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Freimann:Deutschlands größte Studentenwohnanlage soll weiter wachsen

Sprayer Studentenstadt

In 25 Häusern mit bis zu 19 Geschossen bietet das Studentenwerk am nördlichen Englischen Garten gut 2400 Wohneinheiten an.

(Foto: Florian Peljak)

Die Studentenstadt an der Ungererstraße soll massiv erweitert werden: auf dem Parkplatz im Niemandsland zwischen Autobahn und U-Bahnhof. So stellt es sich die Stadtverwaltung vor.

Von Stefan Mühleisen, Freimann

Deutschlands größte Studentenwohnanlage könnte bald noch größer werden: Das Studentenwerk München fasst einen städteplanerischen Wettbewerb für eine Erweiterung des Wohnheim-Ensembles Studentenstadt in Freimann ins Auge. In einer ersten Einschätzung hinsichtlich des bestehenden Bebauungsplans spricht das Planungsreferat in einem Beschlussentwurf für den Stadtrat von einem "rechnerischen Nachverdichtungspotenzial in der Größenordnung von 1200 Wohnheimplätzen". Damit nicht genug: Nach dem Beschlussentwurf mit dem Titel "Masterplan Studentenstadt" sieht die Planungsbehörde auch im Umfeld Entwicklungspotenzial - und schlägt vor, gemäß einem Antrag der ehemaligen CSU-Stadträtin Dorothea Wiepcke auf Höhe der Studentenstadt, östlich und westlich der Ungererstraße, einen Bebauungsplan aufzustellen.

Damit fällt der Blick auf ein Stück Stadt, das infrastrukturell mit der Nähe zur Anschlussstelle der A 9, der U-Bahn-Haltestelle "Studentenstadt" und dem zugehörigen Busbahnhof zwar gut erschlossen ist, das angesichts des zunehmenden Flächenmangels aber nicht optimal genutzt wird. Für die Anlage der Studentenstadt mit ihren derzeit 2405 Wohneinheiten hat das Studentenwerk dies bereits im Jahr 2016 erkannt und lotet seitdem mit der Stadtverwaltung Nachverdichtungsmöglichkeiten aus. Ein Jahr zuvor hat die Organisation, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, das Areal vom Gründungs- und Bauverein Studentenstadt München als Erbbaunehmer (Eigentümer ist der Freistaat) übernommen. Der Verein hatte die Anlage 1961 bis 1978 in vier Bauabschnitten realisiert; es entstanden 25 Häuser mit bis zu 19 Geschossen, benannt nach den Stiftern und nach Mitgliedern des NS-Widerstands. Nach der Übernahme ließ das Studentenwerk alle Gebäude bautechnisch analysieren, heraus kam ein "weitreichender Sanierungsbedarf", wie Studentenwerkssprecherin Sophie Plessing formuliert.

Das Studentenwerk München treibt schon länger den Neubau von Wohnheimen voran; 11 000 Plätze hält die Organisation derzeit in München, Freising und Rosenheim. Dazu fließt viel Geld in den Erhalt des Bestandes. Zuletzt nahm sich das Studentenwerk - wie etwa auch im Olympischen Dorf - schon einige Häuser in der Studentenstadt vor, teil- und generalsanierte. Doch all dies ist ziemlich teuer, von einem "hohen Finanzbedarf" spricht die Organisation, "den das Studentenwerk aktuell nicht stemmen kann". Heißt also: Der Etat gibt das erwünschte Projektportfolio (noch) nicht her; erforderlich sei nicht nur eine Anpassung der Regelförderung von 32 000 Euro je Wohnplatz. Das Studentenwerk lässt auch durchblicken, dass der Freistaat zusätzliches Fördergeld locker machen muss. Entsprechend zurückhaltend äußert sich die Organisation zu den Erweiterungsplänen in der Studentenstadt.

Sprecherin Plessing macht klar, dass sich die Planungsparameter ohnehin erst aus dem Architektenwettbewerb ergeben sollen - der aber erst ausgelobt wird, wenn die Finanzierung steht. Als relativ sicher gilt, dass das Parkdeck an der Ungererstraße als Areal für einen Neubau in Frage kommt; das Planungsreferat hält überdies Aufstockungen der Bestandsgebäude um ein bis zwei Stockwerke für "vorstellbar".

Gut vorstellen kann sich die Planungsbehörde auch, Münchens größte ebenerdige Park-&-Ride-Anlage umzugestalten. Von einem "unwirtschaftlichen Flächenverbrauch" ist die Rede, wobei die Anlage westlich des U-Bahnhofs "Studentenstadt" mit ihren 405 Stellplätzen obendrein durchschnittlich nur bis zu 75 Prozent ausgelastet sei. Schon dieses Frühjahr regte die Verwaltung an, das Areal "in einem größeren Kontext" zu überplanen, also zu eruieren, ob und wie ein Parkhaus mit darüberliegenden Wohnungen oder ein Stelzenhaus, etwa nach dem Vorbild am Dantebad, möglich ist. Allerdings sei es nötig, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für eine Seilbahn-Trasse im Norden abzuwarten. Denn entschlösse man sich zum Seilbahnbau, so merkt das Planungsreferat an, stehe schon jetzt fest, dass "dem Standort Studentenstadt eine zentrale Stellung im betrieblichen Ablauf mit nicht unerheblichem Flächenanspruch zukommen wird".

Relativ sicher dürfte hingegen sein, dass der Busbahnhof Studentenstadt ausgeweitet wird. Die Wachstumsdynamik im Münchner Norden, vor allem durch das Neubaugebiet Bayernkaserne, erfordert Taktverdichtungen und Buszüge von bis zu 23 Metern Länge. Die Münchner Verkehrsbetriebe (MVG) arbeiten derzeit an der Entwurfsplanung, die auch einen barrierefreien Ausbau beinhaltet; ausweislich des Beschlussentwurfs, über den wohl bald im Planungsausschuss beraten wird, geht die MVG davon aus, schon 2021 loslegen zu können. Der Stadtrat wird sich nach Auskunft des Planungsreferats voraussichtlich Ende dieses Jahres oder Anfang 2021 mit der Vorlage befassen.

© SZ vom 05.11.2020/aner
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