene Guisard

Jahrelanges hartes Training für wenige Minuten pure Eleganz: Synchronschwimmerin Solène Guisard übt ihre Choreografien in der Olympia-Schwimmhalle.

(Foto: Friedrich Bungert)

Seit elf Jahren betreibt die 18-jährige Solène Guisard Synchronschwimmen, dreimal hat sie mit ihrem Team Isarnixen den deutschen Meistertitel geholt. Wie sie es schafft, etwas Schwieriges so leicht aussehen zu lassen.

Von Sophia Oberhuber

Die meisten Menschen machen im Schwimmbad nicht unbedingt die beste Figur. Nach Pommesbude und Nickerchen auf der Liegewiese geht es in Richtung des größten Feindes der Ästhetik: dem Einstieg in das Schwimmbecken. Füße voraus, Zehen angezogen, danach den Rest des Astralkörpers gekrümmt ins Wasser gehievt. Trotz größter Bemühungen gleicht das oftmals nicht der Eleganz einer Baywatch-Strand-Szene in Zeitlupe.

Von solch dilettantischen Bewegungen ist Solène Guisard in etwa so weit entfernt, wie die gewöhnliche Seekuh vom Olympiaschwimmbecken. Seit nun schon elf Jahren betreibt die 18-jährige Münchnerin Synchronschwimmen. Aktuell schwimmt sie für den Verein Isarnixen. Dreimal hat sie bisher mit ihrem Team den Titel des Deutschen Meisters geholt. Guisard kommt ursprünglich aus Chile. Dort wurde sie bereits chilenische Meisterin.

"Im Wasser elegant zu sein, das muss man lernen", sagt Guisard. Bei Profis könne das leicht aussehen - aber genau das sei eben eines der Ziele des Sports: etwas Schwieriges leicht aussehen zu lassen. "Sehr wichtig ist die Körperhaltung", erklärt die 18-Jährige. "Damit man Bewegungen gut ausführen kann, braucht es eine Grundspannung." Und die muss man sich hart erarbeiten: Neun Trainingseinheiten absolviert Guisard pro Woche. Insgesamt seien das jede Woche knapp 24 Stunden, die sie im Wasser verbringe, unter anderem in dem der Olympia-Schwimmhalle. Ballett und Krafttraining stehen ebenfalls auf dem Programm.

Solene Guisard

Während der Schule hat Solène auf Partys verzichten müssen, viel ausgemacht habe ihr das aber nicht.

(Foto: Friedrich Bungert)

Bei so viel Training bleibe wenig Zeit für andere Dinge. Während der Schule habe sie auf Partys verzichten müssen, berichtet Guisard. Viel ausgemacht habe ihr das aber nicht. "Es war meine eigene Entscheidung", sagt sie. Inzwischen studiert Guisard Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität, doch bisher habe das Studium nur online stattgefunden - wegen Corona. Auch das Training der Isarnixen musste lange Zeit ins Internet verlegt werden. Die Bäder waren geschlossen - auch für Guisard und ihre Kolleginnen.

Synchronschwimmen über Zoom war angesagt. Das klingt zunächst seltsamer, als es ist: Denn die Choreografien werden ohnehin auf dem Trockenen in sogenannten Stehproben geübt. Für jede Figur im Wasser gibt es Gesten und Bewegungen, die mit den Armen ausgeführt werden. Diese Übungen haben die Isarnixen gemeinsam im Internet gemacht, solange sie nicht ins Schwimmbad durften. Geklappt habe das aber nicht immer. Wegen der Zeitverzögerung bei der Übertragung sei die eine oder andere Bewegung eines Teammitglieds zu spät angekommen.

Solene Guisard

Die Musik zu den Küren muss nicht immer klassisch sein, vergangenes Jahr habe Guisard etwa eine Choreografie zum Lied "Single Ladies" von Beyoncé einstudiert.

(Foto: Friedrich Bungert)

Nun dürfen die Sportlerinnen wieder im Wasser trainieren. Geschwommen wird im Einzel, Duo oder Team. Der Boden des Schwimmbeckens darf nicht berührt werden, das führt zur Disqualifikation. Die eleganten Bewegungen erinnern an Ballett und sind auf die Musik abgestimmt - die nicht immer klassisch sein muss. Guisard erinnert sich zum Beispiel gut an eine Kür, die sie vergangenes Jahr zum Lied "Single Ladies" von Beyoncé einstudiert hat. "Ich habe jedes Mal sofort alle Bewegungen im Kopf, die ich im Wasser ausführen würde. Am liebsten würde ich dann eine Stehprobe machen, aber das fänden die meisten Leute bestimmt komisch."

Die Choreografien dauern zwischen drei und vier Minuten. Etwa die Hälfte der Zeit befinden sich die Schwimmerinnen unter Wasser. Bis zu drei Minuten komme sie ohne Luft aus, sagt Guisard. Auch das muss man üben. Neben dem Luftanhalten und der Körperbeherrschung gebe es aber noch etwas, das eine wichtige Rolle beim Synchronschwimmen spiele: Selbstbewusstsein. Dem eigenen Körper zu vertrauen, das mache oft den Unterschied aus.

© SZ vom 06.08.2021/kafe
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