Russische Gaslieferungen:"Das kann noch weiter eskalieren"

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Russische Gaslieferungen: Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Mehrfamilienhauses an. Zwar wird immer noch Gas aus Russland geliefert, aber deutlich weniger als üblich.

Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Mehrfamilienhauses an. Zwar wird immer noch Gas aus Russland geliefert, aber deutlich weniger als üblich.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Die Münchner Stadtwerke bereiten sich auf den Ernstfall vor und raten Haushalten dazu, gezielt weniger Strom zu verbrauchen. Doch wie spart man eigentlich Gas im Sommer, wenn die Heizung schon längst abgestellt ist?

Von Catherine Hoffmann

Angesichts geringerer russischer Gaslieferungen warnt Thomas Meerpohl, der bei den Stadtwerken München (SWM) für Beteiligungsunternehmen wie Bayerngas und den Pipelinebetreiber Bayernets verantwortlich ist: "Die Lage ist ernst. Russland reguliert den europäischen Gasmarkt nach Belieben - mit dem Ziel, die Preise hochzutreiben. Das kann noch weiter eskalieren." Zwar werde noch immer Gas aus Russland geliefert, aber eben deutlich weniger als üblich. Und es könne noch weniger werden. "Das ist beunruhigend, wenn man weiß, dass auf russischer Seite nicht rational nach wirtschaftlichen Kriterien agiert wird", sagt der SWM-Manager.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte angesichts der angespannten Lage Industrie und Privathaushalte jüngst aufs Energiesparen eingestimmt: "Der Gasverbrauch muss weiter sinken, dafür muss mehr Gas in die Speicher, sonst wird es im Winter wirklich eng." Derzeit sind die Gasspeicher in Deutschland zu 57 Prozent gefüllt, in Süddeutschland ist der Stand noch geringer. Bis Anfang Oktober sollen es aber mindestens 80 Prozent sein.

Jede eingesparte Kilowattstunde helfe

Alle sollen dabei mithelfen, auch die Münchnerinnen und Münchner. "Es ist notwendig, dass Gas gespart wird", sagt auch Meerpohl. "Wir verbrauchen rund zwei Drittel des Gases im Winter, vor allem fürs Heizen, und müssen im Sommer die Speicher füllen." Wenn jetzt Russland immer weniger liefere, fehlten die Überschussmengen, um die Speicher für den Winter vollzumachen. "Das bedeutet, es geht nur über eine Reduktion des Verbrauchs", so der Energieexperte.

Jede eingesparte Kilowattstunde helfe, die Speicherstände zu erhöhen und die Folgen der gedrosselten russischen Gaslieferungen abzufedern. "Wir müssen das schaffen, entweder über freiwillige Entscheidungen von Gewerbe und Privathaushalten, mit Hilfe von Auktionen oder durch gesetzliche Eingriffe", sagt Meerpohl. "Ich gehe davon aus, dass alle drei Maßnahmen auf uns zukommen werden."

Doch wie spart ein Verbraucher im Sommer Gas, wenn die Heizung ohnehin längst abgestellt ist? Dann bleibt ihm nur, weniger heiß zu duschen und den Gasherd nicht voll aufzudrehen. Am meisten aber hilft es, weniger Strom zu verbrauchen, da ein erheblicher Teil durch die Verstromung von Erdgas erzeugt wird.

Auch bei den SWM gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich auf den Ernstfall vorbereitet

Freiwillige Verhaltensänderungen allein dürften aber nicht reichen. Deshalb greift schon heute der "Notfallplan Gas" des Bundes. Er kennt drei Stufen, die erste ist längst erreicht: In der Frühwarnstufe werden Krisenteams aus Energieversorgern und Behörden gebildet. Auch bei den SWM gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich auf den Ernstfall bestmöglich vorbereitet: dass immer weniger Gas aus Russland kommt.

Verschlechtert sich die Versorgung weiter, kann die Bundesregierung erst die Alarm- und dann die Notfallstufe ausrufen. Konkret heißt dies auf Stufe drei: Die Bundesnetzagentur entscheidet, wie das Gas in Deutschland verteilt wird. Bestimmte Verbrauchergruppen sind dabei gesetzlich geschützt, sie müssen möglichst bis zuletzt mit Gas versorgt werden: Haushalte, soziale Einrichtungen wie etwa Krankenhäuser, und Gaskraftwerke, die zugleich auch der Wärmeversorgung dienen.

Und die Preise? Steigen ungebremst. Die SWM hatten schon angekündigt, dass Gas zum 1. August mehr kosten wird. Eine baldige Entlastung erwartet Meerpohl nicht, im Gegenteil: "Es ist wahrscheinlich, dass sich Energie weiter verteuert."

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