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München:Offenbar gezielter Brandanschlag auf Infrastruktur

Kabelbrand München

Im Bereich der Grafinger Straße brannte ein Kabel in einer Baugrube, das hat einen großen Stromausfall ausgelöst.

(Foto: Berufsfeuerwehr München)

20 000 Haushalte waren ohne Strom: Das Feuer in einer Baugrube ist offenbar von linksradikalen Tätern gelegt worden. Der Staatsschutz prüft allerdings noch, ob das Bekennerschreiben authentisch ist.

Von Julian Hans

Der weitreichende Stromausfall im Osten Münchens war offenbar das Ergebnis eines linksextremistischen Brandanschlags. In einem Bekennerschreiben, das am Sonntag auf der linksradikalen Plattform Indymedia veröffentlicht wurde, brüsten sich die anonymen Autorinnen oder Autoren damit, "das Strom- und Glasfasernetz der Stadtwerke im Münchner Osten angegriffen" zu haben. Primäres Ziel sei das im Werksviertel ansässige Unternehmen Rohde & Schwarz gewesen, das als "Rüstungskonzern" bezeichnet wird.

Rohde & Schwarz beliefert Unternehmen und den Staat unter anderem mit elektronischer Mess- und Fernmeldetechnik. Diese wird sowohl bei der Flugsicherung eingesetzt als auch vom Militär. Mit dem Anschlag sei es "erfreulicherweise" gelungen, dem Konzern für 24 Stunden "den Saft abzudrehen". Außerdem sei die Aktion ein Angriff auf die politisch Verantwortlichen in München und Bayern und "unsere Antwort auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen". Weil die Stadtwerke weiter ein Kohlekraftwerk betrieben und am Kernkraftwerk Isar 2 beteiligt seien, kündigten die Verfasser an, "auch in Zukunft ihre Infrastruktur anzugreifen". Die Polizei wollte sich zunächst nicht zu dem Schreiben äußern. Am Samstag befragten Ermittler Anwohner in Berg am Laim. Zeugen hatten von einem lauten Knistern und einem Knall berichtet, wenig später schlugen Flammen aus der Baugrube in der Grafinger Straße vor einem Umspannwerk der Stadtwerke. Ob die Nachbarschaftsbefragung neue Hinweise erbracht habe, wollte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums am Montag nicht kommentieren. Die Zeugenaussagen würden nun überprüft, hieß es. Die Ermittlungen führt die Staatsschutz-Abteilung. Der Staatsschutz der Münchner Polizei prüfte am Dienstag noch, ob die Selbstbezichtigung überhaupt authentisch ist. So war im Bekennerschreiben der Firmenname falsch geschrieben, auch die unklare Stoßrichtung gegen Rüstungsindustrie, "Klimakiller" und IAA zugleich ist eher ungewöhnlich.

Das Feuer war in der Nacht auf Freitag bemerkt worden. Als die Feuerwehr kurz vor vier Uhr eintraf, schlugen Flammen lichterloh aus der Baugrube. Der Brand beschädigte 50 Leitungen mit Mittelspannung, die den Strom vom Umspannwerk zu den Verteilerkästen führen, von denen aus wiederum die Haushalte und Betriebe in der Umgebung versorgt werden. Zeitweise waren 20 000 Haushalte in Ramersdorf, Berg am Laim und Haidhausen ohne Strom, 150 Trafostationen fielen aus. Indem Strom über andere Leitungen ins Netz geleitet wurde, konnte nach und nach die Versorgung wieder aufgebaut werden.

Am längsten mussten sich die Anwohner in unmittelbarer Nähe zum Brandort gedulden, sie hatten erst Samstagmittag wieder Saft. Für Personen, die aus gesundheitlichen Gründen auf Strom angewiesen sind - etwa um Sauerstoffgeräte zu betreiben - richtete die Feuerwehr Notversorgungen ein. Anwohner konnten auch ihre Handys und Laptops aufladen. Lautsprecherwagen informierten die Bevölkerung.

Brandanschläge auf Objekte der Infrastruktur sind in München nichts Neues. Allein im vergangenen Jahr hatte die Polizei drei größere Fälle bekannt gemacht. So brannte im Februar 2020 ein Funkmast im Perlacher Forst und im Mai ein Sendemast auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks in Freimann. Im Juli suchten sich die unbekannten Täter einen Mobilfunkmast am Theodor-Heuss-Platz in Neuperlach aus. Weitere Brandanschläge auf Datenleitungen wurden im ganzen Stadtgebiet verübt.

© sz.de/van/imei/lfr
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Auf einer Baustelle war am Freitag der Brand ausgebrochen, 20 000 Haushalte in München waren zeitweise ohne Strom.

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