Die Prognose, die Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) Anfang des Jahres gemacht hat, erwies sich als recht zielgenau, was den Startpunkt der Bauarbeiten angeht: „Noch heuer werden die Bagger in der Studentenstadt rollen – und dann bald neues Leben einziehen“, sagte der Minister im Februar, als die Verträge für die Sanierung der beiden größten Häuser 9 und 12 unter Dach und Fach waren. In einem hat er sich allerdings getäuscht: Von Baggern ist auf dem Areal von Deutschlands größter Studierendensiedlung nichts zu sehen, denn abgerissen werden die beiden Häuser nicht, sondern nur bis zum Rohbau entkernt. Was für eine gewaltige Aufgabe das ist, davon konnte sich Blume zusammen mit seinem Kabinettskollegen Christian Bernreiter (CSU), dem Minister für Wohnen, Bau und Verkehr, am Dienstag beim offiziellen Startschuss für die Sanierung überzeugen.
Wegen Mängeln beim Brandschutz waren die beiden größten Häuser auf dem Gelände seit Längerem nicht bewohnbar. Nun geht es darum, sie im Inneren von Schadstoffen zu befreien und ihnen danach ein modernes Ambiente zu verpassen. Weil so viel zu erledigen ist, freuten sich die Beteiligten, dass die Sanierung zwei Monate früher als geplant starten konnte. Schließlich geht es darum, alle Böden, Decken und Wände abzuschleifen, wie Ralph Büchele, Geschäftsführer der staatseigenen Firma Bayernheim, bei seiner Rede sagte, der auch gleich einen griffigen Vergleich mitlieferte: „Es handelt sich um eine Fläche, die so groß ist wie 17 Fußballfelder.“ Kein Wunder, dass Menschen allein damit leicht überfordert wären, sodass bei den Schleifarbeiten auch Roboter eingesetzt werden.

Wohnen in München:Neue Apartments für die Studentenstadt
Auf dem Freimanner Areal setzt eine neue Dynamik ein: Erst kündigt der Freistaat ein Sanierungskonzept an, und nun will das Studierendenwerk auch noch zusätzliche Wohnheimplätze schaffen.
Das Bezahlen müssen allerdings die Steuerzahler übernehmen, und da kommt einiges zusammen. Die gesamten Investitionskosten belaufen sich auf 151 Millionen Euro. Dafür wird den Studentinnen und Studenten spätestens 2027 und 2028 einiges geboten. In Haus 12, vor dessen Fassade gerade ein hoher Kran steht und die Container nach oben hievt, in die das herausgerissene Material wandert, werden den Zimmern die bisherigen Balkonflächen zugeschlagen. In jedem Haus wird es Einzel- und Doppelzimmer sowie Gemeinschaftsräume geben. Jedes der knapp 1000 Zimmer ist komplett mit Bett, Schreibtisch, Stuhl, Schrank und Küche ausgestattet, in jedem gibt es ein Bad mit Dusche, WC und Waschtisch. Sobald alles fertig ist, werden in der Studentenstadt wieder mehr als 2400 Wohnplätze zur Verfügung stehen.

Und das ist auch bitter nötig, denn die Warteliste beim Studierendenwerk für einen der günstigen Wohnplätze ist sehr lang. Und weil etliche Häuser auf dem Areal in Freimann, die in den Jahren 1961 bis 1975 entstanden, plötzlich als unbewohnbar galten, wurde die Not noch größer. Auf die Schnelle wird die Situation ohnehin nicht besser, denn bis zur Fertigstellung der beiden großen Häuser wird es noch dauern. Haus 12 soll Ende 2027 bezugsfertig sein, das größere Haus 9 etwa ein Jahr später.
Wissenschaftsminister Blume hob hervor, dass es nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung zweier Ministerien, der Bayernheim GmbH und dem Studierendenwerk gelungen sei, Nägel mit Köpfen zu machen und die Sanierung so schnell wie möglich anzupacken. Bauminister Christian Bernreiter sprach von einem „Meilenstein für das studentische Leben“ und erinnerte daran, dass man durch den Verzicht auf Abriss die „vorhandene graue Energie“ der Gebäude nutzen könne. Bernreiter sagte, der Freistaat habe in den vergangenen zehn Jahren etwa 360 Millionen Euro in die Studentenwohnraumförderung investiert und so etwa 10 000 bezahlbare Wohnplätze geschaffen und erhalten. In diesem Jahr seien dafür 38 Millionen Euro vorgesehen.
Blume ergänzte, der Freistaat habe überdies ein neues 50-Millionen-Euro-Sofortprogramm aufgelegt, das die Eigenkapitalbasis der Studentenwerke stärken solle. Claudia Meijering, Geschäftsführerin des Studierendenwerks München, sprach von einer „guten Partnerschaft“ bei den anstehenden Aufgaben und räumte ein, dass es ohne die nun eingetroffene Hilfe nicht zu schaffen gewesen wäre. Haus 13, in dem es 2021 in einem Keller gebrannt hatte und eine Bewohnerin an einer Rauchgasvergiftung starb, wird vom Studierendenwerk in Eigenregie saniert, mit Eigenmitteln und Fördergeldern vom Bund. Die Fertigstellung ist für Herbst 2028 geplant.
Eine Botschaft richtete Blume auch an die Adresse der Stadt. Es wäre zu begrüßen, wenn diese sich stärker beim Bau von Wohnplätzen für Studierende engagiere. Sie sollte, so Blume, einen Beitrag leisten und auf dem Areal Baurecht für eine Nachverdichtung schaffen. Denn auch nach der erfolgreichen Sanierung wird bezahlbarer Wohnraum für Studierende in München Mangelware sein.

