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Stadtwerke:UV-Licht soll Keime im Trinkwasser töten

Saubere Sache: Rainer List und Helge-Uve Braun (von links) stehen in Deisenhofen an einer neuen Trinkwasserleitung mit UV-Anlage.

(Foto: Claus Schunk)
  • München rühmt sich damit, mit die beste Trinkwasser-Qualität in ganz Europa zu haben.
  • Damit das auch in Zukunft so bleibt, haben die Stadtwerke nun UV-Filter installiert, die im Ernstfall das Münchner Trinkwasser keimfrei halten sollen.
  • Bisher wurde es bei Bedarf gechlort - etwa bei extremen Regenfällen. Das ist nun hinfällig.

Fünf Röhren ragen aus der Betonwand des Bunkers. Hier unten rauscht das Münchner Wasser. Über drei Ebenen geht es hinab in den Untergrund, die Metallgeländer leuchten im künstlichen Licht, kein Staubkorn ist zu sehen. Der Bunker ist eigentlich ein Hochbehälter, gerade erbaut für zweieinhalb Millionen Euro. Dazu kommt noch einmal etwa dieselbe Summe für das, was Helge-Uve Braun "die Reaktoren" nennt: hochmoderne UV-Strahler, die im Ernstfall das Münchner Trinkwasser keimfrei halten sollen.

Der Ernstfall tritt zum Glück nur selten ein. 2013 mussten die Stadtwerke München (SWM) zuletzt das Leitungswasser behandeln, weil damals extremer Starkregen die Trinkwasserqualität für eineinhalb Millionen Münchner bedrohte, sagt Braun, der Technische Geschäftsführer der SWM. Damals musste zwei Tage lang gechlort werden. Das ist nicht außergewöhnlich, in anderen Städten wird das Leitungswasser regelmäßig gechlort, weil die Qualität nicht besonders gut ist. Doch München rühmt sich damit, eines der besten Trinkwasser in ganz Europa zu haben. Es kommt zu 75 Prozent aus Grund- und Quellwasser im Mangfalltal, ein Fünftel stammt aus dem Loisachtal im Landkreis Garmisch-Partenkirchen und fünf Prozent aus fünf Spitzenförderwerken in der Münchner Schotterebene. Und es fließt normalerweise völlig unbehandelt durch die Leitungen und kann sogar zur Zubereitung von Babynahrung verwendet werden, versichern die Stadtwerke.

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Damit das auch in Zukunft so bleibt, gibt es nun die UV-Filter. In jeder der fünf Röhren im Untergrund von Deisenhofen sind Hightech-Strahler eingebaut, die bei Bedarf angeschaltet werden können und das hindurchströmende Leitungswasser im Notfall entkeimen. 4200 Liter pro Sekunde rauschen durch jedes der fünf Rohre, eines befördert das Wasser aus der Schotterebene durch den Bunker, vier weitere das Wasser aus den Voralpen im Landkreis Miesbach. Wenn es dort Hochwasser gibt und die Mangfall über die Ufer tritt und das Grundwasser der Stadt bedroht, können Techniker von der Stadtwerke-Zentrale in Moosach per Knopfdruck die Solaranlage einschalten. Denn eigentlich ist der UV-Filter nicht viel anderes als eine Bestrahlung durch künstliches Sonnenlicht tief unter der Erde in einem Vorort von München.

Seit zehn Jahren beschäftigt das Thema Rainer List. Er ist bei den Stadtwerken der Leiter der Trinkwassergewinnung. Der Betonbau ist genau genommen sein Werk. "Wir haben uns überlegt, das Wasser geschmacksneutral zu halten und ein besseres Ergebnis zu erzielen", sagt List. Bislang wurde in München bei Starkregen oder Hochwasser gechlort. Doch beim jüngsten Ernstfall vor mehr als sechs Jahren gab es zahlreiche Beschwerden von Münchnern, die wegen des Chlorgeruchs klagten. Tatsächlich kann das im Notfall eingesetzte Chlorgas auf Dauer vor allem für Schwangere und Säuglinge schädlich sein.

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Doch die Wasserexperten können da beruhigen. Die Menge des eingesetzten Chlorgases im sogenannten Gewinnungsgebiet im Mangfall- und Loisachtal sowie der Schotterebene ist per Gesetz so gering, dass gesundheitliche Probleme nach Angaben der Stadtwerke ausgeschlossen werden können. Trotzdem setzen die SWM nun auf UV-Filter. Dazu haben sie zwei Jahre lang wissenschaftlich getestet, ob die ultraviolette Strahlung eine Auswirkung auf das Wasser hat. List hatte befürchtet, dass sich womöglich Algen durch das künstliche Sonnenlicht bilden. Doch das Szenario sei nicht eingetreten.

Da München eine der wenigen Großstädte in Europa ist, die so sauberes Trinkwasser hat, obwohl es völlig naturbelassen vom Taubenberg und anderen Quellen in die Stadt strömt, nehmen die Stadtwerke mehr Wasserproben als es das Gesundheitsamt vorschreibt. Zwei Mal am Tag werden an verschiedenen Stellen Wasserproben entnommen und zu einem großen Labor in der Stadtwerke-Zentrale nach Moosach gebracht. Mit den UV-Filtern in Deisenhofen, die nun in Betrieb gegangen sind, und einem zweiten Standort in Kreuzpullach kann das Trinkwasser noch besser gereinigt werden als bisher mit Chlor.

Obwohl die Anlagen lediglich bei einer drohenden Verschmutzung des Wassers angeschaltet werden, was zuletzt 2013 der Fall war, halten List und Braun sie trotzdem für eine sinnvolle Investition. Schließlich seien die Stadtwerke "verantwortlich für die sichere und zuverlässige Trinkwasserversorgung von mehr als 1,5 Millionen Menschen in München". Der Klimawandel wird voraussichtlich dazu beitragen, dass die UV-Bestrahlung künftig öfter anspringt. Klimaforscher rechnen damit, dass es neben Dürreperioden auch deutlich mehr Extremniederschläge im Raum München geben wird.

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