Studium in München:So sieht das Wintersemester an den Unis aus

Universities Face Continued Uncertainty During The Coronavirus Crisis

Noch sind die Tische im Audimax der TU München leer. Bald werden hier wieder Studierende Platz nehmen können.

(Foto: Andreas Gebert/Getty Images)

Nach drei Semestern im Lockdown kehren die Studierenden an die Universitäten zurück. Präsenz- und Digital-Veranstaltungen sollen sich abwechseln. Doch wer, wann oder wie? Ein Überblick.

Von Philipp Crone

Sollte der Vizepräsident für die Studentenschaft sprechen, steht den Münchner Studierenden ein angenehmes Semester bevor. Oliver Jahraus von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sagt zum Start am kommenden Montag: "Ich bin sehr entspannt und freue mich auf das Wintersemester." Nach drei Semestern im Lockdown spiegele sein eigenes Empfinden auch das der Studierenden wider, und er habe "viele Gespräche" geführt. Fazit: "Es ist für die Studierenden extrem wichtig, wieder an die Universität zurückkehren zu können." Können sie ja auch. Und es werden auch wieder mehr Studierende, auch an der TU München. Eines sei klar, sagt Jahraus, zu einem Zustand wie vor Corona werde man nicht mehr zurückkehren. Digital und analog würden sich in Zukunft mischen. Doch wer, wann oder wie?

Die Universitäten mischen ihr Angebot für Präsenz- und Digital-Veranstaltungen grundsätzlich je nach Ausrichtung. Eine große Vorlesung, wie es sie zum Beispiel in der VWL oder BWL gibt, zu der in früheren Zeiten bis zu 1000 Studenten in einem Hörsaal gesessen hätten, wird es so nicht geben. Vor allem auch deshalb, weil bei diesen Vorlesungen in erster Linie Wissen vermittelt wird. Das könne aber genauso gut eben auch digital passieren.

Wichtig, sagt Jahraus, sei Anwesenheit in kleineren Runden, in Seminaren, in Konstellationen, bei denen die Studierenden bereits einen gewissen Wissensstand haben und nun in einer Diskussion mit den Kommilitoninnen und Kommilitonen und dem Dozenten dieser weiter vertieft wird. So sollen etwa kleinere Veranstaltungen mit bis zu 30 Teilnehmern in der VWL möglichst in der Uni durchgeführt werden. Größere gebe es weiter ausschließlich digital, heißt es von der Pressestelle. Bei der BWL gibt es weiter die Möglichkeit eines Fernstudiums, da alle Veranstaltungen auch digital angeboten werden, bei Übungen wird es sowohl analoge sowie digitale Angebote geben. In der Medizin werden Praktika und Seminare "weitgehend in Präsenz" und Vorlesungen genauso "weitgehend" digital stattfinden. Und bei den Sozialwissenschaften und der Physik-Fakultät sind Präsenzsemester geplant, wobei in der Physik Maskenpflicht am Platz herrschen wird.

"Es gibt keine Impfpflicht, 3 G ist die staatliche Vorgabe"

An der TU ist es ähnlich. Man plane mit so viel Präsenz wie möglich, sagt Sprecher Ulrich Meyer, aber auch digitales Lernen, da, wo es sinnvoll sei. Interaktive Formate oder praktische Übungen und Laborarbeit werden auch hier vor Ort stattfinden, reine Vorlesungen aber digital respektive per Video aufgezeichnet. Die Präsenz-Regeln sind an den Münchner Universitäten gleich: Es gilt 3 G. Wobei am Ende wohl eines der Gs am verbreitetsten sein wird, wie eine Umfrage der LMU nahelegt.

3000 Studierende aus der Medizin und den Kommunikationswissenschaften wurden zum Thema Impfen befragt, und die Resonanz war deutlich. 92 bis 94 Prozent sagten, dass sie bereits entweder geimpft seien oder sich impfen lassen wollen. Aber dass die Universitäten, wie zum Teil behauptet werde, eine Impfpflicht durch die Hintertür einführen wollten, das stimme nicht, sagt Jahraus von der LMU. "Es gibt keine Impfpflicht, 3 G ist die staatliche Vorgabe, und wir haben auch an zwei Orten ein eigenes Testangebot, das die Studierenden kostenlos nutzen können." Und das werde wohl wieder mehr werden, da die Zahl der Studierenden insgesamt steigt.

An der TU wurden für das nun startende Wintersemester 18 285 Bewerber zugelassen, sagt Sprecher Meyer, das sind eineinhalb Prozent mehr als im Vorjahr. Immatrikuliert werden am Ende aber deutlich weniger. Auch die Zahl der internationalen Studenten sei gestiegen, mit 6890 seien es 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahlen sind allerdings noch nicht endgültig, denn am Ende gehe es um die Frage, ob alle der zugelassenen Bewerberinnen und Bewerber sich auch immatrikulieren.

Meyer rechnet damit, dass zum Wintersemester mindestens so viele internationale Studierende kommen werden wie vor Corona. Und das, obwohl die Hürden durch unterschiedliche Regelungen wie Visa, Impfungen oder Einreise in einzelnen Ländern zum Teil hoch seien. Ein Betreuungsangebot an der TU wird es sowohl für das "On- und Reboarding", also die Erstsemester sowie die schon einige Zeit Studierenden digital und analog geben. Und auch an der LMU ist der Zulauf nun wieder groß.

Die Zahl der Erasmus-Studierenden habe annähernd das Niveau von 2018 erreicht, und auch von den außereuropäischen Ländern erwartet man an der LMU stark steigende Zahlen, sagt Sprecherin Claudia Russo. Man gehe davon aus, dass insgesamt etwa 10 000 ausländische Studierende im Wintersemester immatrikuliert sein werden, die aktuelle Zahl sei jetzt schon höher als vor Corona. Und die Zahl der Erstsemester sei mit knapp über 8000 wie im vergangenen Wintersemester und leicht unter dem Vor-Corona-Niveau. Beim Studentenwerk blickt man ebenfalls positiv auf den Beginn des Wintersemesters. Zwar ist nach wie vor die Suche nach Wohnplätzen für viele Studierende das größte Problem, dafür gibt es etwa bei der Hochschulgastronomie gute Nachrichten. Alle sieben Mensen und die meisten der kleineren gastronomischen Betriebe seien wieder geöffnet. Es kann also vor Ort gelehrt, gegessen und dann auch geprüft werden, sowohl fachliche Inhalte als auch die Einhaltung der Corona-Regeln.

An der TU werde man mit Stichproben die Einhaltung der 3G-Regeln überprüfen, sagt Meyer, Verstöße würden an die Behörden gemeldet. Und Studierende, die keines der Gs vorweisen können, dürfen an einer Lehrveranstaltung auch nicht teilnehmen. An der LMU wird es "engmaschige Kontrollen an den Gebäude-Eingängen" geben, zudem werden noch im Oktober weitere Impfaktionen angeboten. Die Prüfungen, die zum Großteil ja erst im März und April stattfinden werden, sollen an der TU größtenteils ebenfalls in Präsenz abgehalten werden und an der LMU sind ebenfalls Prüfungen in Präsenz zulässig. Bei diesen Prüfungen bestünde keine 3G-Regel, sagt Sprecherin Russo.

Es kann also losgehen am Montag, mit der Präsenz im Präsens.

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