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Caritas:Diese App soll jungen Suchtkranken helfen

Klar und übersichtlich strukturiert ist die Cari-App für das Smartphone, die Suchtkranken dabei helfen soll, ihr Verlangen zu überwinden.

(Foto: Caritas)
  • Die Caritas-Fachambulanz hat für junge Suchtkranke die Cari-App entwickelt.
  • Die App soll dabei helfen, die Frühwarnsignale eines Rückfalls wahrzunehmen und die Motivation stärken, der Sucht nicht nachzugeben.
  • Als wichtiges Instrument fungiert ein Tracker, mit dessen Hilfe Suchtkranke ihr Verlangen, ihre Stimmung und ihr Konsumverhalten dokumentieren können.

Wenn ein Rückfall droht, dann kann das Smartphone helfen, den erneuten Absturz in die Sucht verhindern: Dazu hat die Caritas-Fachambulanz für junge Suchtkranke, die Cari-App entwickelt. Die digitale Hilfe soll freilich nicht die ambulante Therapie ersetzen, sondern dabei unterstützen, die Frühwarnsignale eines Rückfalls wahrzunehmen und die Motivation stärken, der Sucht nicht nachzugeben.

Die Idee zur Cari-App entstand aus einem Fachtag der Suchthilfe-Experten . Für Jugendliche und junge Erwachsene ist das Smartphone ein ständiger Begleiter - warum also das Gerät nicht dafür nutzen, die Therapie zu unterstützen? "Am Anfang hatten wir die Idee, wir machen alles selber", sagt der Leiter der Fachambulanz, Ralf Hermannstädter. Auch ein ehemaliger Klient, der selbst Apps programmiert, machte mit. Für die App entstand zunächst ein Storyboard. "Es wurde immer größer", erzählt Hermannstädter. Eine Entwicklerfirma machte dann den Experten klar, "dass nicht zuviel rein darf." Herausgekommen ist nun eine App, die klar und einfach strukturiert ist und bei allen Arten der Sucht eingesetzt werden kann.

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Als wichtiges Instrument fungiert dabei ein Tracker, mit dessen Hilfe Suchtkranke ihr Verlangen, ihre Stimmung und ihr Konsumverhalten täglich dokumentieren können. Das macht die Zusammenhänge über längere Zeit bewusst. Ebenso lernen Suchtkranke, stärker auf Frühwarnsignale für einen Rückfall zu achten: Da können Gedanken, Gefühle, körperliche Reaktionen und Verhalten deutliche Hinweise darauf liefern, dass es nun an der Zeit sein könnte, die Reißleine zu ziehen: Ein roter Button, markiert mit Notfall und einem stilisierten Fallschirmspringer, ruft in Erinnerung, "was mich motiviert, auf dem Weg zu bleiben", sagt Hermannstädter. Das kann beispielsweise der Anruf bei einer Freundin oder einem Freund sein oder auch ein Bild vom eigenen Kind. Außerdem gibt es ein "Info-ABC" und ein Quiz, bei dem jeder sein Wissen über Sucht testen kann.

Apps würden gerade von jungen Erwachsenen schnell und unkompliziert akzeptiert und könnten daher als Hilfsassistenten fungieren. "Ein vertrautes Gerät in eine Therapie zu integrieren, kann bedeuten, dass Klientinnen und Klienten Therapie und Arbeitsaufträge bereitwilliger annehmen und eher dabeibleiben", erklärt Hermannstädter. Zudem würden Nutzer lernen, sich in psychischen Krisen bis zu einem gewissen Grad selbst zu helfen.

Bislang nur für Klienten freigeschaltet wird der Therapiebereich, in dem Vereinbarungen mit dem Therapeuten festgehalten werden, wie etwa kleine Hausaufgaben mit verhaltenstherapeutischem Ansatz: Zehn Gründe, warum es sich lohnt, suchtfrei zu leben. Zum Beispiel, weil es einem dann besser geht. Oder wegen der Familie. "Wenn die Vereinbarung erfüllt ist, gibt es zur Motivation ein Sternchen", erklärt Hermannstädter. Im Therapiebereich lassen sich auch Fotos von wichtigen Dokumenten speichern.

Die Fachambulanz für junge Suchtkranke, die sich um Alkoholkranke bis 30 Jahre, aber auch um andere Süchtige kümmert, hofft, dass die App nicht nur ihren Klienten, sondern vielen Suchtgefährdeten auf dem Weg zu einem Leben ohne Sucht hilft. "Analoge Angebote sollen keinesfalls ersetzt werden", betont Caritasvorständin Gabriele Stark-Angermeier. Die Cari-App, die im Google Play-Store und im Apple-Store kostenlos heruntergeladen werden kann, sei eine sinnvolle Verbindung von sozial und digital und könne Süchtigen eine neue Zugangsform zu analogen Angeboten bieten.

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