Die Münchnerinnen und Münchner müssen an diesem Freitag und Samstag, 27. und 28. Februar, mit erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Personennahverkehr rechnen. In der Tarifauseinandersetzung mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden zündet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die nächste Eskalationsstufe und ruft bundesweit zum zweitägigen Warnstreik auf. In München wird bereits in der Nacht auf Freitag ein Großteil der Tram-, U-Bahnen und Busse bis zur Liniennummer 199 in ihren Depots bleiben.
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird erneut mit Notfahrplänen auf den zweitägigen Warnstreik reagieren. Allerdings sei bisher nicht absehbar, welche Auswirkungen die Streikankündigung konkret haben werde, sagt ein Sprecher der Verkehrsgesellschaft. „Das hängt natürlich von der Streikbeteiligung ab. Aber es wird spürbare Einschränkungen geben.“ Ausweichen können Pendlerinnen und Pendler an beiden Streiktagen auf die Münchner S-Bahn. Diese wird nicht bestreikt. Fahren werden auch jene Busse, die von privaten Busunternehmern betrieben werden.
Wenn sich genug Mitarbeiter zum Dienst meldeten, könne der Betrieb auf einzelnen Linien oder Abschnitten aufgenommen werden, teilt die MVG auf ihrer Website mit. „Im Fokus stehen dabei zunächst die U6 und die Tram 20“, so die MVG. Am Samstag sind außerdem die Dienste der neuen Linie 14 besetzt, die an diesem Tag ihren Betrieb aufnimmt.
Nach der zweiten Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern (KAV) liegen die Vorstellungen beider Seiten für die Beschäftigten im bayerischen Nahverkehr immer noch weit auseinander. Haris Softic von Verdi München sagt, es habe seitens der Arbeitgeber keinerlei Bewegung und Bereitschaft gegeben, auf die Arbeitnehmerseite zuzugehen.
Verdi fordert für die Beschäftigten in Bayern eine Lohnerhöhung von 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden; auch sollen Zuschläge etwa für Wochenenddienste erhöht werden. Die Arbeitgeberseite indes macht deutlich, dass diese Forderungen aus ihrer Sicht angesichts klammer Haushalte der bayerischen Städte und Gemeinden nicht zu erfüllen seien. Daran würde auch neue Streiks nichts ändern, heißt es vom KAV.
Dem hält Verdi-Sprecher Softic entgegen, dass die Beschäftigten im Nahverkehr sehr wohl mit weiteren Warnstreiks etwas bewegen könnten. „Wir werden weiter für unsere Sache kämpfen“, sagt er. Um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen, lädt Verdi München daher „Vertreter aller demokratischen Parteien“, wie der Verdi-Sprecher sagt, zu der für Freitagvormittag geplanten Streikkundgebung am Tramdepot an der Einsteinstraße am Leuchtenbergring ein.
Dass der zweite Warnstreiktag auf den Samstag fällt, sei bewusst so gewählt worden, sagt Softic. „Wir wissen, dass vom Ausstand viele Menschen betroffen sein werden. Daher bestreiken wir einen Arbeitstag und das halbe Wochenende.“ Zudem könnten sich die Münchnerinnen und Münchner dank der frühen Streikankündigung darauf einstellen, dass der Betrieb bei Bus, Tram und U-Bahn massiv eingeschränkt sein wird.
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem KAV ist für den 9. März angesetzt. Verdi-Sprecher Softic schließt nicht aus, dass es vor diesem Termin in München zu weiteren Warnstreiks kommen könnte.

