Kulturförderung in MünchenIm Streit um den Opernzuschuss zeichnet sich eine Lösung ab – vorläufig

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Am neu gestalteten Max-Joseph-Platz in Münchens Innenstadt steht die Bayerische Staatsoper, aktuell Zankapfel im Streit Stadt versus Staat.
Am neu gestalteten Max-Joseph-Platz in Münchens Innenstadt steht die Bayerische Staatsoper, aktuell Zankapfel im Streit Stadt versus Staat. (Foto: Sven Hoppe/dpa)

„Es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern“, sagt Bayerns Kunstminister Markus Blume. Er liefert sich hinter den Kulissen seit Monaten eine Fehde mit der Stadt München. Deren Kulturausschuss will den Zuschuss für die Musiktheater des Freistaats streichen.

Von Susanne Hermanski

Das Münchner Kulturreferat hätte die Kuh gern vom Eis, noch vor der Vollversammlung des Stadtrats in der nächsten Woche. Dort wird der Haushalt beschlossen, und die Stadt München muss, wie so viele Kommunen, heftig sparen, auch an ihren eigenen Theatern, Museen und Orchestern. Deshalb wollte sie 5,7 Millionen Euro streichen, die gemäß einer alten Vereinbarung jährlich als Betriebskostenzuschuss an zwei staatliche Institutionen fließen: die Bayerische Staatsoper und das Gärtnerplatztheater. Zumindest tun sie dies in der Theorie.

Denn während der Pandemie hatte die Stadt den Betrag zwei Jahre lang schon einmal auf null gesetzt. Und 2023 und 2024 zahlte München lediglich noch 2,5 beziehungsweise 2,7 Millionen Euro der ursprünglich vereinbarten Summe an den Freistaat. Für 2026 wollte die Kommune den Betriebskostenzuschuss jedoch angesichts ihrer schlechten Finanzlage erneut unterlassen.

Kulturreferent Marek Wiechers im Sommer bei einer Kundgebung vor dem Münchner Rathaus.
Kulturreferent Marek Wiechers im Sommer bei einer Kundgebung vor dem Münchner Rathaus. (Foto: Robert Haas)

Jetzt zeichnet sich eine Lösung ab – zumindest für das nächste Jahr. Das Kulturreferat will 2026 an den Freistaat nun doch 1,5 Millionen Euro für die beiden Münchner Musiktheater-Ensembles überstellen. Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) plant dementsprechend seinen Etat noch einmal um. Uneinigkeit gibt es aber noch darüber, wie es danach weitergeht. Das Kulturreferat signalisiert, 2027 wieder auf die Hälfte der 5,7 Millionen hochgehen zu wollen, verweist aber auch auf Unwägbarkeiten in harten Zeiten.

Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) drängt unterdessen auf eine schriftliche Zusage des Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) in dieser Sache: „Aktuell ist noch nichts in trockenen Tüchern. Ich wünsche mir klare Verhältnisse. Es braucht eine Rückkehr zu einem partnerschaftlichen Verhältnis, das über dieses Haushaltsjahr hinaus trägt“, sagt Blume. „Es kann nicht sein, dass sich bei jeder Haushaltskrise die Förderkulisse zulasten des Freistaats verschiebt – und dann auch noch verstetigt, wie es zum Beispiel bei den Münchner Symphonikern der Fall ist.“

Kunstminister Markus Blume bei der Eröffnung der Dekorationslagerhalle der Oper in Poing in diesem Sommer.
Kunstminister Markus Blume bei der Eröffnung der Dekorationslagerhalle der Oper in Poing in diesem Sommer. (Foto: Christian Endt)

Blume hatte schon vor Wochen in einem Brief an Reiter Gegenmaßnahmen angekündigt, sollte die Stadt den Betriebskostenzuschuss für die beiden Musiktheater streichen. Besonders Reiters Bündnispartner in der Stadtregierung, die Grünen, hatten sich für diese Streichung starkgemacht. Sie verweisen auf die Finanz-Notlage vieler Kommunen.

Besonders alarmiert reagierten nach Bekanntwerden des Musiktheater-Streits die Münchner Symphoniker. Das freie Orchester hat seinen Sitz in München, tourt häufig im Freistaat und erhält bisher staatlicherseits dreieinhalb Millionen Euro jährliche Unterstützung, von der Stadt 700 000 Euro. Bis 2004 hatte sich die Stadt anteilig stärker engagiert. Infolge einer damaligen Haushaltskrise fuhr sie den Förderbetrag runter, und sie hat ihn nie mehr angeglichen.

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